Keine Gaudi mit Gaudí
Zur Weihe des Jesusturms der Sagrada Família in Barcelona
Keine Gaudi mit Gaudí
Zur Weihe des Jesusturms der Sagrada Família in Barcelona
Zum heutigen 100. Todestag von Antoni Gaudí wird in Barcelona der Jesusturm der Sagrada Familia geweiht. Mit ihm ist die Basilika nun die höchste Kirche der Welt. Doch die Rückschläge der letzten Jahre und die Konflikte der Entstehungszeit kann die Jubelfeier nicht vergessen machen. Unser Autor blickt außerdem auf die antimoderne Haltung und den mystischen Katholizismus, der den Werken Gaudís innewohnt.
Die private Stiftung Junta Constructora del Temple Expiatori de la Sagrada Família hatte sich alle Mühe gegeben, die völlig unzeitgemäße Kathedrale Sagrada Família zum 100. Todestag von Gaudí endlich zu vollenden. Abgeschlossen werden nun aber lediglich die Bauarbeiten des zentralen, 172 Meter hohen Jesusturms. Die Fertigstellung der gesamten Basilika, deren Bau 1882 begann, zieht sich sicher noch weitere zehn Jahre hin. Der katalanischen Jubelfeier dürfte das allerdings keinen Abbruch tun.
Gleichwohl wird die Feier die Rückschläge der letzten Jahre nicht vergessen machen können. Erst vor einigen Jahren kam heraus, dass Gaudís „Sühnekirche“ („Temple Expiatori“) 137 Jahre lang ohne Baugenehmigung errichtet wurde. Die nachträglich unter der Stadtregierung von Ada Colau ausgestellte Genehmigung hatte ihren Preis: Die Baugesellschaft musste 4,6 Millionen Euro an die Stadtverwaltung entrichten und sich dazu verpflichten, 41.000 Quadratmeter Baufläche sowie die Höhe von 172 Metern nicht zu überschreiten. Parallel dazu setzte die Stadt fest, dass der kommerzielle Bereich der Kathedrale auf 372 Quadratmeter beschränkt bleibt. Außerdem hatte die Baugesellschaft weitere 36 Millionen zu zahlen, um – laut Tageszeitung El País – „die negativen Auswirkungen der Bauarbeiten auf die Nachbarschaft zu mildern“. So sollten das öffentliche Verkehrsnetz ausgebaut und die Nebenstraßen saniert werden.
Für die private Betreiberstiftung dürfte das keinen Aderlass dargestellt haben. Die Besucherströme schwellen von Jahr zu Jahr weiter an. Vor allem bei ostasiatischen Touristen gelten Gaudís Kirche und der Park Güell als unbedingtes Muss. 4,9 Millionen Touristen haben die Sagrada Família im letzten Jahr besucht. Das führte 2025 zu Einnahmen von 135 Millionen Euro. Im Vor-Pandemiejahr 2019 nahm man dagegen „nur“ 103 Millionen Euro ein. Umgerechnet verdient die Stiftung der Baugesellschaft pro Besuchstag 368.000 Euro. Davon wurden 55 Prozent für die Bauarbeiten abgezweigt.
Gleichwohl wird die Feier die Rückschläge der letzten Jahre nicht vergessen machen können. Erst vor einigen Jahren kam heraus, dass Gaudís „Sühnekirche“ („Temple Expiatori“) 137 Jahre lang ohne Baugenehmigung errichtet wurde. Die nachträglich unter der Stadtregierung von Ada Colau ausgestellte Genehmigung hatte ihren Preis: Die Baugesellschaft musste 4,6 Millionen Euro an die Stadtverwaltung entrichten und sich dazu verpflichten, 41.000 Quadratmeter Baufläche sowie die Höhe von 172 Metern nicht zu überschreiten. Parallel dazu setzte die Stadt fest, dass der kommerzielle Bereich der Kathedrale auf 372 Quadratmeter beschränkt bleibt. Außerdem hatte die Baugesellschaft weitere 36 Millionen zu zahlen, um – laut Tageszeitung El País – „die negativen Auswirkungen der Bauarbeiten auf die Nachbarschaft zu mildern“. So sollten das öffentliche Verkehrsnetz ausgebaut und die Nebenstraßen saniert werden.
