Große Geste in Corten
Wohnhaus bei Tübingen von Metaraum Architekten - Wallie Heinisch
Felldorf gehört zur Gemeinde Starzach im baden-württembergischen Landkreis Tübingen und zählt gerade einmal etwas über 750 Einwohner*innen. Inmitten der sanften Hügellandschaft, die sich zwischen Schwäbischer Alb und Schwarzwald erstreckt, markiert seit kurzem ein auffälliges Wohnhaus den Eingang zum Ort. Entworfen wurde der markante Bau vom Büro Metaraum Architekten – Wallie Heinisch (Stuttgart).
Das Haus setzt sich im Wesentlichen aus zwei gestalterischen Elementen zusammen: einem zweigeschossigen Kubus aus Metall und Glas, dem straßenseitig eine gestisch ausladene Fassadenschicht aus Cortenstahl vorgesetzt wurde. Dabei wird die Form eines Satteldachs angedeutet, aber nicht zu Ende geführt. Die Kubatur knüpfe an traditionelle, ländliche Bauweisen an; der Cortenstahl greife zudem die Beschaffenheit der benachbarten, verwitterten Holzscheune auf – schreiben Metaraum.
Hauseingang und Garage sind über einen kleinen, offenen Vorhof erreichbar, der straßenseitig in das Gelände eingeschnitten wurde. Von hier gelangt man über eine Diele hinauf in die Wohnräume, die eine Gesamtfläche von 243 Quadratmetern umfassen. Wohn- und Arbeitsbereiche befinden sich im unteren, Schlaf- und Fitnessräume mit Bad und Sauna im oberen Stockwerk. Das Raumkonzept wurde flexibel angelegt, so dass die Bereiche teilweise miteinander verbunden, aber auch durch Schiebetüren und Faltwände voneinander getrennt werden können.
Interessant ist die zweigeschossige Raumfuge zwischen Cortenstahlfassade und Kubus. Diese Raumschicht dient sowohl als Pufferraum in Richtung Straße als auch als Verteilerzone. Horizontale Lärchenholzlamellen bilden die innere Haut der Cortenstahlfassade. Die Lamellen schirmen die Sonne ab, bleiben aber trotzdem lichtdurchlässig. Die gesamte Dachfläche des Kubus wird von einer Terrasse eingenommen, die mit Robinienholzdielen belegt wurde und laut Architekt*innen Assoziationen an ein Schiffsdeck wecken soll.
Der Bauherr in die Bauherrin sind als Tragwerksplaner und im Bereich der erneuerbaren Energien tätig. Zum Konzept ihres Wohnhauses gehören unter anderem Erdwärmenutzung, erdgekoppelte Wärmepumpenanlage, Photovoltaik und der bewusste Verzicht auf eine Lüftungsanlage. (dsm)
Fotos: Zooey Braun
Der ökologische Anstrich kann bei dieser Wohnform immer nur genau das sein - eine hilfloses Mäntelchen, aber nicht wirklich ernst gemeint. Dafür ist der Flächen- und Materialverbrauch, die Abhängigkeit von der Doppelgarage eben doch zu groß. Aber das ist nun mal beim freistehenden Haus so, wird hier vielleicht etwas ungeschickt betont ("keine Lüftungsanlage" - wieso auch, wenn auf riesiger Fläche praktisch niemand wohnt). Aber das dürfte doch niemand wundern.
Es ist dann doch eine Frage der Architektur, vielmehr des fehlendes Instinktes für die Angemessenheit. Und zwar nicht der Größe, sondern in der Gestaltung und in deren Präsentation durch Architekten und Eigentümer. Die zu zitathaft gefaltete Dachimitation schafft keinen Bezug zu regionalen Bauformen, sondern entleert und veralbert eher die Bautradition. Man schottet sich ab, Fenster und selbst eine Eingangstür zur Straße hat man sich gespart (es ist die Westseite, an der Himmelsrichtung liegt es nicht). Nicht einmal den eigenen Garten betritt man gerne, sondern "lounged" auf der Dachterrasse, oder - sogar abgehoben vom eigenen Haus - im Schwebesessel. Diese Art der Möblierung mit allen Versatzstücken eines vermögenden Paares ohne Kinder erschwert die Identifikation mit diesem zwar sorgfältig detaillierten, aber insgesamt sorglos gestalteten Objekt.
Nicht schön finde ich es (um mal auf die stilistische Ebene zu kommen), über die Lebens- und Vermögensumstände der Bauherrn verächtlich und abwertend zu spekulieren.
Das stört mich mehr als das Häuschen am Dorfrand.
Kein Beitrag für die Dorfgemeinschaft, statt dessen festungsartige Feindseligkeit zur öffentlichen Seite.
Eine ungute Entwicklung...