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28.08.2018

Zahlen Zeiten Kosten

Wo bleibt die Qualität in der Wohnungsbaudebatte?


Von Friederike Meyer

Für den 21. September hat Angela Merkel zum lange erwarteten großen deutschen Wohngipfel ins Kanzleramt geladen. Im Vorfeld bringen sich die Akteure gerade in Position. Vergangene Woche heizte ein veröffentlichtes Gutachten die Diskussion um den Wohnungsbau in Deutschland an. Geschrieben hatten es 34 Ökonomen, die den wissenschaftlichen Beirat des Wirtschaftministeriums bilden. Die provokante These: Hört auf Sozialwohnungen zu bauen, stoppt die Mietpreisbremse, der Markt wird es richten. Die Kommunen bräuchten mehr Anreize, Bauland auszuweisen, Wohnungsbau könne man durch weniger Bauvorschriften und eine geringere Grunderwerbssteuer fördern, für die Ärmsten solle man lieber das Wohngeld erhöhen.

Der Widerspruch kam prompt. Der Mieterbund bezeichnete das Gutachten als „Vorschläge aus der Mottenkiste“, man brauche ein Preissgement, das keinen Renditedruck habe. „Auch wenn Wohngeld erhöht würde: Wohngeld baut keine neuen Wohnungen. Wir brauchen aber neue Wohnungen und wir brauchen neue bezahlbare Wohnungen. Die entstehen nicht durch Wohngeld, sondern durch Sozialen Wohnungsbau“, sagte Ulrich Ropertz, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes, dem Deutschlandfunk. Auch der regierende Berliner Bürgermeister Michael Müller konterte das Gutachten aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Der Bund müsse sich durch Mietregulierung engagieren, und auch der Bau gehöre dazu. Er fände es abenteuerlich zu sagen, das in Gang gesetzte Bauen sei alles gar nicht nötig, sagte er vergangenen Freitag auf einer Pressekonferenz anlässlich der zweiten Neubautour durch Berlin.

In Berlin steht die Bausenatorin Katrin Lompscher in der Kritik, weil die versprochenen Wohnungen nicht schnell genug fertig werden. Zusammen mit Bürgermeister Müller führte sie darum den am Freitag auf der Neubautour mitgereisten Journalisten sechs ausgewählte Bauprojekte der sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften vor. Ziel der Veranstaltung war ganz offensichtlich die Botschaft: Wir bauen viel, wir bauen vielfältig und wir unterstüzen uns gegenseitig. Doch wer dabei gehofft hatte, etwas über Ziele in Bezug auf die Wohnqualität oder architektonische Ambitionen zu hören, wurde enttäuscht. Es ging vor allem um Zahlen, Zeiten, Kosten – und Händeschütteln. Man unterhielt sich über die wartungsarmen Plastikfenster, den robusten Vinylboden in Holzoptik, große Terrassen, barrierefreie Erschließung, Angebote für ältere Menschen, Studierende, Spielplätze und Putzfarben. Architektennamen wurden nur auf Nachfrage genannt.

In Reaktion auf das Gutachten der Ökonomen bringt die Journalistin Laura Weissmüller die Misere auf den Punkt. In der Süddeutschen Zeitung erinnerte sie an die gesamtgesellschaftliche Tragweite der Aufgabe. „Bei der Frage, wie bezahlbarer Wohnrau entsteht, geht es nicht darum, möglichst schnell irgendwelche Häuser hochzuziehen, am besten auf unbeliebten Grundstücken, schreibt Weissmüller. Wer so denkt, wiederholt die Fehler der Vergangenenheit und folgt der Logik der privaten Bauwirtschaft. Die Gesellschaft müsse sich entscheiden, wie sie in Zukunft leben will: Gemeinschaftlich oder neoliberal. Alles andere ist Augenwischerei.“

Bleibt zu hoffen, dass der Wohngipfel der Kanzlerin mehr wird als ein Schlagabtausch über Kosten, Quadratmeter und Monatsmieten, über Objektförderung gegenüber Subjektförderung. Beim Vorbereitungstreffen des Wohngipfels am 31. August im Bauministerium zumindest werden auch Architektenvertreter dabei sein. Ihre Aufgabe wird es sein, dort zu vermitteln, dass es in unserem Land zahlreiche Architekten gibt, die mit wenig Geld gute Wohnräume und lebenswerte Quartiere planen können und dass der Mut zum Experiment auch unter Zeit- und Kostendruck nicht verloren gehen darf.


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