In die Berliner Enge gefügt
Wohn-und Geschäftshäuser von Tchoban Voss
„Kaum vorstellbar, wie viele Veränderungen in Berlin-Mitte im vergangenen Jahrzehnt stattgefunden haben“, schreiben Tchoban Voss Architekten zu ihrem neuesten Projekt, das drei Bauten auf einem Grundstück in der städtebaulichen Enge des historischen Scheunenviertels in Berlin verbindet. Auch wenn das so klingt, als stünden sie ganz verblüfft vor ihrem eigenen Werk: Die Architekten haben einen sichtbaren Anteil an den Veränderungen in der Stadt. Ihr Quartier am Leipziger Platz, die Living Levels an der Spree oder ein simpler Viergeschosser in Mitte sind nur einige Beispiele dafür, was das Büro an äußerst prominenten Lagen im Zentrum der Hauptstadt gebaut hat.
In dem Viertel nahe der Volksbühne mit seinen Boutiquen, Büros und teuren Wohnungen schließen die Architekten nun zwei separate, aneinandergrenzende Baulücken in zwei Straßen. An der Alten Schönhauser Straße zeigt sich ein neues Wohn- und Geschäftshaus, die historische Traufhöhe einhaltend, mit vier Obergeschossen und einem Staffelgeschoss, an der Rückertstraße folgt ein Bau dem gleichen Schema mit nur drei Obergeschossen. Zwischen den beiden entstanden auf dem gemeinsamen Hof vier zusammenhängende Townhouses. Auftraggeberin ist die Terra Contor Verwaltungs GmbH.
Die Straßenfronten gestalteten die Architekten repräsentativ mit hellem Egernsunder Klinker und weiß abgesetzten Fensterlaibungen, während die Fassaden zum Innenhof weiß verputzt sind. Die Fensterformen an der Fassade zur vielbefahrenen Alten Schönhauser Straße spielen dezent mit historischen Formen. Je höher die Fensterreihe auf den vier Geschossen angesiedelt, umso flacher wird ihr Bogensegment, bis es sich im Staffelgeschoss aufgelöst hat. Der Bau zur Rückerstraße soll mit großzügigen rechteckigen Fenstern eher der ruhigen Atmosphäre in der schmalen Straße entsprechen. Die aus Stahl ausgeführten Harfengeländer der französischen Fenster sind in Anthrazit gehalten.
26 Mietwohnungen gibt es in beiden zu den Straßen gerichteten Gebäuden, die vier Townhouses bieten je eine Wohneinheit. Letztere sind in diesem historischen und eng bebauten Teil Berlin Mittes ungewöhnliche Wohnhaustypen, aber – wer weiß – vielleicht heißt es in einer zukünftigen Pressemitteilung einmal „Kaum vorstellbar, wie stark sich in den letzten Jahren ein suburbanes Wohnkonzept mitten in das Zentrum Berlins verlagert hat“. (sj)
Fotos: Lev Chestakov, Nils Koenning
Die hintere Fassade wirkt allerdings wieder, wie der triviale Klatsch, wen wir heute fast überall bauen.
Bogenfenster? Öfter mal was Neues wagen.
Zwei unterschiedliche Fassaden? Kein Problem, man ist ja flexibel und ein Konzept versteht sowie kein Bauherr. Baugeschichte light. Wer glaubt eigentlich diesen Pseudo-Historismus?
Im Krankenhaus ruf ich auch nicht die Polizei, wenn der Arzt mit seinen Studenten rumkommt, um meine Probleme vorzuführen. Ob der dann über Lymphflüssigkeit oder Viszeralbögen redet (oder eben Dehnungsfugen und Rundbögen) ist doch für die Sache völlig nebensächlich. Im übrigen ist die interessierte Fachöffentlichkeit ja kein Mob, der da durch den Hinterhof tigert...
Merken diese Architekten eigentlich wie sie das eigene Klischee immer wieder aufs neue bedienen und wundert sich eigentlich noch jemand, warum man mit 6B Bleibstift und rotem Schal auf der Baustelle nicht mehr ernst genommen wird...?
Was man auf den Bildern leider nicht sieht, sind die vielen Dehnungsfugen, die das Bild der Fassade zur alten Schönhauser Straße doch sehr stören. Auch der Innenhof trügt ein wenig auf den Fotos. Hier hat es nur zu einem WDVS gereicht und die Oberflächen werden wohl bald entsprechend aussehen. Das unangenehmste sind wohl aber die Bewohner, die zum Tag der Architektur kein Verständnis für das Interesse der Gäste an Architektur zeigten und stattdessen wiederholt damit drohten die Polizei zu rufen. In einem Mietshaus im Scheunenviertel wie sich die Zeiten ändern !