Vor den Büschen an der Ilm
Toilettenhäuschen in Weimar von Naumann Wasserkampf
Ende April eröffnete im historischen Park an der Ilm in Weimar ein neues Haus – genauer: ein Häuschen, noch genauer: ein Toilettenhäuschen. Dass eine solche Funktionsarchitektur – und sei sie noch so klein – in der weltberühmten Parklandschaft nicht von der Stange kommt, sondern mit Liebe zum Detail von Architekt*innen durchgeplant wurde, ist mehr als begrüßenswert. Immerhin ist die Parkanlage Teil des Ensembles „Klassisches Weimar“, das seit 1998 UNESCO-Weltkulturerbe ist.
Verantwortlich für den Entwurf zeichnen Naumann Wasserkampf Architekten. Bauherrin des Toilettenhäuschens ist die Klassik Stiftung Weimar. Susanne Dieckmann (Abteilungsleiterin Bau- und Denkmalpflege) und Baureferent Tim Jahn setzten sich dafür ein, dass kein Standard verschämt hinter Büsche gesetzt wurde, erklären die Architekt*innen. Stattdessen sollte die Tradition der Kleinarchitekturen, die die Parklandschaft entlang der Ilm prägen, weitergesponnen werden. Die Vergabe erfolgte über eine Angebotsabfrage, die auch die Sanierung zweier bestehender Toiletten umfasste.
Für das Anfang 2017 gegründete Weimarer Büro von Julia Naumann und Max Wasserkampf ist es – nach einem Einfamilienhaus – erst die zweite Fertigstellung. Doch trotz des Maßstabs gingen die Architekt*innen programmatisch an die Bauaufgabe heran und orientierten sich an „historischen Vorbildern und ihren Fügungen“, wie sie schreiben. Explizit benennen sie die Knotenpunkte, die sie als Referenz an die entsprechenden Elemente historischer Wiener Bedürfnisanstalten begreifen.
Konstruktiv handelt es sich um eine Holzständerbauweise auf einem betonierten Sockel. Als aussteifende Elemente kamen innen und außen Dreischichtplatten aus Massivholz zum Einsatz. Das Dach wurde mit einer Stehfalzdeckung aus Kupfer versehen. Das Ergebnis ist eine charmante Synthese aus zeitgemäßer Konstruktion, einprägsamem Farbkontrast und historischen Ordnungen.
Bei so viel subtiler Entwurfsarbeit fällt der Asphaltweg vor dem Häuschen etwas unangenehm ins Auge. Asphalt war hier jedoch notwendig, da der Weg einen Schreinereibetrieb erschließt. Geplant ist, hier noch eine Einstreu aufzubringen. (gh)
Fotos: Max Wasserkampf
Sinnfreie Beiträge und einzige Konstante, es ist immer inhaltslos. Ist es im eigenen Büro so langweilig und trübselig?
schön. sehr schön. aber es muss jetzt weiter gehen, freunde. wirtschaftlich und so. ich mein: habt ihr das schickicke häuschen auf stundenbasis aberechnet? frage? oder doofe frage?
Was mir wirklich nicht gefällt sind die roten, halbrunden Beschläge auf der Fassade. Das sieht sehr nach Hewi-Toilette aus. Hier gibt es passendere Lösungen im Fassadenbau. Auch die Unterbrechung des Betonsockels durch die Türen hätte ich unten nicht noch farblich rot betont. Trotzdem schmälern diese zwei kleinen Kritikpunkte das Projekt nicht. Sehr gelungen, bitte mehr solche durchdachten Kleinode :-)
.. kleines Projekt. Feine Materialauswahl, Reduktion auf das Wesentliche und durchgängig sehr sorgfältig im Sinne des C2C detailliert. Dementsprechend ist auch die handwerkliche Umsetzung bis zur letzten Schraube perfekt. Das sieht man in dieser Vollendung nur sehr selten. Die Stadt Weimar sollte den jungen Kolleg*innen in Zukunft deutlich größere Bauaufgaben übertragen.