Württembergische Landesbibliothek
Wettbewerb in Stuttgart entschieden
Während in anderen Teilen Deutschlands die Bibliotheken und Archive entweder zusammenfallen – siehe Köln – oder durch Grundstücks-Kungeleien stark in ihrer Realisierung bedroht sind – siehe Duisburg –, macht man in Stuttgart Nägel mit Köpfen: Das Land Baden-Württemberg beabsichtigt, an der sogenannten „Kulturmeile“, bestehend aus Staatsgalerie Stuttgart, Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Musikhochschule und den Staatstheatern, einen Erweiterungsbau für die Württembergische Landesbibliothek zu errichten. Der nichtoffene, einphasige Planungswettbewerb mit 30 Teilnehmern wurde am 10. Dezember entschieden.
Zum bestehenden Bibliotheksgebäude, einem 1970 von Horst Linde erbauten Stahlbetonbau, sind neue Freihand- und Lesebereiche sowie weitere Magazinflächen geplant. Dabei sollte auf Grund der im Stadtbild prominenten Lage der Bibliothek an der „Kulturmeile“ besonders auf eine „stadtbildprägende Lösung von hohem architektonischem Anspruch“ geachtet werden. Die Jury unter Vorsitz von Christoph Mäckler entschied sich statt eines ersten Preises für drei zweite Preisträger:
2. Preis: Wulf & Partner, Stuttgart
2. Preis: E2A Eckert Eckert Architekten, Zürich
2. Preis: Lederer Ragnarsdóttir Oei, Stuttgart
4. Preis: Henning Larsen Architects, Kopenhagen
5. Preis: Heneghan.Peng Architects, Dublin
Anerkennung: Schweger Associated Architects, Hamburg
Anerkennung: Florian Nagler Architekten, München
Anerkennung: Baumschlager Eberle, Lochau
Die Jury zum Entwurf von Wulf & Partner: „Die Verfasser nehmen die vorhandene Brücke zum Anlass eine Baukörpertrennung des Neubaus vorzuschlagen. Dies entspricht auch weitgehend der zugeordneten Nutzungsverteilung: Zur Konrad-Adenauer-Straße hin sind im wesentlichen Arbeitsplätze mit Blickbeziehungen zum Schloss und Park untergebracht. Im rückwärtigen Riegel der Freihandbereich und das Magazin. Insgesamt entsteht ein in der Masse und Fassadengliederung gut ausgewogenes Pendant zum Bestandsbau.“
Der Entwurf von E2A greift, so die Jury, „das Thema des alternierenden Systems von Kopfbauten und gefassten Räumen auf, in dem ein großzügiger Platzraum zwischen bestehendem Lesesaal und Erweiterungbau geschaffen wird. Die Silhouette an der Konrad-Adenauer-Straße und die Topografie der Stadt mit der Fassung des Hangfußes durch das ‚hohe Ufer‘ werden überzeugend zitiert und fortgeführt. Insgesamt besticht der Entwurf durch seine anscheinend einfache Lösung komplexer Planungsparameter.“
Einen eigenständigen Erweiterungsbau im nordwestlichen Bereich der Landesbibliothek sieht der Beitrag von LRO vor. Hier werde „durch die Positionierung des klaren, kubischen Baukörpers die Anlage ergänzt. Der Lesesaal der Bibliothek rückt nun ins Zentrum des Ensembles, freigestellt und gerahmt vom Hauptstaatsarchiv und dem vorgeschlagenen Neubau. Die Achse zum Neuen Schloss wird deutlich herausgestellt.“
In anderen deutschen /europäischen Städten wagen Architekten, Baherren und Gemeinderat wesentlich mehr. In Stuttgart sehen die Neubauten schon aus wie Nachkriegsarchitektur! Warum es 3 zweite Preise gegeben hat,war übrigens keine Willkür der Jury. Alle Entwürfe hatten individuelle Mängel. (s. Juryprotokoll)
Man fragt sich schon warum die Politik sich immer einmischt und nicht auf die Kompetenz der städtischen Mitarbeiter (die gibt es ja!) hört.
was ist denn verwerflich daran typologisch unterschiedliche ansätze gleich zu werten. dass man sich auf keinen ersten preis einigen konnte ist ärgerlich, aber ich finde es offen gestanden gut von der jury aufzuzeigen, dass man sich (für stuttgarter verhältnisse) nicht nur mit würfeln auseinandergesetzt hat. ich kenne das grundstück und finde die lösung von herrn wulff städtebaulich am problematischsten.
Wie man bei drei städtebaulich grundverschiedenen Ansätzen auf eine gleichrangige Wertung kommen kann ist mir völlig schleierhaft. Als Juror der sich mit der Situation auseinandergesetzt hat muss man doch eine Haltung haben, welche der drei vorgeschlagenen Raumbildungen die richtige ist. Oder es geht eben tatsächlich um etwas anderes als Architektur, und man will sich auf seiten der Politik noch ein paar "Optionen" offenhalten.