Parametrische Pagode
ZHA planen Stadion für Xi’an
Im Jahr 2023 ist die Neun-Millionen-Stadt Xi'an Gastgeberin des Asien-Pokals der Asian Football Confederation (AFC). Es verwundert nicht, dass die wachsende chinesische Metropole mit der traditionsreichen Geschichte und immerhin zwei professionellen Fußballclubs dies zum Anlass für einen Stadionneubau nimmt. Der Entwurf kommt von Zaha Hadid Architects und ist so konzipiert, dass sich die Kapazität nach dem Turnier 2023 anpassen lässt. Die Veränderung einer Sportstätte nach dem initialen Event haben Zaha Hadid Architects bereits beim Aquatics Centre in London geplant. Dort wurden nach den Olympischen Spielen 2012 für den öffentlichen Badebetrieb die seitlichen Tribünen rückgebaut.
Wie genau der Unterschied zwischen „game-mode“ und “legacy-mode“ beim neuen Xi'an International Football Center aussehen soll, teilten die Architekten nicht mit. Fest steht jedoch, das Stadion soll 60.000 Sitzplätze beherbergen – nicht nur für internationale und nationale Fußballspiele, sondern auch für Konzerte und andere Veranstaltungen. Bei der digitalen Modellierung der Stadionform sei der optimale Blick auf das Spielfeld von allen Sitzen ebenso wichtig gewesen wie die Atmosphäre für Spieler und Zuschauer, betonen die Architekten. Was beim Blick auf die achsialsymmetrische Außendarstellung aber vor allem auffällt, ist die Ähnlichkeit mit Außenaufnahmen von der verbotenen Stadt in Peking.
Städtebaulich ist das Stadion im Raster des Geschäftsviertels im Stadtbezirk Fengdong an einer der neuen U-Bahnstationen platziert. Im Vergleich zu ihrem Stadion in Katar entwerfen ZHA hier deutlich offener. Das Klima in Xi'an erlaubt es. Ein optisch schwingendes, den Kessel umlaufendes Fassadenband löst sich gen Süden in begrünte und schattige Terrassen auf. Sie sollen beim Blick über die Stadt komfortalbe Außenraumbedingungen vor allem in den heißen kontinentalen Sommern bieten. Gen Norden ist das Fassadenband geschlossener, um das Stadion vor Wind aus dieser Richtung zu schützen. Die für ZHA Architects typischen fließenden Formen setzen sich in der Dachform fort.
Das Dach umschließt das sattelförmige Stadionvolumen, dessen Kessel durch diese Form mehr Zuschauersitze im Mittelfeld ermöglicht, so die Architekten. Es ist als leichte, gespannte Netzstruktur angedacht, die Materialverbrauch und Belastung reduzieren hilft. Eine durchscheinende Membran soll die Zuschauer vor Regen und direkter Sonneneinstrahlung schützen und zugleich viel natürliches Licht auf das Spielfeld lassen. (fm)
@mambo number five: joke´tor dike loves ZHA. ZHA loves pagoda. peinlich.
Ähnlich der Verbotenen Stadt in Peking ließe sich so eine Ordnung in ausufernden Städten einfügen mit Schwerpunkt der Muße. Hier wird als Sinngebung und zeitliche Klammer die historische Tempelbauform als Pavillon wichtig als offen und Freiraumbezogen. Die Roten Stützen deuten darauf hin. Die Ergänzung von achsialer Ordnung und freierer Natur ließen sich hier neu inszenieren. Die Größe und damit Höhe hat dann wieder die Pagodenfunktion für die Stadt.
Zum einen wird die Dynamik des Dachs leider nicht in den Stadion-Innenraum transportiert. Das ist vielleicht nicht dramatisch, aber eine vergebene Chance. Zum anderen wird hier aber das Konzept von Bild 2 (zwei horizontale Volumen Formen Eingang, Zwischenebene und Abschluss zum Himmel) an anderer Stelle durch das Konzept von Bild 1 und 5 (Dach mit Terrassen darunter) ersetzt. Für mich ist das Bild2 Konzept deutlich spannender, und man könnte es auch auf die Eingangsseite übertragen, das Zwischenvolumen muss ja nicht massig sein, kann sich ja auf wenige Meter Höhe verjüngen. Das doppelte Spannungsfeld zwischen den Horizontalen (Boden zu Zwischenvolumen und Zwischenvolumen zu Dach) macht ja sowohl schöne Innen- als auch Außenräume. Warum man das an der wichtigsten Seite durch die vertikalen Stützen und die im Vergleich langweiligen Terrassen ersetzt erschließt sich mir nicht. Auf Bild 5 nervt mich dann auch der Stützenabschluss zum Dach, weil er eine Bedeutung bekommt der er nicht gerecht wird.