Wohnblock in der Europacity
Zoom, zanderroth, Baumschlager Hutter und André Poitiers in Berlin
Nach den vielen Wettbewerben um Berlins größte innerstädtische Entwicklungsfläche, die Europacity hinter dem Hauptbahnhof, war es im vergangenen Jahr etwas still geworden. Doch wer die Gegend Anfang des Jahres besucht, den erwarten Baulärm und Geschäftigkeit. Viele Blöcke sind im Bau – und das so genannte Stadthafenquartier, das als Wohnstandort entwickelt wird, nimmt Gestalt an. Obwohl bereits 2014 bekannt wurde, dass das namensgebende Hafenbecken als Erweiterung des Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanals aus Kostengründen gestrichen ist und stattdessen ein Platz entsteht, hat man den Namen behalten.
Im Teilbereich Stadthafenquartier Süd – also südlich des derzeit nach Plänen von relais Landschaftsarchitekten (Berlin) gestalteten Otto-Weidt-Platzes – ist der Block auf Baufeld 10 inzwischen bezogen. Bauherr ist die Richard Ditting GmbH & Co. KG, die laut eigenen Angaben vor allem Wohnquartiere entwickelt und realisiert. Städtebauliche Grundlage für den Block an der Lydia-Rabinowitsch-Straße bildet der Entwurf der ARGE Zoomarchitekten / zanderrotharchitekten (beide Berlin), die auch Teilbereiche ausarbeiteten. Die Arge hatte 2013 einen entsprechenden Wettbewerb mit der Idee gewonnen, vier freigestellte Baukörper auf ein gemeinsames ein- bis dreigeschossiges Sockelgeschoss zu stellen. Das ist geschickt, wirkt doch der Block mit seinen 21.600 Quadratmetern Geschossfläche dadurch weniger hermetisch. Außerdem bietet es Vorteile für die Grundrisse.
Damit innerhalb des Baufeldes architektonische Vielfalt entsteht, kamen Baumschlager Hutter Partners (Dornbirn) und André Poitiers Architekt (Hamburg) hinzu. Sie hatten jeweils einen ersten Preis im Wettbewerb um den Teilbereich Stadthafenquartier Süd gewonnen.
Die vier Büros bearbeiteten jeweils eine der vier Seiten. Ingesamt 204 Mietwohnungen, darunter 59 geförderte, zwischen 48 und 109 Quadratmetern Fläche entstanden. Im Sockel ist eine Kita eingezogen, zur Heidestraße gibt es sechs Ladeneinheiten, in der Tiefgarage 95 Stellplätze. Den Innenhof gestalteten Topotek 1 (Berlin). Auf der Webseite der Budapester Höfe, unter der die Immobilie vermarktet wird, heißt es, alle Wohnung seien vermietet.
Sicher haben die Architekten, allesamt versiert im Wohnungsbau, das Maximum an architektonischer Qualität aus den Rahmenbedingungen geholt. Und doch wird nun in der Europacity, wo rundherum Block für Block fertig wird, deutlich, was Kritiker – so auch das BauNetz – seit Beginn der Planungen bemängeln: Die Europacity ist nicht mal im Ansatz Testfeld für neue Wege im Wohnungsbau. Vielmehr zeigt sie, was passiert, wenn eine Stadtverwaltung dem Druck der Investoren in Bauboomjahren zu wenig konzeptionelle Visionen entgegen zu setzen vermag und stattdessen auf Nummer sicher geht. (fm)
Fotos: HG Esch
Wer Friedensreich Hunderwasser kennt, kennt sicherlich auch das Bild mit seinem gebogenem Dreikant... Die Realität, die Normen, die Bauvorschriften, der Pragmatismus, die Wirtschaftlichkeit, die Zeit, das Geld und alle Zusammen kommen aber eben nur auf den geringsten Nenner: 90 Grad. Hat sich bewehrt, ist beherrschbar, soweit, so gut. Dass nun die Stadt Berlin in Reichweite zum Regierungsviertel einen Städtebau realisiert, der als Visitenkarte hätte fungieren können, nun aber eine Schaumstoffspeicherstadt zu werden droht, mag ja in 50 Jahren dankbar registriert werden, da sich dann der Zeitgeist auf ein weiteres mal in bester Weise in der geschichtsträchtigen Berliner Innenstadt zentrumsnah dokumentieren lässt. Dass nun aber auch noch vierspurige Straßen durch die Quartiersblocke gepeitscht werden ist dann einfach nur noch bedauerlich. Die Verkehrsplanung hätte hier schalltechnisch und qualitativ an den westliche Rand der Gleisstrecken gehört. Immer wieder verwunderlich, wie durch städtebauliche Missstände das Bauen verkompliziert und verteuert wird. Keine Spur von der Idee der doch so berühmten und gerühmten Berliner Kieze wurde hier beherzigt... Wenn da mal nicht die die aurelis wieder zu viel Senf zum B-Plan Verfahren dazugegeben hat... wer klärt auf?
Ähm...was wurde da jetzt gestaltet? Vermutlich war einfach die Angst da, die Architektur zu übertrumpfen, da wurde halt angepasst ;-)
und wer ihm den auftrag gab... und welchen.... und unter welchen vorgaben und mit welchen mitteln ausgestattet. meine bauherren würden fragen "warum haben sie denn honorar für die aussenanlagen bekommen, das hat doch der prakti so mitgemacht oder?" mit recht leider..... schade-denn es gibt sie, die qualität ....
Ja es stimmt, der Städtebau hätte nicht brachialer und geschlossener sein können, aber der Städtebau hört ja nicht mit dem Masterplan auf. Man sieht den Fassaden regelrecht an, wie man hier noch versucht hat, am Fenstersims Qualität nachzureichen, aber dann ist vllt die Kubatur schon eine falsche. Und hier die Verantwortug komplett auf die Projektentwickler zu schieben, erscheint mir einfach zu simpel.