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06.10.2021

Eine Idee, ein Bild, ein Deal?

Vorschlag für Opernneubau in Düsseldorf von Snøhetta


Das Düsseldorfer Opernhaus ist sanierungsbedürftig. Während die Stadt in ihrer Machbarkeitsstudie im Frühjahr einen Neubau favorisierte, verweisen Kritiker*innen auf den Denkmalschutz des Gebäudes. Ein neuer Entwurf sorgt nun erneut für Diskussionsstoff.

Von Sophie Jung

'Warum nicht einfach mal die Bilder kursieren lassen, vielleicht dreht sich die Debatte ja zu unseren Gunsten?' So oder so ähnlich könnte Uwe Reppegather, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Centrum Gruppe gedacht haben, als sein Unternehmen kürzlich einen Entwurf für den Neubau des Opernhauses in Düsseldorf veröffentlichte. Der Projektentwickler für Einzelhandelsimmobilien, der sich mit Objekten in Berlin, Hamburg und Düsseldorf selbst als „Markführer mit 1A-Lagen“ bewirbt, hatte zuvor niemand geringeren als Snøhetta (Oslo) mit dem Entwurf für einen potenziellen Neubau beauftragt. Und Snøhetta haben etwas geliefert, das sich einprägt: eine scharfkantige Gebäudefigur mit flirrender Glasfassade, aus deren quadratischem Sockelbau zwei Türme wie Keile hoch über die Silhouette von Düsseldorf hinausragen.

Mit dem Entwurf trägt die Centrum Gruppe aus eigener Initiative zu der anhaltenden Debatte um das bestehende Opernhaus bei, wird doch am Rhein bereits seit einiger Zeit sowohl über eine Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Bestands aus der Nachkriegszeit als auch über einen Neubau an unterschiedlichen Standorten diskutiert. Ortsansässige Büros wie Meyer Architekten/Projektschmiede oder RKW Architektur + hatten bereits im Frühjahr Ideen für mögliche Neubauten veröffentlicht. Damals kam auch eine Machbarkeitsstudie der Stadt Düsseldorf zum Schluss, dass ein Neubau zwar die teuerste, aber auch risikoärmere Lösung wäre. Hier hakt nun die Centrum Gruppe ein und schlägt vor, das bestehende Haus, das nach Plänen von Paul Bonatz, Julius Schulte-Frohlinde und Ernst Huhn errichtet wurde, gänzlich abzureißen und durch einen ikonischen Neubau zu ersetzen, so als gäbe es weder Denkmal- noch Klimaschutz.

Dabei geben Snøhetta ihrem Entwurf zumindest einen grünen Anschein: Das Sockelgebäude, in dem das Opernhaus untergebracht werden soll, ist holzvertäfelt und in Form eines Baumstammes gestaltet. Darüber stellen sich die Architekt*innen eine viergeschossige Plattform vor, deren Dach eine 6.000 Quadratmeter große öffentliche Grünfläche als Weiterführung des umgebenden Hofgartens fasst. Mit einem Haken: Um einen Bau dieser Ausmaße auch ausführen zu können, müsste der historische Hofgarten um eine Fläche von rund 2.800 Quadratmetern reduziert werden.

Als „Oper für Alle“ bezeichnet die Centrum Gruppe ihr Projekt. Das aber scheint vielmehr ein Euphemismus für Mixed-Use zu sein, sieht der Entwurf doch neben dem Opernhaus auch Flächen für Restaurants und Cafés vor, in den Türmen könnten zudem Hotels, Büros und Wohnungen untergebracht werden. Mit anderen Worten: die „Oper für Alle“ ist eine Gewerbe- und Wohnimmobilie in 1A-Lage. Um über dieses Objekt verfügen zu können, schlägt das Unternehmen von Uwe Reppegather nun einen Deal vor: Wenn einmal das Baurecht und das genaue Bauprogramm des Opernbauteils feststehen, würde die Centrum Gruppe das ganze Gebäude zum Festpreis errichten. Die kommerziellen Nutzungen parallel zum Opernbetrieb hätten für die Stadt auch den Vorteil, Kosten und Risiken zu senken. Der Vorschlag erinnert ein wenig an das Geschacher um die höchsten Renditechancen bei Firmenübernahmen, bringt andererseits aber wieder Schwung in die Debatte um das sanierungsbedürftige Opernhaus. Ob sich die Stadt wohl bei einem so wichtigen Kulturbau und öffentlichen Ort auf dies Investorengeschäft einlässt?

Visualisierungen: Boomtown, MIR, plomp,
© Snøhetta/Centrum


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