Für die private Betreiberstiftung dürfte das keinen Aderlass dargestellt haben. Die Besucherströme schwellen von Jahr zu Jahr weiter an. Vor allem bei ostasiatischen Touristen gelten Gaudís Kirche und der Park Güell als unbedingtes Muss. 4,9 Millionen Touristen haben die Sagrada Família im letzten Jahr besucht. Das führte 2025 zu Einnahmen von 135 Millionen Euro. Im Vor-Pandemiejahr 2019 nahm man dagegen „nur“ 103 Millionen Euro ein. Umgerechnet verdient die Stiftung der Baugesellschaft pro Besuchstag 368.000 Euro. Davon wurden 55 Prozent für die Bauarbeiten abgezweigt.
Gaudís Baustil findet immer mehr Bewunderer, wenngleich seine strikt antimoderne Mission den meisten verborgen bleibt.Klaus Englert
Antimodern und naturreligiös
Gaudís Baustil findet immer mehr Bewunderer, wenngleich seine strikt antimoderne Mission den meisten verborgen bleibt. Sie bestand darin, mit einer religiös inspirierten Baukunst, historisch in der Gotik verankert, die zerrissene Gegenwart zu „heilen“. Die Mittelalter-Sehnsucht, entfacht vom englischen Kunsthistoriker John Ruskin, gilt als geistige Klammer der frühen Jahre. Anders als bei Gaudís modernistischem Mitstreiter Josep Puig i Cadafalch, der am Montjuïc eine neogotische Textilfabrik errichtete, tragen seine Bauwerke immer auch naturreligiöse Züge: Die Säulen in der Krypta von Santa Coloma de Cervelló erinnern an sprießende Bäume, die das auskragende Plateau im Parc Güell abstützenden Säulen an Elefantenbeine. Ferner erwachsen die Ornamente zumeist aus einem symbolisch behafteten Naturreich – etwa die Drachen am Wasserfall des Parc Ciutadella, dem Ort der Weltausstellung von 1888. Dabei gehen konstruktive und ornamentale Elemente oft ineinander über. Selbst die Gebäudegrundrisse sind ondulierende, der Natur nachempfundene Linien.
Gaudí entfloh der Klassengesellschaft, deren Modernitätsfuror ihn ebenso befremdete wie die sozialen Spannungen. Hingegen fand er im Bild der Gotik einen reichen, sinnbeladenen Überschuss – religiös, sozial und moralisch. Die Kathedrale war für Gaudí weit mehr als ein „Sühnetempel“. Als sozial-religiöse Projektionsfläche sollte sie, ausgehend vom Reinheitsideal der „Heiligen Familie“, einen Aufruf zur moralischen Erneuerung der Gesellschaft verkörpern.
Gaudís Baustil findet immer mehr Bewunderer, wenngleich seine strikt antimoderne Mission den meisten verborgen bleibt. Sie bestand darin, mit einer religiös inspirierten Baukunst, historisch in der Gotik verankert, die zerrissene Gegenwart zu „heilen“. Die Mittelalter-Sehnsucht, entfacht vom englischen Kunsthistoriker John Ruskin, gilt als geistige Klammer der frühen Jahre. Anders als bei Gaudís modernistischem Mitstreiter Josep Puig i Cadafalch, der am Montjuïc eine neogotische Textilfabrik errichtete, tragen seine Bauwerke immer auch naturreligiöse Züge: Die Säulen in der Krypta von Santa Coloma de Cervelló erinnern an sprießende Bäume, die das auskragende Plateau im Parc Güell abstützenden Säulen an Elefantenbeine. Ferner erwachsen die Ornamente zumeist aus einem symbolisch behafteten Naturreich – etwa die Drachen am Wasserfall des Parc Ciutadella, dem Ort der Weltausstellung von 1888. Dabei gehen konstruktive und ornamentale Elemente oft ineinander über. Selbst die Gebäudegrundrisse sind ondulierende, der Natur nachempfundene Linien.
Gaudí entfloh der Klassengesellschaft, deren Modernitätsfuror ihn ebenso befremdete wie die sozialen Spannungen. Hingegen fand er im Bild der Gotik einen reichen, sinnbeladenen Überschuss – religiös, sozial und moralisch. Die Kathedrale war für Gaudí weit mehr als ein „Sühnetempel“. Als sozial-religiöse Projektionsfläche sollte sie, ausgehend vom Reinheitsideal der „Heiligen Familie“, einen Aufruf zur moralischen Erneuerung der Gesellschaft verkörpern.
