Am Teutoburger Wald
Wettbewerb für Hotelneubau entschieden
Am Teutoburger Wald
Wettbewerb für Hotelneubau entschieden
Schmale Gassen, schiefe Fachwerkhäuser und eine alte Ritterfestung: Tecklenburg, südöstlich von Osnabrück, ist nicht nur romantisch schön, sondern liegt noch dazu direkt am Teutoburger Wald. Geschichtsträchtiger Boden also, schön präsentiert, was bis heute stete Besucherzahlen sichert. Nur das alte Parkhotel Burggraf passt mit seiner schnörkellosen Architektur der sechziger Jahre nicht mehr so recht ins Bild. Seit über zehn Jahren steht es leer, mit entsprechenden Folgen für die Baustruktur. Ein Neubau soll darum her, über dessen Gestaltung kürzlich per Wettbewerb entschieden wurde. Das Ergebnis:
- 1. Preis: Blocher Blocher Partners, Stuttgart
- 2. Preis: pp – pesch partner architekten stadtplaner, Dortmund
- 3. Preis: behet bondzio lin architekten, Münster
- Anerkennung: Staab Architekten, Berlin
Der Entwurf von Blocher Blocher Partners sieht einen filigranen, zweigeschossigen Riegel mit Holzfassade vor, der über einem gläsernen Erdgeschoss schwebt. Der untere Teil des Hotels wird über Terrassen, Natursteinmauern und hölzerne Fassadenelemente in die Umgebung integriert, während auf dem Dach ein gläserner Aufbau die Penthouse-Suiten mit Weitblick versorgt. Der öffentliche Teil des Hotels ist als eine Art Boulevard organisiert, von dem aus sich auf der gesamten Breite des Gebäudes Ausblicke auf die Landschaft eröffnen.
Im Vergleich mit den anderen Wettbewerbsbeiträgen fällt auf, dass sich die Jury unter Vorsitz von Volker Droste für einen fast schon klassisch modernen Entwurf entschieden hat. Anstatt sich an kompliziert verspringenden Baukörpern zu versuchen, überzeugen Blocher Blocher mit simpler Eleganz. Diese Zurückhaltung zahlt sich auch mit Blick auf die historische Umgebung aus, in der das neue Gebäude zwar ausreichend Selbstbewusstsein zeigt, es aber deutlich weniger präsent ist als das jetzige Hotel. Manchmal ist weniger eben doch noch mehr. (sb)
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Wenn ich Sie recht verstehe, kritisieren Sie an den Gewinnerentwürfen, die schnörkellose Formensprache, die ähnlich der Architektur der 60er , wie Sie meinen, "uncharmant" daherkommt. Für Sie passen die Entwürfe nicht ins Bild von Tecklenburg. Sie ahnen bereits, dass dem Bau ein frühes Ende droht. Und Sie drücken dies mit einem Frust aus, den man nur nachvollziehen kann, sollte er von gekränktem Stolz herrühren.
Architktonisch sind gerade die 4 gezeigten Gewinnerbeiträge eben nicht alle Schuhkartons. Ich empfinde sie sogar als überraschend vielfältig. Ja, sie spiegeln die Entwurfskultur unserer Zeit wieder. Was ich persönlich als überaus legitim empfinde. Die Visualisierungen zeigen alle, besonders der Siegerentwurf, einen harmonisch und gelungen Entwurf. Ich kann keinen groben Verstoß gegen die ästhetischen Regeln der Architektur erkennen.
Übrigens gab es FDGB-Erholungsheime in vielen Formen, auch mit Sattel- oder Walmdach. z.B. auf Hiddensee oder im Erzgebirge. Der Vergleich hinkt etwas.
Die Ergebnisse sind in ihrer geistigen Gleichschaltung unglaublich traurig. Diese verkünstelten Kisten gehen in Timmendorfer Strand genauso wie in Stuttgart oder Tecklenburg. Eine vergebene Chance tröstlich nur, dass sie wohl in 20 Jahren wiederkommt, wenn hier die Abrissbirne wieder schwingt.