Einfach Wohnen in Zürich
Wohn- und Gewerbeensemble von Donet Schäfer Reimer
Gelungener Abschluss an der Hofwiesenstrasse! Nachdem wir im Herbst bereits den neuen Schulbau von Weyell Zipse Architekten vorgestellt haben, folgen nun Donet Schäfer Reimer Architekten (Zürich) mit zwei Wohn- und Gewerbehäusern und einer Kita. Das gestaffelte Ensemble ist Teil des gleichen Gesamtvorhabens, mit dem seit 2018 das einstige Guggach-Areal im Quartier Unterstrass nördlich der Zürcher Innenstadt gemeinnützig entwickelt wird. Auch ein Quartierspark von Atelier Loidl gehört zur Grundkonzeption des gemeinsam entwickelten Projekts. Auftraggeberin war die städtische Stiftung Einfach Wohnen.
Die beiden länglichen, im letzten Jahr fertiggestellten Volumen folgen leicht versetzt der Hofenwiesenstrasse. Dank ihrer Winkelstellung zum Straßenverlauf lassen sie Platz für einen kleinen Quartiersplatz und ein herausgeschobenes Volumen mit größerer Gewerbefläche. Hier hat inzwischen ein Supermarkt eröffnet. Auch im Erdgeschoss des zweiten Gebäudes gibt es Gewerbe- und Atelierflächen, in diesem Fall von kleinerem Zuschnitt. Der Kindergarten befindet sich rückwärtig im Winkel der beiden großen Häuser. Das heterogene Umfeld der Straßenkreuzung wird durch das neue Ensemble merklich verfestigt und verdichtet.
Die beiden Scheiben bieten rund 110 Wohnungen von stark unterschiedlicher Größe. Als kleinste Einheiten wurden Studios mit 35 Quadratmetern realisiert, während es auch 35 Wohnungen jenseits der 90 Quadratmeter gibt. Das Hauptfeld zwischen zwei und drei Zimmern wurde im östlichen Haus A umgesetzt. Im Haus B mit den größeren Einheiten liegen als Besonderheiten über dem Supermarkt noch einige Patiowohnungen und Maisonetten unter dem Pultdach.
Die beiden Achtgeschosser wurden in konsequenter Schottenbauweise mit durchgesteckten Grundrissen errichtet. Beide verfügen zudem über außenliegende Erschließungen. Als Laubengänge beziehungsweise feuertreppenartige Konstruktionen sind sie im Stadtraum sichtbar. Neben dem Ziel eines kostengünstigen Bauens – das die Architekt*innen angesichts des Ergebnisses durchaus glaubwürdig als lustvolle Herausforderung beschreiben – spielte insbesondere das Thema Lärmschutz eine große Rolle. Im Resultat ist eine technisch anmutende, an bestehende Typologien der Umgebung anknüpfende, im räumlichen Detail jedoch fein differenzierte Architektur entstanden.
Im Inneren wurde die effiziente Grundstruktur aus Beton mit ausdrucksstarken Materialien und prominent gesetzten Farben angereichert. Auch die Photovoltaik-Module, mit denen ein solarer Deckungsgrad von 100 Prozent erreicht werden kann, wurden bemerkenswert variantenreich umgesetzt. Für das Gemeinschaftsgefühl steht auf Haus A ferner eine Dachterrasse zur Verfügung. Außerdem gibt es zumietbare Zimmer und eine Gästewohnung.
Im Gegensatz zum Beton der Wohnhäuser wurde der rückwärtige Kindergarten als Holzbau errichtet. Einige Elemente der vorderen Häuser wie beispielsweise die schweren Natursteinstützen von Haus A haben hier trotzdem ihren Widerhall gefunden. So sorgen unter anderem übergroße Vollstammstützen für einen Akzent. Sie bilden eine Veranda, die als Übergang zum Außenbereich positioniert ist. (sb)
Fotos: Philip Heckhausen
- Architektur:
- Donet Schäfer Reimer Architekten
- Landschaftsarchitektur:
- Atelier Loidl
- Signaletik:
- Moiré Grafik
- Kunst am Bau:
- Katerina Seda
- Weitere Planer*innen:
- HSSP (Baumanagement), Dr. Lüchinger + Meyer (Bauingenieure+Fassade), HLK (Waldhauser + Hermann), BLM Haustechnik (Sanitärplanung), IBG B. Graf AG Engineering (Elektroplanung, Photovoltaikplanung), Büro für Nachhaltigkeit am Bau (Nachhaltigkeit), BAKUS Bauphysik & Akustik (Bauphysik), Süss und Partner (Werkleitungen), Gastroplanung (planbar), Rombo (Verkehrsplanung), Basler & Hofmann (Brandschutz), Planungsbüro Jud (Mobilitätskonzept)
- Auftraggeberin:
- Stiftung Einfach Wohnen
- Fertigstellung:
- 2024
- Fläche:
- 10.500 m²
- Baukosten:
- 52.800.000 €
Einen ästhetischen Blick auf das Photovoltaik-Paneel als bewusstes Gestaltungselement wirft das Buch Made of Solar.
gerade bei so viel unterschiedlichen bedarfen hätte es eine "ruhigen klammer"gebraucht.
und zum thema " der Mieter muss wahrscheinlich einiges selbst übernehmen wenn ihm das zu doof ist":
das kann man in CH als mieter vergessen! schon das streichen einer weissen wand in eierschale bedarf oft eines langen "genehmigungsprozesses" von seiten vermieter oder genossenschaft, jeder nagel in der wand bringt das haus vermeintlich zum einsturz.
wenn man dann noch sichtbeton oder holzelemente "verschönert" droht der rauswurf bis hin zum sicheren zumindest sozialem tod des mieters!
Die Grundrisse sind super, die Materialwahl etwas wild aber auch mal was und halt Ausbaufähig.
Das wäre dann auch meine Kritik, der Mieter muss wahrscheinlich einiges selbst übernehmen wenn ihm das zu doof ist, andersherum ist es ein gestaltersiches Angebot und besser als den Typischen Standard dort reinzuklatschen der gar keinen Glücklich macht. Zum beispiel Raufaser.
@Fritz
Ähm, guten morgen die Heteronormative Nachkriegsfamilie M/F/K ist nicht die einzige Lebensform. Die Statistik zeigt da, wie die Gesellschaft ab. Das Haus bildet da eher nur den Markt in der Schweiz ab und ist kein Gesellschaftsbildender Bauteil. Das ist halt Kapitalismus.