Partys nur im Garten
Wohnhaus in Sinzig-Westum von Florian Hertweck
Steile Hanggrundstücke gehören zu den großen Sehnsuchtstopoi der Architektur. Viel Platz ist meist nicht, dafür erlaubt eine vertikale Organisation besondere räumliche Lösungen. Ein schöner Nebeneffekt: Der Flächenverbrauch bleibt selbst bei einem luxuriösen Einfamilienhaus überschaubar. Florian Hertweck (Luxemburg) hat in Sinzig-Westum einen Neubau entworfen, der das Gelände effizient zu nutzen versteht. Dies ist nicht verwunderlich, denn neben seiner Architektentätigkeit ist Hertweck Stadtforscher und Leiter eines Masterstudiengangs an der Universität Luxemburg. Mit seinem Buch Architektur auf gemeinsamem Boden setzt er sich mit der Bodenfrage, also auch dem Flächenverbrauch, in der aktuellen Architekturproduktion auseinander.
Auf 180 Quadratmetern bringt Hertweck zwei Kinderzimmer, Homeoffice, Elternschlafzimmer, zwei Bäder und eine Doppelgarage samt Abstellräumen unter. Über vier Etagen entwickelt sich der Betonquader, der mit seiner kantigen Auffahrt wie in den Hang eingestanzt wirkt. Die Bauherren – eine junge Familie – hatten sich zum klassischen Raumprogramm noch großzügige offene Wohn- und Terrassenflächen gewünscht. Über einen Laubengang samt Außentreppe ist außerdem der Garten mit einer Dachterrasse verbunden. „So können die Gäste bei Partys lustwandeln, ohne das Haus zu betreten“, heißt es im Pressetext. Aber was ist das für eine Party, bei der keiner das Haus betreten darf, möchte man rufen? Zumal dieses auch im Inneren recht ansehnlich geraten ist: Über den Wohnräumen gibt es einen Luftraum bis ins Dachgeschoss, wo die Eltern ihren Rückzugsort mit Schlafzimmer, Badezimmer und Homeoffice haben.
Das Haus kommuniziert seine Materialien offen und direkt. Der Sichtbeton steht dabei in schönem Kontrast zum Parkett und den Holz-Aluminium-Fenstern. Die reduzierte Materialität hat aber nicht nur optische Gründe: Durch die rohbelassenen doppelschaligen Ortbetonwände ließen sich einige Gewerke sparen. Ein zentraler Versorgungsschacht nimmt sämtliche vertikalen Leitungen auf, auch das sinnvoll mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit. Trotz weiter Ausblicke ins Tal blieb dadurch den Bewohner*innen der finanzielle Sturz ins Bodenlose erspart. (tl)
Fotos: Bildpark/ Veit Landwehr
Das ist alles kein Widerspruch. Oder think universal act in your homeland
konservativ? genug stoff, fragen zu stellen, nach der mit den ausrufungszeichen am hang geschaffenen antwort: auf der straßenebene fängt es an. ein gigantischer trichter als garageneinfahrt zum haus. fürs auto: ü50qm feinste ragierfläche. auf bild eins grüßt die dame des hauses. gut so, denn der geschotterte vorgarten des nachbarn lässt tief blicken. was ist mit ebene vier? luft. der herr herr des hauses lässt die glotze laufen. farbe. gut, dass nicht gerade die werbung produkte von kijimea reizdarm zum besten gab, hätte der fotografierende bestimmt ungeschönt ins bilderportfolio gepackt. den raum erleben. betonbrüstung auf ebene vier - ich blick nix, nur die kanten. das levellaufen macht spaß, nur der oma nicht. kommt die nicht zu besuch? lifta fehlt, handlauf auch. blick von bild neun: potenzial, aber diese harte schwere der markise... blick von bild zehn: ach mist, der fiese nachbar. ...und überall die lichtpeitschen, dem ist kein kraut gewachsen, bild zwei: susi, der fotograf kommt heute, wohin mit dem gerümpel? die kinder sagen: papas auffahrt ist staubtrocken, hüpfen, tanzen, plantschen, singen wird am nun nordwesthang entspringen. dann aber auf bild zwölf der abschied: schmidtmütze, ich hab alles im griff hier am hang! stylehang, schmaler grad, höhle und klippe zugleich...
Auf diesen Umstand reagiert der Entwurf erfolgreich durch maßlose Übersteigerung mittels eines geradezu unendlich langen Balkons (wie man ihn vielleicht schon im Alpenraum gesehen hat) mit einer quasi die Schwerkraft überwindenden Auskragung, und der quasi ins Nichts führt und mit einem schwindelerregenden Ausblick auf eine brachiale Schneise im Bereich der Zufahrt und den gegenüber liegenden Parkplatz aufwartet. Über die fliegende Außentreppe, für die das Wort spektakulär eine Verharmlosung ist, gelangt man auf das Flachdach. Auf Grund der üppigen Balkon- und Dachflächen, kann der halbe Ort gleichzeitig auf das Hausdach pilgern, um die ergreifende Aussicht zu genießen. Der obere Grundstücksteil kann da nicht mithalten. Aber man will ihn sowieso nicht nutzen, liegt er doch für längere Zeit im Schatten und ist steil wie ein Gebirge. Ein kleines Becken fürs Eistauchen der Pilger im Winter wurde schon aufgestellt. Die Größe des Beckens ist übrigens absichtlich gewählt: Vom Dach aus betrachtet, wirkt es wie ein kleiner Bergsee. Allein durch diese vielfältigen Maßstabsverzerrungen, Extreme und Widersprüche gelingt es dem Gebäude mühelos und überzeugend, einen Ausdruck des Erhabenen zu transportieren.