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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Zaha_Hadid_Architects_planen_Philharmonie_in_Jekaterinburg_5507548.html

02.10.2018

Austern auf Krücken

Zaha Hadid Architects planen Philharmonie in Jekaterinburg


Als Schwangere Auster bezeichnet der Berliner Volksmund die Kongresshalle von Hugh Stubbins. Und wenn man diesem Vorbild folgt, dann dürfen sich die Bürgerinnen und Bürger von Jekaterinburg bald über Austern auf Krücken freuen – zumindest, geht man vom Aufmacher-Bild aus, mit dem Zaha Hadid Architects ihren jüngsten Wettbewerbsgewinn illustrieren. Insgesamt 47 Teams hatten sich beteiligt, über weitere Namen ist nichts bekannt.

Das Bild von Austern auf Krücken oder respektive auch dünnen Beinchen lässt sich vor allem in den Ansichten nachvollziehen. Direkt neben dem bestehenden Konzerthaus gelegen, hängt das große Auditorium, dessen abgestuften Vorräume das Foyer definieren, jedenfalls ganz schön durch – visuell gehalten nur von den seitlichen Wänden. Und von den rückwärtig gelegenen Gärten aus lässt das geplante Gebäude mit seinen gewölbten Formen ebenfalls an Muscheln denken, dieses Mal in einer aufgeschnittenen Variante. Hier liegt der kleinere Kammermusiksaal, dessen Fassade nach heute üblicher Manier zum Außenraum hin geöffnet ist.

Aus der Luft hingegen relativiert sich der erste Eindruck, denn eigentlich besteht das Projekt aus einem sanft modulierten durchgehenden Dach. Das dockt an den Rändern an das bestehende Haus an und bildet straßenseitig großzügig überwölbte Vorplätze aus. Die Formensprache des Gebäudes sei von Schallwellen inspiriert, was von ZHA auch nicht anders zu erwarten war. In der Projektbeschreibung ist außerdem von einem Ort für die lokale Gemeinschaft und die ganze Stadt die Rede. Das spiegele die ursprüngliche Funktion des bestehenden Konzerthauses, denn dieses war einst als Stadthalle errichtet worden.

Ihren Namen Swerdlowsk-Philharmonie hat die Konzerthalle übrigens noch aus der Sowjetzeit, die ganze Stadt hieß früher so – die umgebende Oblast noch heute. Am Ural gelegen gehört diese derzeit zu den wirtschaftsstärksten Gegenden Russlands. Das erklärt auch die stattliche Größe des Neubaus mit 1.600 Plätzen in der großen Halle und weiteren 400 Plätzen im Kammermusiksaal. (sb)


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