Kontrolliert unvollkommen
Wohnhaus von Sahel Al Hiyari Architects in Amman
Massiver Beton, zu langen Platten geformt, parallel angeordnet und scheinbar schwebend – es ist schon eine spezielle Spielart des gemütlichen Zuhauses, die diese Villa vermittelt. Fenster und Öffnungen, Treppen und Pflanzbeete, zurückgesetzt hinter massig-monolithischem Grau. Genau das aber sei Intention gewesen: Eine reduzierte (in dem Fall betonierte) Form, die im krassen Gegensatz zu umliegenden Landschaft steht. So beschreiben es Sahel Al Hiyari Architects (Amman), die Schöpfer*innen des Barghouti House.
Im Westen der jordanischen Hauptstadt befindet sich der Neubau, Dabouq heißt das Wohnviertel. Geprägt von einer hügeligen, mit Eichen bestandenen und relativ grünen Landschaft hat sich in Dabouq in den letzten zwei Jahrzehnten einiges verändert. So sind zahlreiche Neubauten entstanden, die, wie es heißt, teils zu erheblichen Umweltschäden geführt haben. Dieses Projekt aber sollte anders sein.
Sahel Al Hiyari Architects entwarfen ein Gebäude, das die verhandenen Bäume weder beschädigt noch zerstört und sich der Topografie des Grundstücks anpasst – nicht andersherum. Um den größten Teil des offenen Raumes ohne Bäume zu nutzen und das Haus am Hang auszurichten wurde die Grundfläche in Bezug auf die rechteckige Form des Grundstücks verschoben. Zudem wurde der 1.800 Quadratmeter umfassende Bau in zwei Teile geteilt, die durch ein Dach verbunden sind. Diese Teilung hatte auch programmatische Gründe, da die Gästezimmer getrennt vom restlichen Haus angeordnet werden sollten.
Ingesamt umfasst der Bau drei Etagen, wobei jede durch die Hanglage eine direkte Verbindung zum Garten hat. Der Eingang befindet sich am höchsten Punkt des Grundstücks, definiert durch den L-förmigen Grundriss der dritten Etage. Bis auf den aus der Landschaft „herausgeschnittenen“ Haupteingang, der über zwei Treppen erreicht wird, und eine Garage ist diese Seite des Gebäudes fensterlos und vollständig geschlossen.
Massiv und abweisend erscheint das Bauwerk, die Form streng. Gebrochen werden sollte das mit der handgeschliffenen Oberfläche des Betons, die ihn uneben und wellig erscheinen lässt und sich auf die umgebende Hügellandschaft bezieht. Kontrolliert unvollkommen nennen das die Architekt*innen, die so auch den Einklang mit der lokalen Baukultur hergestellt sehen. Diese sei noch immer stark von einer technologiearmen Bauweise und spezialisierten Handwerkern geprägt. (kat)
Fotos: Pino Musi
ihre kommentarkritik zur kommetarkritik:
klasse!
dann muss ja bei allen menschen mit hang zur emotionslosigkeit ein "deutschsein" zertifiziert werden.
vielleicht haben die ja das lied der sesamstraße zu sehr verinnerlicht:
der, die, das,
wieso, weshalb, warum...
nach ihrer schlussfolgerung könnte ich ja wiederrum schlussfolgern: die hier gezeigte architektur ist schön, weil sie emotionen auslöst. ich (emp)finde sie introvertiert. die betrachtung des fotografen und der baunetzleser vor dem bildschirm kann ja nur von außen stattfinden. selbst innen ist für uns außen, weil wir ja nicht reingucken können, physisch, im real life und so... das wiederrum wäre dann doch eher eine emotionsbeschreibung als eine reflektierte wahrnehmung.
was wollen sie denn, mehr kommentare a la geil, hammer, nicht schön, voll dufte?
mir sind kartoffelspalten auch lieber als kommentarspalten, trotzdem gucke ich hier gerne mal rein - auch weil ich ixamotto und auch ein architekt so gerne mag und das bei mir emotionen auslöst...
posamuckel mag ich natürlich auch!
Das bedeutet, dass Komentare wie "das funktioniert", "nicht sicher ob das in 50 Jahren noch stabil ist" und "MIR GEFÄLLTS" sachbezogen sind.
Die Geisteshaltung, das Emotion Erklärung bedarf und - das Emotion erklärbar ist (!) - ist ganz weit oben warum deutsche Baukultur im Vergleich zu fast allen Ländern deren Architektursprache mir bekannt ist einfach langweilt.
Immerhin funktioniert das mit dem utilitas und firmitas meist, aber das ist halt einfach nicht genug.
versuchs nicht weiter mit nachhaken, iaxamotto kann nicht "konkret", nur babbeln