Die Walliser Gemeinde Brig-Glis erhält den Wakkerpreis 2026. Das hat der Schweizer Heimatschutz heute Vormittag bekanntgegeben. Ausgezeichnet wird sie für die „kulturelle und sozial bereichernde Nutzung ihres baukulturellen Erbes“. Genauer heißt es dazu: „Durch die sinnvolle Nutzung historischer Bauten, die Integration zeitgenössischer Architektur und die Anpassung der Stadträume an das veränderte Klima positioniert sich die alpine Stadt als resilienter und innovativer Lebensraum.“
Brig-Glis liegt im oberen, deutschsprachigen Teil des Kantons Wallis am Fuß des Simplonpasses. Seit dem Mittelalter ist der Ort ein bedeutender Handels- und Verkehrsknotenpunkt. Prägend in der frühen Neuzeit war der Unternehmer und Politiker Kaspar Stockalper, der mit dem Stockalperpalast (1649–66) ein imposantes, burgartiges Ensemble hinterließ. Mit dem Ausbau der Bahn- und Tunnelinfrastruktur an Lötschberg und Simplon entwickelte sich die Stadt im 19. und 20. Jahrhundert zu einem zentralen Bahnknoten und einer wichtigen Zollstation.
Laut Heimatschutz liegt eine zentrale Leistung der Kommune in der Weiterentwicklung historischer Gebäude für aktuelle gesellschaftliche Aufgaben. Ehemals religiöse Bauten werden seit einigen Jahren für Bildung, soziale Integration und Unterbringung neu genutzt, beispielsweise das Marienheim, das heute als Unterkunft für Geflüchtete dient und damit eine „Weiterführung der Willkommenskultur“ des katholischen Frauenordens der Ursulinen darstelle. Ähnlich gelagerte Projekte sind das Schlösschen Mattini, das Gemeinschaftshaus St. Ursula sowie der sogenannte Bildungshügel auf dem Areal des Kollegiums Spiritus Sanctus.
Neben gesellschaftlichen Aspekten spielen Natur und Klima für die Planungspolitik in Brig-Glis eine wichtige Rolle. Folgen des Klimawandels wie Erdrutsche, Waldbrände, Lawinen und Hitze sind in den Alpen besonders ausgeprägt zu spüren und werden von der Gemeinde aktiv adressiert. Insbesondere erlebte der Ort 1993 eine verheerende Überschwemmung des Flusses Saltina. Der Wiederaufbau der technischen Schutzmaßnahmen seither ging mit der Aufwertung des öffentlichen Raums, insbesondere der Altstadt einher. Alleen, Biodiversitätsflächen und ein systematisches Bauminventar verbessern heute Klimaresilienz und Lebensqualität.
Der Wakkerpreis wird seit 1972 jährlich an eine Schweizer Gemeinde oder in Ausnahmefällen an eine Organisation vergeben. Erstmals ermöglicht wurde er durch ein Vermächtnis des Genfer Geschäftsmannes Henri-Louis Wakker. Ausgezeichnet werden Gemeinden, die bezüglich Ortsbild- und Siedlungsentwicklung vorbildlich agieren. Im letzten Jahr ging der Preis an die Gemeinde Poschiavo im Kanton Graubünden, im Jahr davor an den kommunalen Verbund Verein Birsstadt in der Agglomeration von Basel, 2023 an die Kleinstadt Lichtensteig in St. Gallen. (gh)
Fotos: Gaëtan Bally
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