Neubau am Olympiastadion
Zuidblok von Kollhoff + Pols in Amsterdam
Mehr als 30 Jahre war darüber gestritten worden, was mit dem Platz, gar mit dem gesamten Areal rund um das altehrwürdige Olympiastadion in Amsterdam passieren solle. Architekt Jan Wils hatte das Backsteinstadion – es wird der Amsterdamer Schule zugerechnet – für die Olympischen Spiele 1928 in Amsterdam entworfen. Mit dem 1937 nochmal erweiterten Bau drückte er dem Stadtteil Stadionbuurt im Süden der niederländischen Hauptstadt seinen Stempel auf. Direkt davor und ebenfalls von Wils: die 1931 eröffnete, 10.000 Quadratmeter große Citroën-Garage. Inzwischen wird sie saniert und in einen Büro- und Kulturkomplex verwandelt – ähnlich wie es in Brüssel geplant ist.
Auf das Stadion und die Citroën-Garage musste der Neubau reagieren, der ihnen gegenüber kürzlich auf dem riesigen Parkplatz unter dem Namen Zuidblok fertig gestellt wurde. Als Teil der Revitalisierung rund ums Stadion, die anstelle von Fahrzeugen einen Quartiersplatz mit Hotel und Gastronomie vorsieht. Das Auffälligste an dem Neubau, der Räume für ein Hotel und Gastronomie bietet: Die oberen Stockwerke hängen 16 Meter frei über dem Boden. Gehalten wird die überdimensionale Markise des Zuidblok von Kragarmen. Vorteil dieser Konstruktion: Die gewünschten Sichtachsen vom und zum neuen Quartiersplatz bleiben erhalten. Entworfen haben den Bau, der auf dem ehemaligen Parkplatz des Amsterdamer Olympiastadions errichtet wurde, Kollhoff & Pols Architecten (Den Haag) – die in Houthavens bereits eine „Ode an die Amsterdamer Schule“ ablieferten.
Eine schwebende Überdachung – eine ungewöhnliche Formensprache für das niederländische Büro von Hans Kollhoff, möchte man anmerken. Versteht Kollhoff Architektur doch als Ausdruck von Gewicht und Stabilität. Die Erklärung ist einfach: Kollhoff musste auf einen bereits feststehenden Entwurf für die Gebäudehülle aufbauen. OMA (Rotterdam) hatte die Form ursprünglich entwickelt, als räumliche Lösung für die hinter dem Neubau endende Sackgasse. Kollhoff ergänzte im Sinne seiner Architektursprache „falsche“ Stützpfeiler, um der Konstruktion den visuellen Effekt von Solidität zu verleihen.
Der Bau, in Auftrag gegeben von der Amsterdamer Stadtverwaltung, hat sechs Stockwerke. In den vier oberirdischen sind Restaurant und Weinbar, eine Kulinarik-Etage mit Kochschule, Konferenzraum und Dachgarten sowie ganz oben ein Hotel mit sechzig Zimmern untergebracht. Unterirdisch: ein Supermarkt und eine Tiefgarage mit über 200 Stellplätzen, unter anderem für Stadionbesucher. Die beiden neben dem Neubau liegenden, noch erhaltenen Parkplatzkassenhäuschen – ebenfalls von Jan Wils als Teil des Olympiastadions-Ensembles entworfen – haben die Architekten in Kaffeebar und Eisdiele umgebaut. (kat)
Fotos: Hart Nibbrig, Luuk Kramer
d'accord,
allerdings weiß ich nicht genau wo hier der visuelle Effekt der Solidität (Zitat Text) sein soll. Es kann an den Fotos liegen aber die zur schau gestellte Tektonik-Tapete erzeugt bei mir eher ein Gefühl von "oh Gott, das kippt!". Der dahinter liegende Fachwerkträger auf Bild 14. beruhigt dann doch wieder, aber gerade die Kolhoffsche Konstruktionsdeko untergräbt zumindest meinem Empfinden nach alles was man an Grundverständnis von Statik und Konstruktion so mitbringt....
@7 gk: mag sein, ich bin mir aber noch nicht sicher ob das nicht eher unfreiwillig komisch ist. Vielleicht irritiert mich aber auch nur die Ernsthaftigkeit mit der der Witz vorgetragen wird. Knochentrockene Ironie.
auf welche Gasse / welche städtebauliche Achse bezieht sich der Überhang?
Warum musste genau dort das EG frei bleiben?
Da ist im Lageplan beim besten Willen kein Grund für ersichtlich..
Lieben wir nicht alle diese bizarren Manifestationen der Verbohrteit?
Die sogenannte "ehrliche" Konstruktion ist eine eher neumodische Erscheinung.