Wenig dürften die Besucher der Jubelfeier davon erfahren, dass sich zwischen dem Baubeginn 1882 und Gaudís Tod 1926 zahlreiche blutige Unruhen ereigneten, die er kaum ignorieren konnte. Immer wieder entluden sich die Spannungen in der übervölkerten Unterstadt der Wanderarbeiter, nicht in der heilen Oberstadt, in der Gaudí seine fantastischen Gebäude für Klerus und reiche Mäzene errichtete. Als Architekt hat er sich niemals mit den Problemen von Barcelonas Städtebau beschäftigt.
Als Antoni Gaudí 1888 das Nonnenkloster der Teresianerinnen baute, war das Bürgertum wegen der Eröffnungsfeierlichkeiten zur Weltausstellung im Parc Ciutadella gerade in Hochstimmung. Für den 36-jährigen Gaudí war das Ereignis ein Erfolg, konnte er doch dort den Pavillon für die „Compañia Transatlántica“ errichten. Während die Weltausstellungs-Besucher der Geburtsstunde des katalanischen Jugendstils, des Modernisme, beiwohnten, bemerkten nur wenige, dass die Bauarbeiter die Ausstellungspavillons unter härtesten Bedingungen errichten mussten. Ihre Unzufriedenheit wuchs zusehends. Nur kurze Zeit nach der Einweihungsfeier gründeten sie die sozialistische Gewerkschaft Unión General de Trabajadores.
Weg in mystische Gefilde
1888, als Gaudí bereits sechs Jahre mit dem Bau der Sagrada Família beschäftigt war, markierte nicht allein für das Bürgertum ein einschneidendes Datum. Teile der Arbeiterschaft radikalisierten sich, und nur wenige Jahre später kam es im Opernhaus Liceu zu einem Attentat, das in eine ganze Anschlagsserie mündete. Sie sollte Barcelona und das gesamte Land von der Ermordung des Ministerpräsidenten Antonio Cánovas del Castillo (1897) bis hin zum Spanischen Bürgerkrieg (1936–39) erschüttern. Plötzlich sprach man von der „Stadt der Bomben“.
Die Architekten Antoni Gaudí und Enric Sagnier wählten derweil den Weg in mystische Gefilde, sie schlossen sich dem „Künstlerkreis des Heiligen Lukas“ an. Sagnier baute die Herz-Jesu-Sühnekirche auf dem Gipfel des Tibidabo, weit entrückt vom lasterhaften Gewühl der Altstadt, und Gaudí errichtete den Parc Güell auf den Anhöhen Barcelonas. Ihre Kunst ordneten beide der katholischen Mission unter. Die Künstler des Lukas-Kreises fühlten sich nicht der kosmopolitischen Avantgarde verpflichtet, sondern pflegten eine eng mit der religiösen Ikonografie verbundene Kunst. Gaudís Sagrada Família als „Sühnekirche“ passt bestens in dieses Denkschema, da die Bewohner des irdischen Jammertals, die Bürger Barcelonas, Buße für die Sünden der Großstadt tun sollten.
Als Antoni Gaudí 1888 das Nonnenkloster der Teresianerinnen baute, war das Bürgertum wegen der Eröffnungsfeierlichkeiten zur Weltausstellung im Parc Ciutadella gerade in Hochstimmung. Für den 36-jährigen Gaudí war das Ereignis ein Erfolg, konnte er doch dort den Pavillon für die „Compañia Transatlántica“ errichten. Während die Weltausstellungs-Besucher der Geburtsstunde des katalanischen Jugendstils, des Modernisme, beiwohnten, bemerkten nur wenige, dass die Bauarbeiter die Ausstellungspavillons unter härtesten Bedingungen errichten mussten. Ihre Unzufriedenheit wuchs zusehends. Nur kurze Zeit nach der Einweihungsfeier gründeten sie die sozialistische Gewerkschaft Unión General de Trabajadores.
