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19.01.2026
Selbstversuch von A bis Z
Wohn- und Ferienhaus am Ammersee von Arnold / Werner
Um mit nachhaltigem Bauen experimentieren zu können, braucht es Spielräume – finanzielle Mittel und eine engagierte Bauherrschaft zum Beispiel. Diese Gelegenheit bot sich für Arnold / Werner beim Haus A/Z im bayerischen Utting am Ammersee. Das Münchner Büro verantwortete sowohl Architektur als auch Innenausstattung und konnte den Nachhaltigkeitsgedanken somit bis ins Detail verfolgen.
Arnold / Werner wollen das Haus weniger als abgeschlossenes Statement verstanden wissen denn als „Selbstversuch” – ein Projekt im Sinne des Learning by Doing, bei dem nachhaltiges Bauen auch für zukünftige Projekte erprobt wird, so die Architekt*innen. Auf dem rund 800 Quadratmeter großen Grundstück ganz in der Nähe des Ammersees ersetzt der Neubau einen Bungalow, der aufgrund seines schlechten Zustands nicht erhalten werden konnte.
In seiner Erscheinung knüpft das neue Haus, das vor allem als Ferienunterkunft vermietet wird, an lokale Bautraditionen an. Als Referenz diente das klassische Bauernhaus mit umlaufendem Balkon, schreiben die Architekt*innen. Entstanden ist ein schlichter Massivholzbau, der sich mit seiner dunkelgrünen Fassade und zurückhaltenden Kubatur in die von Einfamilienhäusern geprägte Umgebung einfügt.
Der Anspruch, ein Maximum an nachhaltigen, lokalen und recycelten Materialien zu verwenden, bestimmt Konstruktion und Gestaltung. Tragwerk, Fassade, Wärmedämmung und Innenausbau bestehen überwiegend aus Holz. Die Außenwände wurden in einem Südtiroler Betrieb als Brettschichtholzelementen vorgefertigt und bestehen aus Fichte; dadurch konnte die Bauzeit mit zwölf Monaten relativ kurz gehalten werden. Ergänzt wird der Aufbau durch Holzwolledämmung und einen Innenputz aus Lehm.
Ein bis zu zwei Meter auskragendes Holz-Stahl-Dach schützt die Fassade und schützt im Sommer vor Überhitzung. Das Dach ist begrünt, außerdem gibt es eine Wasserzisterne, eine Wärmepumpe und eine PV-Anlage. Im Inneren wird das Konzept durch recycelte und nachhaltigkeitszertifizierte Materialien für Möbel, Textilien und Oberflächen ergänzt. Teilweise entstanden Einbauten aus dem Holz eines Baumes, der zuvor auf dem Grundstück gefällt werden musste.
Das Haus bietet rund 200 Quadratmeter Wohnfläche. Der Grundriss ist flexibel angelegt und erlaubt die spätere Teilung in zwei Wohneinheiten. Im Erdgeschoss befinden sich der Eingangsbereich, ein großzügiger Wohn- und Essraum mit offener Küche sowie ein Gästezimmer als auch ein Bad. Eine freischwebende Treppe, die sich in der Mitte nach links und rechts teilt, führt ins Obergeschoss. Dort sind – auf zwei lediglich über die Treppe verbundenen Gebäudeseiten – drei Schlafräume, ein Arbeitszimmer sowie auf beiden Seiten je ein weiteres Bad angeordnet. Im Außenraum wurden heimische Sträucher und Bäume gepflanzt, zusätzlich sollen eine Blumenwiese und ein Totholzbereich die Biodiversität fördern. (dsm)
Fotos: Florian Holzherr, Luca Eder, Elias Hassos
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