Abschied eines Freundes
Zum Tod von Jo. Franzke
Von Jürgen Engel
Mit Jo. Franzke verliert die deutsche Architektenschaft eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Wer Jo. begegnete, erlebte einen Menschen mit einer besonderen Präsenz. Seine elegante, manchmal extravagante Kleidung, sein sicherer Stil und seine kultivierte Erscheinung waren Ausdruck einer Autorität von unmittelbar fühlbarer Ausstrahlung. Hinter dieser äußeren Souveränität stand ein außergewöhnlich warmherziger und neugieriger Mensch. Mit Jo. Franzke verliere ich einen Freund, dessen Weg ich über viele Jahrzehnte begleiten durfte.
Jo. war ein Akademiker – im besten Sinne des Wortes. Er hatte sich ein breites Wissen über Architekturgeschichte, Städtebau und Kultur erarbeitet. Aber er trug dieses Wissen niemals vor sich her. Seine Freude lag im Austausch und im gemeinsamen Nachdenken. Gerade diese Verbindung aus großer Bildung und Bescheidenheit machte ihn zu einem besonderen Gesprächspartner.
Unsere gemeinsame Geschichte begann 1978 in Köln. Im Café Bauturm in der Aachener Straße, einem Treffpunkt der damaligen Architekturszene, begegneten wir uns erstmals. Jo. fiel mir schon damals auf: durch seine Erscheinung, sein selbstsicheres Auftreten und seine klare Haltung zur Architektur.
Nach einem Auslandsaufenthalt trafen wir uns 1980 bei Erich Schneider-Wessling wieder. Inzwischen hatte Jo. bei Busmann + Haberer die Projektleitung für das Museum Ludwig in Köln übernommen – ein bedeutendes kulturelles Bauvorhaben, das er mit großer Verantwortung und architektonischer Souveränität begleitete. Durch seinen beruflichen Vorsprung und seine umfangreiche Erfahrung wurde er mir zu einem Vorbild. Mit den Jahren entwickelte sich daraus eine Freundschaft auf Augenhöhe, getragen von dem gemeinsamen Interesse an Architektur, Stadt und Kultur.
Bald wechselte Jo. als Büroleiter zu O.M. Ungers nach Frankfurt und ein lang ersehnter Wunsch erfüllte sich. Diese Zeit prägte ihn maßgeblich und er konnte eine Vielzahl von bedeutenden Projekten betreuen: Messehochhaus, Messehalle 9, City West, Umbau der Festhalle.
Die Jahre bei O.M. Ungers waren eine prägende Periode für Jo. Danach ging es ihm nicht darum, der Architektursprache von Ungers verpflichtet zu bleiben, sondern eine eigene Handschrift auszuprägen. Was ihn mit Ungers verband, war das Verständnis für die Potenziale der europäischen Stadt: Ordnung, Raumbildung, Hierarchie und Typologie. Die Liebe zur Proportion, zu Maßstab, Materialität sowie die außergewöhnliche Sorgfalt im Detail bestimmen bis heute die besondere Qualität seiner Bauten.
Eine besondere Verbindung zu seinen Architektenkolleginnen und -kollegen erreichte er durch sein Engagement im BDA. Viele Jahre arbeitete er im Städtebaubeirat der Stadt Frankfurt, und viele Anstöße zur Verbesserung des Stadtraumes wurden damals gemeinsam mit der Stadt entwickelt.
In der Öffentlichkeit hatte Jo. eine starke Meinung, die auch zu Kontroversen führen konnte. Wenn er von einer Idee überzeugt war, konnte er beharrlich und eigensinnig sein. Diese Zielstrebigkeit führte zu einem interessanten Lebenswerk, das dem Büro Jo. Franzke Architekten ein hohes Ansehen verlieh. Er verstand sich als sozialer Künstler, der Verantwortung für die Gestaltung des öffentlichen Raumes übernahm.
Jo. war konsequent in seiner Haltung, aber zugleich ein liebenswerter, nahbarer Gesprächspartner. Hinter der eleganten Erscheinung stand ein humorvoller und lebensfroher Mensch, der gerne in Gesellschaft feierte und eine Leidenschaft für Bücher besaß. Die Konsequenz und Kontinuität, die er vorlebte, drückten sich auch in der Pflege seiner Freundschaften und in seiner fast sechzigjährigen Partnerschaft mit seiner Frau Mareike aus.
Was den Menschen Jo. Franzke ausmachte, lässt sich jedoch nicht bauen: seine Klugheit, sein feiner Humor, sein Stil, sein Eigensinn und seine Freundschaft. Er hat viele Menschen geprägt – durch seine Architektur und durch die Begegnungen mit ihm. Lieber Jo., danke für die vielen Gespräche, für Deine Freundschaft und für die gemeinsame Zeit. Es war ein großes Geschenk, Dich gekannt zu haben.
Der Nachruf erschien zuerst auf der Seite des BDA-Hessen und wurde mit freundlicher Genehmigung des Autors, Inhaber von KSP Engel, übernommen.