Museumsoffensive in Bayern
Zur Zukunft der Sammlung Goetz und des Architekturmuseums der TUM
Der Freistaat Bayern baut seine Museumslandschaft um. Verwaltungsstrukturen sollen effizienter, die Flächen neu verteilt werden. Aus 18 Museen werden organisatorisch-institutionell 10. So will es das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst unter Leitung von Staatsminister Markus Blume (CSU). Von einer Kommission hat es Reformvorschläge erarbeiten lassen. Auch das Architekturmuseum der TU München und das Haus der Sammlung Goetz sind davon betroffen. Die Details aus dem Weißbuch zur Reform, das im Juli dem Kulturausschuss des Bayrischen Landtags vorgestellt wurde, haben die Architekturwelt in Aufruhr versetzt.
Das Haus der Sammlung Goetz soll dauerhaft geschlossen bleiben. Es war 1990 nach Entwürfen von Herzog & de Meuron und Bernhard Behringer und unter Ausführung von Josef Peter Meier-Scupin im Auftrag der Familie Goetz entstanden und 2014 im Zuge einer Schenkung der privaten Kunstsammlung an den Freistaat übergegangen. Im Weißbuch heißt es dazu: „Das aufgrund von Bauschäden seit 2023 geschlossene Sammlungsgebäude in der Oberföhringer Straße ist wirtschaftlich nicht mehr sanierbar.“
Der Entscheidung sei eine umfassende Prüfung vorausgegangen, so Herzog & de Meuron gegenüber BauNetz. Diese habe gezeigt, dass eine Sanierung, insbesondere hinsichtlich Barrierefreiheit sowie energetischer und sicherheitsrelevanter Standards, ökonomisch nicht vertretbar sei. „Mit unserer Unterstützung wird eine Perspektive für einen Wiederaufbau an einem neuen Standort geprüft, damit das Gebäude auch künftig als Haus einer Sammlerin oder eines Sammlers und als Ausstellungsort für Kunst dienen kann.“, heißt es aus dem Büro.
Eine weitere Folge der Reform: Das Architekturmuseum der TU München soll seine festen Räume im Erdgeschoss der Pinakothek der Moderne verlieren. Laut Weißbuch ist der Slogan der Pinakothek der Moderne „Vier Museen unter einem Dach“ Geschichte. Das Haus soll eine übergeordnete Leitung bekommen und künftig die Sammlungen Moderne Kunst, die Neue Sammlung – The Design Museum, die Sammlung Goetz und das Deutsche Theatermuseum beherbergen. Mit der Staatlichen Graphischen Sammlung München und dem Architekturmuseum (das nicht vom Freistaat, sondern von der TU getragen wird) soll lediglich institutionalisiert kooperiert werden. Einen festen Ort innerhalb des Hauses – und damit auch ein kontinuierliches Ausstellungs- und Vermittlungsprogramm – gäbe es also nicht mehr.
Seit diese Pläne bekannt wurden, hat Staatsminister Blume mehrere Briefe bekommen. In einem von Anna-Maria Meister, Professorin am KIT in Karlsruhe, initiierten Brief appellieren 159 Unterzeichner*innen aus europäischen Hochschulen und Architekturinstitutionen nachdrücklich, „die Entscheidung, das Architekturmuseum aus seinen Räumen zu verdrängen oder es zu einem nicht dauerhaft ansässigen Gast zu machen“, zu überdenken.
Die Öffentlichkeit in Deutschland verfüge nur über sehr wenige Institutionen, die eine leicht zugängliche Auseinandersetzung mit Fragen, Entwicklungen und Geschichte der Architektur ermöglichen, heißt es darin. Dem Architekturmuseum sein etabliertes Zuhause in der Pinakothek der Moderne zu nehmen, würde seinen mühsam aufgebauten, internationalen Ruf gefährden. Und das in einer Zeit, in der viele Länder – darunter Südkorea, Portugal, Spanien und Singapur – erhebliche Mittel investierten, um genau solche Institutionen aufzubauen oder weiterzuentwickeln.
Ähnlich argumentieren die Berufsverbände in Bayern in ihren Briefen. Wer das Architekturmuseum schwächt, schwächt die Baukultur, heißt es von Seiten des BDA Bayern. Auch die Bayerische Architektenkammer weist auf die „zentrale Bedeutung des Architekturmuseums der TU München für die Pinakothek der Moderne und für Bayern als wichtigen Standort in der internationalen Architekturdiskussion“ hin.
Mit dem Stellenwert von Architektur im kulturellen Selbstverständnis des Freistaats argumentiert auch der 380 Mitglieder starke Freundeskreis Architekturmuseum der TUM. Er bittet, „entgegen den Empfehlungen der Reformkommission permanente Ausstellungsräume in der Pinakothek der Moderne behalten zu können.“ Immer wieder trete das Architekturmuseum mit Exponaten in den öffentlichen Raum hinaus und schaffe damit im Kontext des Kunstareals Magnete, die Besucher*innen niedrigschwellig ins Museum ziehen und mit Fragen des Planens und Bauens konfrontieren.
In seiner Antwort, die BauNetz vorliegt, bestätigt Blume, dass „das Architekturmuseum weiterhin „ein unverzichtbarer Teil der Pinakothek der Moderne sein wird, das Zuhause des Architekturmuseums bleiben soll und keine Schwächung“ beachsichtigt ist. Dass die Empfehlungen der Reformkommission 1:1 umgesetzt werden, ist bisher nicht bestätigt. Die Position eines Transformationsmanagers soll laut Süddeutscher Zeitung jedenfalls im Herbst ausgeschrieben werden. Die nächste Sitzungswoche des Bayrischen Landtags nach der Sommerpause beginnt am 28. September, eine Tagesordnung wurde noch nicht veröffentlicht. (fm)
Nein Nein, ist er natürlich nicht, beteuern die Erfinder der Rochade.
Guter Witz.
Und zum Heulen, da es den Stellenwert der Architektur beleuchtet.
Unterm Scheffel wenn nicht im Keller.
Und da wundert sich der Mensch, dass die gebaute Umwelt so hässlich ist, zudem permanent Bausubstanz sinnlos verschwindet und Wohnen kein Grundrecht darstellt.
Bauen ist offenbar doch nur ein Geschäftsmodell, nicht mehr und nicht weniger. Oder vielleicht eine Prestigegeschichte, wenn mal wieder ein vorhandenes Gebäude für einen Stararchitektenentwurf geopfert wird, damit die Stadt ein besseres Ranking bekommt.
Und der normale Mensch lernt in der Schule nichts über Ästhetik, Proportionen oder Farben. OK, mittlerweile freut sich der Mensch, wenn er Lesen und Schreiben lernt.
Da kann keine fundierte Einmischung aufkommen.
Und die Architektenclique bleibt unter sich und jammert.
Ach was rege ich mich eigentlich auf....