Weg in mystische Gefilde
1888, als Gaudí bereits sechs Jahre mit dem Bau der Sagrada Família beschäftigt war, markierte nicht allein für das Bürgertum ein einschneidendes Datum. Teile der Arbeiterschaft radikalisierten sich, und nur wenige Jahre später kam es im Opernhaus Liceu zu einem Attentat, das in eine ganze Anschlagsserie mündete. Sie sollte Barcelona und das gesamte Land von der Ermordung des Ministerpräsidenten Antonio Cánovas del Castillo (1897) bis hin zum Spanischen Bürgerkrieg (1936–39) erschüttern. Plötzlich sprach man von der „Stadt der Bomben“.
Die Architekten Antoni Gaudí und Enric Sagnier wählten derweil den Weg in mystische Gefilde, sie schlossen sich dem „Künstlerkreis des Heiligen Lukas“ an. Sagnier baute die Herz-Jesu-Sühnekirche auf dem Gipfel des Tibidabo, weit entrückt vom lasterhaften Gewühl der Altstadt, und Gaudí errichtete den Parc Güell auf den Anhöhen Barcelonas. Ihre Kunst ordneten beide der katholischen Mission unter. Die Künstler des Lukas-Kreises fühlten sich nicht der kosmopolitischen Avantgarde verpflichtet, sondern pflegten eine eng mit der religiösen Ikonografie verbundene Kunst. Gaudís Sagrada Família als „Sühnekirche“ passt bestens in dieses Denkschema, da die Bewohner des irdischen Jammertals, die Bürger Barcelonas, Buße für die Sünden der Großstadt tun sollten.
Soziale Konflikte und Klassenkämpfe
Die religiöse Orientierung vieler Architekten, Künstler und Bohemiens blieb größtenteils der Arbeiterklasse fremd. Als sich um die Jahrhundertwende die Industriebarone in ihre abgeschirmten Dekorwelten auf dem Passeig de Gràcia zurückgezogen hatten und Gaudí ihre Wünsche mit der Casa Batlló (1906) und der Casa Milà („La Pedrera“, 1910) bediente, explodierten die Spannungen in der Unterstadt. Im Juli 1909 kam es erstmals zu syndikalistischen Aufständen, die sich in Barcelona in Barrikadenkämpfen entluden. Die Aufständischen brannten zahlreiche Kirchen und Klöster nieder, da sie Kirche und Klerus verdächtigten, Teil des korrupten bourgeoisen Machtsystems zu sein. In einer einzigen Woche kamen weit über hundert Menschen ums Leben. Barcelona wurde zur „ausgebrannten Stadt“.
Die urbanen Topografien enthüllen die Stadt als Ort sozialer Konflikte und Klassenkämpfe. Deutlich wird das bereits an Graf Eusebi Güells Bauprojekten, mit denen er Gaudí betraute. Die 1888/89 errichtete Colònia Güell in Santa Coloma de Cervelló entsprang zwar dem Wunsch, den Arbeitern der Textilfabrik Vapor Vell gesündere Arbeits- und Lebensbedingungen außerhalb der Großstadt zu ermöglichen. Aber der eigentliche Beweggrund für die in der Peripherie Barcelonas liegende Kolonie lag in Güells Angst vor den schweren sozialen Spannungen in der Metropole.
Die religiöse Orientierung vieler Architekten, Künstler und Bohemiens blieb größtenteils der Arbeiterklasse fremd. Als sich um die Jahrhundertwende die Industriebarone in ihre abgeschirmten Dekorwelten auf dem Passeig de Gràcia zurückgezogen hatten und Gaudí ihre Wünsche mit der Casa Batlló (1906) und der Casa Milà („La Pedrera“, 1910) bediente, explodierten die Spannungen in der Unterstadt. Im Juli 1909 kam es erstmals zu syndikalistischen Aufständen, die sich in Barcelona in Barrikadenkämpfen entluden. Die Aufständischen brannten zahlreiche Kirchen und Klöster nieder, da sie Kirche und Klerus verdächtigten, Teil des korrupten bourgeoisen Machtsystems zu sein. In einer einzigen Woche kamen weit über hundert Menschen ums Leben. Barcelona wurde zur „ausgebrannten Stadt“.
Die urbanen Topografien enthüllen die Stadt als Ort sozialer Konflikte und Klassenkämpfe. Deutlich wird das bereits an Graf Eusebi Güells Bauprojekten, mit denen er Gaudí betraute. Die 1888/89 errichtete Colònia Güell in Santa Coloma de Cervelló entsprang zwar dem Wunsch, den Arbeitern der Textilfabrik Vapor Vell gesündere Arbeits- und Lebensbedingungen außerhalb der Großstadt zu ermöglichen. Aber der eigentliche Beweggrund für die in der Peripherie Barcelonas liegende Kolonie lag in Güells Angst vor den schweren sozialen Spannungen in der Metropole.
