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31.01.2017

Grauer Bauschaumpilz

Wohnhaus in Prag von Jan Sepka


So mancher wird sich beim aktuellen Projekt von Jan Šépka fragen: Meint der das ernst? Die Antwort ist klar: Ja, meint er. Denn das House in the Orchard ist nicht das erste Wohnhaus dieser Art, das der Prager Architekt realisiert hat. Früher als Partner des Büros HŠH architekti, seit acht Jahren allein, entwirft und baut Šépka immer wieder äußerst eigenwillige Häuser. Zwischen 2000 und 2009 entstand beispielsweise das House on a Slope in Černín – ein Einfamilienhaus an einem Hang, bei dem die Schräge des Geländes einfach im Inneren fortgeführt wird und das als offene Abfolge dreier horizontaler und zweier schräger Wohnebenen konzipiert ist. Das Äußere des Hauses ließen die Architekten komplett mit Polyurethan-Schaum einsprühen und rosa streichen – eine Referenz an Ludwig Leos rosa-blauen Umlauftank am Rande des Berliner Tiergartens.

Mit reichlich PU-Schaum arbeitete Šépka auch bei seinem aktuellen Einfamilienhaus am Rande Prags, dieses Mal jedoch in Grau. Wieder zogen sich Planungs- und Bauprozess hin. Der Entwurf stammt bereits aus dem Jahr 2011, realisiert wurde das Haus aber erst in den letzten beiden Jahren. Das Haus ist radikal als Fremdkörper inszeniert, da hilft auch der unverfängliche Name – Haus in einem Obstgarten – wenig. Es steht auf einer einzelnen Pilzstütze an einem relativ steilen Hang mit alten Obstbäumen. Grund- und Umriss sind amorph, assoziieren das Bild eines Kopfes oder eines außerirdischen Fluggeräts, das zwischen den langweiligen Wohnhäusern des Prager Vororts gelandet ist und nun seine Landebrücke ausgeklappt hat. Kamin, Antenne und eine Leiter im Dachbereich unterstreichen diesen technischen Aspekt. Das All-Over des grauen PU-Schaums und die hermetische, geheimnisvoll gerundete Form des Hauses evozieren aber auch das Bild eines Bunkers. Dem stehen freilich die vier raumhohen Fensterscheiben gegenüber, die in die fugenlose Hülle des Hauses eingelassen sind und großzügige Ausblicke erlauben.

Das Haus besitzt drei Ebenen. Auf der untersten Ebene liegt das Wohnzimmer mit angeschlossener, enger Küche, außerdem ein kleines Schlafzimmer, eine Toilette und ein Bad. Der Wohnraum mit seinem unübersehbaren Holzofen ist das Zentrum des gesamten Hauses. Er öffnet sich weit nach oben, bis ganz hinauf in die sich turmartig verjüngende oberste Ebene. Zwei schmale, steile Treppenläufe führen zum master bedroom mit eigenem Bad auf Ebene zwei und dann nochmals weiter zu einem kleinen Arbeitszimmer auf der dritten Ebene.

Die Konstruktion des Hauses ist im Inneren überall sichtbar und bestimmt den Eindruck entscheidend. Grundlage der seltsam amorphen Außenform ist eine Holzkonstruktion aus schweren Balken, die komplett vorgefertigt wurde und auf der Baustelle nur noch montiert werden musste. Statisches Prinzip sind flächige Dreiecke, die Beplankung besteht aus billigem, hellem Birkensperrholz. Dass es hier mehr als eine Ecke gibt, die ein wenig gebastelt wirkt, muss dabei nicht verwundern. In Kombination mit den stereometrisch kantigen Holzmöbeln drängt sich jedenfalls ein eigenwilliger Eindruck auf – irgendwo zwischen Tischlerkultur, Dachstuhlgemütlichkeit und radikaler Avantgarde. (gh)

Fotos: TomᚠMalý


Zum Thema:

Ebenfalls in Prag, zwischen Obstbäumen und komplett mit PU-Schaum eingsprüht: Šépkas ehemaliger Büropartner Petr Hájek baute vor Kurzem ebenfalls ein ungewöhnliches Haus.


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