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19.02.2020

Fotogener Fremdkörper am Berliner Hauptbahnhof

Volldigitalisiertes Bürohaus von 3XN


Gestern eröffnete das Bürohaus cube berlin auf dem südlichen Vorplatz des Hauptbahnhofs. Der aufregend spiegelnde Würfel des Kopenhagener Büros 3XN soll ein smartes und volldigitalisiertes Gebäude sein. Zwei große Ziele verfolgt der Immobilienentwickler CA Immo mit seinem Pilotprojekt: Energieersparnis und interessante digitale Serviceangebote für die Mieter. Die Besichtigung eines Hauses mit 6.000 Sensoren.

Von Gregor Harbusch

Eines steht fest: So viel fotogen zerklüftete Glasfassade wie beim cube berlin von 3XN (Kopenhagen) hat Berlin schon lange nicht mehr gesehen. Und in der Tat freuten sich die Verantwortlichen auf der gestrigen Pressekonferenz sehr, dass Bilder des Hauses bereits kräftig in den sozialen Medien zirkulieren. Doch sofort wurde ergänzt, dass es sich bei der Hülle nicht um eine formale Spielerei handelt. Die gekippten, speziell beschichteten Glasflächen sind die äußere Hülle einer doppelschaligen Fassade, die ein Aufheizen der Innenräume verhindert. Zusammen mit den individuell zu öffnenden Fenstern soll das für ein angenehmes Raumklima auf den zehn Büroetagen sorgen.

Dass die Nutzer*innen natürlich lüften können, sieht man dem kaleidoskopisch spiegelnden Kubus nicht unbedingt an. Dass es sich um kein alltägliches Bürohaus handelt, ist hingegen schnell offensichtlich. Von einem „smarten“ und „volldigitalisierten“ Gebäude sprechen die Verantwortlichen, mit dem man neue Wege gehen möchte. Externe Daten in Kombination mit über 6.000 Sensoren im gesamten Haus sollen es dem Gebäude ermöglichen, aus dem Nutzerverhalten zu lernen und eine ganze Reihe haustechnischer Prozesse zu optimieren.

So kann beispielsweise gezielt beheizt, belüftet und beleuchtet werden, die Mieter*innen können wenig genutzte Raumbereiche identifizieren, das gesamte Zugangssystem funktioniert schlüsselfrei – und wer will, kann seinen Standort im Haus öffentlich machen. Hinzu kommen diverse digitale Angebote, die man den Mieter*innen bietet. Das Ganze fließt im zentralen Server des Hauses zusammen und wird durch die Nutzer*innen über eine eigens entwickelte App auf dem eigenen Smartphone kontrolliert.

Das Bau würde freilich auch ohne all diese Technik funktionieren, wurde auf der Pressekonferenz betont – und in diesem Zusammenhang sind auch die konkreten Zahlen interessant. Von den rund 100 Millionen Euro, die das Haus gekostet hat, wurden drei Prozent in die Digitalisierung gesteckt, davon circa ein Drittel in die Hardware und zwei Drittel in die Software. Es geht also weniger um teure Technik, die hier verbaut wurde, sondern um eine robuste Software, die man permanent weiterentwickeln wird und die durch ihre offenen Schnittstellen auch in Jahrzehnten noch laufen soll. Im Gegensatz dazu sind die funkenden Sensoren, die dem zentralen „brain“ des Hauses die nötigen Informationen liefern, nebensächlich, betonten die Fachleute gestern. Und noch etwas war ihnen wichtig: Die Datenschutzgrundverordnung DSGVO setzt den Aufzeichnungs- und Analysesystemen strenge Schranken.

Für die Bauherrin CA Immo ist cube berlin erklärtermaßen ein Pilotprojekt. Zweierlei erhofft man sich davon: Erstens soll die intelligente und lernende Haustechnik die Betriebskosten perspektivisch stark senken. Zweitens möchte man mit den digitalen Services den künftig mietenden Unternehmen interessante Möglichkeiten bieten, ihre Flächen effizienter zu nutzen und die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter*innen zu erhöhen. Der repräsentative Standort im Herzen der Hauptstadt bietet sich hier besonders an. Das Geschäft mit Büroflächen läuft momentan bestens, das Haus war – natürlich – schon vor der Fertigstellung komplett vermietet. Wann, wenn nicht jetzt, wäre der Zeitpunkt etwas Neues auszuprobieren, gibt Matthias Schmidt, Geschäftsführer von CA Immo Deutschland, zu bedenken und ergänzt ganz offen: Ob der smarte Superwürfel wirklich hält was er verspricht, wird erst die Zukunft zeigen.


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Inmitten strenger Rasterfassaden setzt das Bürohaus „cube berlin“ von 3XN am Berliner Hauptbahnhof einen starken Akzent.

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Bereits 2007 gewannen 3XN den Wettbewerb für das Haus. Dann kam die Finanzkrise und das Projekt blieb lange liegen. 2015 nahm die Bauherrin das Projekt neu in Angriff.

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Der 11-Geschosser bietet 17.000 Quadratmeter Mietfläche bei 19.500 Quadratmetern BGF. Im Erdgeschoss wird es Gastronomie geben, die Dachterrasse ist den Nutzern des Hauses vorbehalten.

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Der Blick bleibt an der aufregenden Oberfläche haften: Architekten und Bauherr veröffentlichen leider weder Innenaufnahmen noch Planmaterial.

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