Baustein mit klaren Linien
Unigebäude von BLK2 in Frankfurt am Main
Seit Anfang der 2000er Jahre wird auf dem ehemaligen Gelände der IG Farben der Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität entwickelt. Im letzten Jahr konnte ein weiterer Baustein fertiggestellt werden. Der Entwurf für den Neubau der Sprach- und Kulturwissenschaften (SKW) stammt vom Hamburger Büro BLK2 Böge Lindner K2 Architekten.
Der Neubau mit klar strukturierter Fassade aus unterschiedlich nuancierten Natursteinplatten bildet den nördlichen Abschluss des von Ferdinand Heide entwickelten Masterplans für den Universitätscampus. Der Frankfurter Architekt konnte 2015 mit einem Seminarhaus bereits selbst ein Gebäude für das Areal fertigstellen.
Prägend für den Universitätscampus ist auch heute noch das von Hans Poelzig entworfene IG Farben-Gebäude, das ehemals die zentrale Verwaltung des Konzerns aufnahm. Der oft auch als „Palast des Geldes“ bezeichnete, 1931 errichtete Bau gilt nicht nur in gestalterischer Hinsicht als Zeugnis seiner Zeit. Der einschüchternde, wuchtige Komplex weckt auch Erinnerungen an die NS-Vergangenheit des IG-Farben-Konzerns. Den dunklen Assoziationen zum Trotz knüpften alle Preisträger des 2015 ausgelobten Wettbewerbs für den SKW-Neubau an die Formsprache des Poelzig-Baus an. Der nun realisierte Siegerentwurf von BLK2 verkörpert ebenfalls dieses Prinzip der Fortschreibung des historischen Baus, der als Paradebeispiel des industriellen Rationalismus gilt.
Das Ensemble von BLK2 besteht aus drei Volumen, die über einen zweigeschossigen Sockelbau miteinander verbunden sind. Zwei der Baukörper verfügen über einen Innenhof. Auf einer Nutzfläche von rund 20.000 Quadratmetern brachten die Architekt*innen ein vielfältiges Raumprogramm unter. Neben den eher kleineren Fachbereichen der Sprachwissenschaften – darunter Afrikanistik, Islamwissenschaften, Japanologie, Judaistik, Sinologie und Koreastudien – finden sich in dem Neubau eine Mensa, eine dreigeschossige Bibliothek sowie der Bereich Kunstpädagogik mit Ateliers und Werkstätten. Hinzu kommen unter anderem Räume für die Musikwissenschaften sowie für das Immobilienmanagement mit Werkstätten und Büros.
Der mit Bäumen bepflanzte Eingangsplatz wird von Mensa und Foyer flankiert. Hier liegt auch der Zugang zur Bibliothek, zum Infocenter des Student*innenwerks, zu den Schließfächern und dem zentralen Hörsaal. Laut Architekt*innen soll die unabhängige Erschließung von Mensa und Bibliothek zur Belebung auf dem Campus in den frühen Morgen- und späten Abendstunden beitragen. Auf Erdgeschossebene befindet sich als zentrales und zugleich verbindendes Element der zweigeschossige ellipsenförmige Hörsaal für 700 Personen.
Während sich der Bau in Form und Materialität von außen recht zurückhaltend zeigt, arbeiteten BLK2 im Inneren mit ausdrucksstarken Farben. Im Foyer werden einzelne Wand- und Deckenflächen durch kräftiges Gelb oder dunkles Rot hervorgehoben. Die Bereiche der Bibliothek, die sich um einen zentralen Luftraum mit Treppe orientieren, wurden mit Orangetönen versehen, das Treppenhaus erhielt einen kräftigen, dunklen Grünton. (dsm)
Fotos: Oliver Rieger
Mehr zur Akustik in Hörsälen bei Baunetz Wissen
Was ich allerdings bei den Grundrissen nicht verstehe, ist, dass die immer noch auf dem Stand 1960 (oder älter) sind. Einraumbüros, uninspirierte Bibliothek völlig überdimensionierter Hörsaal .. wo sind die offenen fließenden sozialen Lern und interaktionsräume, digital aktivierten Gruppenarbeitsräume?
Das Ding hat einen der staubigsten Grundrisse, den man sich vorstellen kann. Und dann dieser riesige Hörsaal? Raum- und Geldverschwendung, getrieben von Repräsentationssehnsucht. Es ist längst erwiesen, dass Vorlesungen ineffizient sind, und viele Universitäten arbeiten alle längst mit flipped classroom Ansätzen.
Geht mal ins Ausland und lasst Euch inspirieren. Vergesst Stile und so: Universitäten sind Grundrissmaschinen!
Kann man den Architekten jetzt wahrscheinlich nicht anlasten. Die bekommen ein Raumprogramm und fertig. Aber vielleicht ist dann das strengere Äußere doch eine Reflektion des verstaubten Lern-und Lehrverständnisses, dass diese Grundrisse an allen Ecken und Enden verströmen.
Ist wahrscheinlich zu viel verlangt, den Architekten hier einen selbstironischen Kommentar zu unterstellen.
Da muss ich Arcseyler vollkommen recht geben, dem Pölzig Bau wäre mit einem kontrastierenden leichteren Bauwerk besser gedient. Die ohne jede Not dem Blockrand, der hier gar nicht existiert, entliehenen engen Innenhöfe sind für mich auch nicht nachvollziehbar. Klare Linie sieht anders aus.
Städtebau kann auch Fluch sein. Wenn die Anpassung siegt. Dann erstickt alles an sich selbst.
Der Pölzigbau will um sich offene Moderne. Differenz