Fassadenwechsel im laufenden Betrieb
Wohnblocksanierung in Genf von Nomos Architects
Der 48 Meter hohe Wohnblock Tour de Vieusseux ist eine Landmarke in der gleichnamigen Großsiedlung im Norden von Genf. Die Cité Vieusseux wurde von der Baugenossenschaft Société coopérative d’habitation Genève (SCHG) ab den 1930er Jahren entwickelt, das von den beiden Genfer Architekten Robert und Jean-Jacques Honegger entworfene Hochhaus kam 1974 hinzu. Zuletzt machte der bauliche Zustand des Fünzehngeschossers, insbesondere der übermäßig hohe Energieverbrauch, eine umfassende Sanierung erforderlich. Geplant wurde diese von Nomos Architects mit Sitzen in Genf und Madrid.
Im Mittelpunkt des Sanierungsprojekts stand die energetische Ertüchtigung der Gebäudehülle. Bei dieser Gelegenheit verbesserten Nomos auch die Tageslichtversorgung der eher dunklen Wohnungen. Dafür wandelten sie die bestehenden Balkone in Wintergärten um, die über eine verglaste Tür direkt mit der Küche verbunden sind. So entstand auch ein klimatischer Raumpuffer, der im Winter bei Sonneneinstrahlung den Heizbedarf verringert und im Sommer das Durchlüften ermöglicht. Mit der neuen Fassade erhielt der massive Block ein insgesamt etwas leichter wirkendes Erscheinungsbild.
Im Zuge des Balkonumbaus wurden die bestehenden Betonbrüstungen ausgeschnitten und durch eine filigrane Stahl-Glas-Konstruktion ersetzt. Die raumhohen, drehbaren Glaspaneele lassen sich zu etwa zwei Dritteln wie Türen öffnen, sodass die Wintergärten an Jahreszeit und Wetter anpassbar sind. Außerdem können die neuen Verglasungen auf diese Weise von den Bewohner*innen selbst gereinigt werden.
Die Montage erfolgte im laufenden Betrieb – die rund 400 Menschen, die in den 150 Wohnungen leben, mussten ihr Zuhause dafür nicht verlassen. Nomos erklärt den Bauablauf so: Vor dem Einbau wurde das neue Fassadensystem in einem Prototyp im Maßstab 1:1 getestet. Das Baugerüst stand neun Monate lang, pro Wohnung waren drei Arbeitstage angesetzt, in rund drei Stunden wurde die Verglasung ausgetauscht und in circa 20 Minuten die Betonbrüstung entfernt.
Auch in den offenen Bereichen des Erdgeschosses griffen die Architekt*innen ein: Hier wurde die Raumatmosphäre durch ein modernes Beleuchtungssystem und einen reflektierenden, goldfarbenen Deckenabschluss verbessert, ein Sockel aus Naturstein greift die charakteristische Zickzack-Geometrie der neuen Wintergärten auf. (da)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- Nomos
- Mitarbeitende:
- Lucas Camponovo, Katrien Vertenten, Massimo Bianco, Paul Galindo, Ophélie Herranz
- Bauherrschaft:
- SCHG Société Coopérative d’Habitation de Genève
- Fläche:
- 16.523 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 17.200.000 € Gesamtkosten