Was für ein Drama!
Das andere außerstädtische Projekt, der Park Güell (1900–14), orientiert an der englischen Gartenstadt-Bewegung, geriet derweil zum finanziellen Desaster. Der ursprüngliche Entwurf ist in der heutigen Parkgestalt kaum nachvollziehbar. Güell schwebte eine Siedlung vor, die in Parzellen aufgeteilt und an die reichen Bürger der Stadt weiterverkauft werden sollte. Allerdings konnten nur zwei Häuser realisiert werden. Da die Spekulation gründlich missriet und Gaudí bis 1914 allenfalls eine rudimentäre Anlage aus einzelnen Pavillons, Wegen, Zufahrten und einer Aussichtsplattform vorweisen konnte, wurde der Entwurf aufgegeben und der Park wenige Jahre später der Öffentlichkeit übergeben.
Als Gaudí im Frühsommer 1926 von einer Straßenbahn schwer verletzt wurde und man ihn ins Hospital de la Santa Creu i San Pau brachte, einem Meisterwerk des Modernisme-Kollegen Lluis Domènech Montaner, ging die Epoche des Modernisme zu Ende. Im selben Jahr knüpfte der junge Josep Lluis Sert in Paris Kontakt zu Le Corbusier, der zu einer Art Geburtshelfer für die katalanische Avantgarde um Sert werden sollte. Zwei Jahre später äußerte sich Le Corbusier während eines Barcelona-Besuchs abschätzig über die Sagrada Família: „Was für ein Drama!“ 1965 unterschrieb er einen Protestbrief zugunsten eines Baustopps. Auch das dürfte die private Stiftung den Besuchern verschweigen. Nach dem Tod von Gaudí begann der Gaudí-Hype. Und mit ihm eine nicht enden wollende Vermarktung.
[Transparenzhinweis: Dieser Artikel basiert in Teilen auf einem Text des Autors in seinem Architekturführer Barcelona, der 2018 bei DOM Publishers erschienen ist. Restbestände des Buches sind noch im Buchhandel erhältlich.]
Das andere außerstädtische Projekt, der Park Güell (1900–14), orientiert an der englischen Gartenstadt-Bewegung, geriet derweil zum finanziellen Desaster. Der ursprüngliche Entwurf ist in der heutigen Parkgestalt kaum nachvollziehbar. Güell schwebte eine Siedlung vor, die in Parzellen aufgeteilt und an die reichen Bürger der Stadt weiterverkauft werden sollte. Allerdings konnten nur zwei Häuser realisiert werden. Da die Spekulation gründlich missriet und Gaudí bis 1914 allenfalls eine rudimentäre Anlage aus einzelnen Pavillons, Wegen, Zufahrten und einer Aussichtsplattform vorweisen konnte, wurde der Entwurf aufgegeben und der Park wenige Jahre später der Öffentlichkeit übergeben.
Als Gaudí im Frühsommer 1926 von einer Straßenbahn schwer verletzt wurde und man ihn ins Hospital de la Santa Creu i San Pau brachte, einem Meisterwerk des Modernisme-Kollegen Lluis Domènech Montaner, ging die Epoche des Modernisme zu Ende. Im selben Jahr knüpfte der junge Josep Lluis Sert in Paris Kontakt zu Le Corbusier, der zu einer Art Geburtshelfer für die katalanische Avantgarde um Sert werden sollte. Zwei Jahre später äußerte sich Le Corbusier während eines Barcelona-Besuchs abschätzig über die Sagrada Família: „Was für ein Drama!“ 1965 unterschrieb er einen Protestbrief zugunsten eines Baustopps. Auch das dürfte die private Stiftung den Besuchern verschweigen. Nach dem Tod von Gaudí begann der Gaudí-Hype. Und mit ihm eine nicht enden wollende Vermarktung.
[Transparenzhinweis: Dieser Artikel basiert in Teilen auf einem Text des Autors in seinem Architekturführer Barcelona, der 2018 bei DOM Publishers erschienen ist. Restbestände des Buches sind noch im Buchhandel erhältlich.]
Barcelona in der BauNetz WOCHE
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