Steppende Balkone an der Dahme
Wohnungsbau in Berlin von LOVE architecture and urbanism
Unter dem Namen 52° Nord vermarktet die Buwog (ein Tochterunternehmen der Vonovia) ein neues Wohnquartier in Berlin-Grünau, weit draußen im Südosten der Stadt, direkt am Ufer der Dahme gelegen. 2015 wurde der Grundstein auf dem rund zehn Hektar großen Areal gelegt. Und im Sommer letzten Jahres stellten dort LOVE architecture and urbanism (Graz, Berlin) ein Wohnhaus fertig, das mit seiner geradezu experimentellen Außenstruktur bemerkenswert ist. Bekanntheit in Berlin hat das Büro nicht zuletzt durch seine prominent gelegene Unternehmenszentrale von 50Hertz am Hauptbahnhof erlangt.
In Grünau haben die Architekt*innen nun einen Geschosswohnungsbau mit 28 Eigentumswohnungen auf 2.550 Quadratmetern Nutzfläche realisiert. Die Wohneinheiten umfassen zwischen 1,5 bis 4 Zimmern und sind 64 bis 128 Quadratmeter groß. Eine aufwändige, bis zu acht Meter tiefe Terrassen- und Laubengangstruktur vor der Nordostfassade des Hauses dient der Erschließung und bietet zugleich (halb)private Außenräume. An der Südwestseite des Hauses arbeiteten die Architekt*innen mit raumhohen Fenstern und großen Pflanztrögen. Alle Wohnungen sind durchgesteckt, so dass die gesamte Hausgemeinschaft von der räumlichen Grunddisposition profitiert.
Ob die halbprivate Struktur von den Bewohner*innen angenommen wird und im Sommer vielleicht sogar ein wenig Ferienclub-Atmosphäre schafft? Im deutschen Wohnungsbau – insbesondere bei Eigentumswohnungen – findet man solche Lösungen selten, international erproben Bauherren und Architektinnen jedoch immer wieder vergleichbare Lösungen. Etwas weniger experimentell wurden die Außenanlagen im Staffelgeschoss konzipiert. Im Gegensatz zu den unteren Ebenen stehen hier Erschließung und Privatheit im Vordergrund.
Gerahmt wird das Haus von zwei weitgehend identischen, sehr viel zurückgenommeneren Wohnbauten des Berliner Büros Pätzold Architekten mit dunklen Holzfassaden. Der Investor bezeichnet die drei Häuser zusammen als Buwog The View. (gh)
Fotos: Jasmin Schuller
Über ihr Bürohaus 50Hertz berichteten Mark Jenewein und Bernhard Schönherr von LOVE 2017 in unserer Interviewreihe ARCHlab.
danke love! für dieses gute Stück Architektur -
niemand ist gezwungen derart transparent zu leben, doch wer dies möchte, kann dort leben. ganz wie es eine*r/m/s beliebt.
Die Balkone sind allesamt Gemeinschaftsraum für jede Etage und werden natürlich von allen mitbezahlt, die hier eine solch direkte Gemeinschaft leben wollen.
Das kann man kritisieren, denn es ist ein gewisser Luxus. Aber wer direkt am Wasser wohnen will, muss nunmal etwas tiefer in die Tasche greifen. Und dass man hier so offen miteinander diese Räume nutzen wird, ist doch ein spannendes Experiment, oder?