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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Wettbewerb_fuer_WDR-Standort_in_Muenster_entschieden_7574625.html

30.03.2021

Zurück ins Zentrum

Wettbewerb für WDR-Standort in Münster entschieden


Es kommt nicht alle Tage vor, dass der Westdeutsche Rundfunk ein Landesstudio baut. Und der geplante Neubau in Münster lässt konzeptionell etwas Ungewöhnliches erwarten. Denn Stadt, Wirtschaftsförderung und Sendeanstalt planen gemeinsam und wollen einen urbanen Ort für Kommunikation, Austausch und Information, Bildung und modernes Arbeiten schaffen.

Von Stefan Rethfeld


Schon lange hegte der WDR Münster den Wunsch, sein 1970 bezogenes und 1986 erweitertes Studiogelände am Stadtrand gegen einen innerstädtischen Standort einzutauschen. Seinerzeit galt das Studio an der Mondstraße als großer Gewinn, er sicherte Münster den lang geforderten Status eines eigenen Regionalstandortes. „Wir brauchen den Kontakt zu den Menschen“, betonte der damalige WDR-Intendant Klaus von Bismarck bereits vor 50 Jahren den Wert des Regionalen. Schnell wurde jedoch deutlich, dass der WDR Münster in einem künftigen Neubau dank moderner Studiotechnik nur ein Drittel des vorherigen Raumbedarfs benötigt. Neben einer Empfangs- und Besprechungszone sind es vor allem Arbeitsplätze für Redakteur*innen, flexible Büros für Redaktion und Verwaltung sowie ein Studioraum mit Technik und Regie. Lediglich zwei bis drei Etagen möchte man in einem kompakten Neubau nutzen.
 
Die Stadt Münster hörte diesen Wunsch gern. Kann sie doch so zum einen das weiträumige Studiogelände in bester Wohnlage zurückerhalten und nun für Wohnzwecke erschließen, zum anderen ein ungewöhnliches Medienhaus in zentraler Lage erschaffen. Doch wie könnte ein neuer Ort selber zum öffentlichen Forum werden und digitale Medien breiter vermitteln? Rasch waren das städtische Smart-City-Office, ein Digitallabor und die Volkshochschule als weitere Komponenten für das Gebäudekonzept gefunden. Auch die Idee einer öffentlichen „Townhall“ mit Café im Erdgeschoss beflügelte alle Beteiligten. Als Standort bot sich eine Parkplatzfläche am Servatiiplatz neben dem Hauptbahnhof an – täglich frequentiert von vielen tausend Menschen und flankiert von gleich zwei besonderen Baudenkmälern: der 1949/50 durch Otto Bartning als Notkirche aufgebauten Erlöserkirche und dem von Friedrich Wilhelm Kraemer entworfenen Iduna-Hochhaus mit Pavillon (1960/61).
 
Angesichts der Aufgabe und des Ortes durfte man auf die Ergebnisse eines international besetzten Wettbewerbes, den die Wirtschaftsförderung Münster (WFM) im August 2020 auslobte, gespannt sein. Betreut wurde das Verfahren vom Büro post welters + partner (Dortmund). Zu den gesetzten Teilnehmern zählten: AllesWirdGut, Architektur ZT GmbH (Wien/ München), CROSS Architecture (Aachen), Kraaijvanger Architects (Rotterdam), LOVE architecture and urbanism  (Graz) und staab Architekten (Berlin). Unter den 15 eingegangenen Beiträgen vergab die Jury unter Vorsitz von Volker Droste (Oldenburg) drei Preise und eine Anerkennung:


  • 1. Preis: UWA, Ulli Weidemann Architekten (Münster)

  • 2. Preis:  dreibund architekten (Bochum)

  • 3. Preis: kleyer.koblitz.letzel.freivogel (Berlin)

  • Anerkennung: stm°architekten Stößlein Mertenbacher (Nürnberg) 
 
Die Entwürfe boten eine große Bandbreite an architektonischen Lösungen. Schwere und leichte, lastende und schwebende, kühne und blockige Volumen wurden im Preisgericht im Stadtmodell im Maßstab 1:500 eingesetzt und überprüft. Letztlich prämierte die Jury einen Entwurf mit dem 1. Preis, der eine maßvolle und doch akzentuierte Setzung im Stadtraum vornimmt. Leicht erhöht zum Kreuzungsbereich Wolbecker Straße / Eisenbahnstraße und abgeflacht in Richtung Erlöserkirche, gestattet er sich nur ein moderates Höhenspiel. Gelobt wurde vor allem das zurückgesetzte, gläserne Erdgeschoss, das dank sinnfällig gewählter Eingänge vielschichtig bespielbar ist – und sich auch zur rückwärtigen Friedrichstraße öffnet. So zutreffend die Annahmen im Erdgeschoss, so wenig konnten Treppenräume und Fassaden überzeugen. Die Jury empfiehlt die Arbeit daher nur als „robuste Grundkomposition, die Weiterentwicklungspotenziale eröffnet.“
 
Auch das monolithisch und skulpturale Gebäude des 2. Preisträgers füge sich, nach Meinung der Jury, mit seinen schrägen Gebäudefluchten, Dachflächen und dem zurückgesetzten Sockel gekonnt in den Stadtraum ein. Das Gebäude wirke durch seine öffentlichen Nutzungen im offenen Erdgeschoss besonders einladend. Kritisch wird dagegen die Vorhangfassade mit weißen Streckmetallpaneelen bewertet, die teilweise Tageslicht und Ausblick nehmen. Der 3. Preis zeigt ebenfalls einen scharf geschnittenen trapezförmigen Baukörper. Deutlich abzulesen sind die Geschossebenen für den WDR im oberen Bereich. Ein „Bikinigeschoss“ vermittelt als öffentliche Fuge zwischen Stadt und Studio.
 
Das Preisgericht empfiehlt auf Grundlage des 1. Preises weiter zu planen und wünscht, dass im nachfolgenden Verhandlungsverfahren mit allen Preisträgern auf ihre Kritikpunkte eingegangen wird. Bis zum Sommer will die Stadt entscheiden, welcher der prämierten Entwürfe umgesetzt wird. In vier Jahren könnte das Gebäude mit WDR-Studio fertig sein. Nach einem halben Jahrhundert würde der WDR wieder ins Zentrum der Stadt zurückkehren. Dorthin, wo seine Geschichte ihren Anfang nahm. Denn im nahen Stadthafen wurde er 1924 als Westdeutsche Funkstunde AG gegründet, bevor er 1927 nach Köln zog.


Zum Thema:

Virtuelle Ausstellung der Wettbewerbsbeiträge unter: www.post-welters.de


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1. Preis: UWA Ulli Weidemann Architekten

1. Preis: UWA Ulli Weidemann Architekten

2. Preis: dreibund architekten - ballerstedt - helms - koblank

2. Preis: dreibund architekten - ballerstedt - helms - koblank

3. Preis: kleyer.koblitz.letzel.freivogel

3. Preis: kleyer.koblitz.letzel.freivogel

Anerkennung: stm architekten Stößlein Mertenbacher

Anerkennung: stm architekten Stößlein Mertenbacher

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