Weiße Haube in Valencia
Umbau von Iterare arquitectos
In Valencia hat ein Wohnhaus aus dem Jahr 1921 eine neue, weiße Haube erhalten. Die Casa Nido steht auf einem Eckgrundstück im dichten Gefüge des Stadtteils Torrefiel im Norden der Stadt. Dass das Gebäude erhalten blieb, ist den Bauherrinnen und dem ortsansässigen Büro Itarare Arquitectos zu verdanken.
Torrefiel ist geprägt von Blockrandbebauung. Zwischen den meist aus den letzten drei Jahrzehnten stammenden Bauten finden sich jedoch nur wenige historische Strukturen. Grün- und öffentliche Freiräume sind rar, viele Gebäude sanierungsbedürftig.
Das ursprüngliche Gebäude entstand in einer Zeit, in der Kleinbesitzer, Handwerker und Landwirte Wohnhäuser mit einfachen Grundrissen errichteten, deren Fassaden jedoch oft mit Ornamenten des valencianischen Modernismus versehen waren. Davon zeugte bei der Casa Nido allerdings nur wenig, denn während der späteren Nutzung als Casal fallero – einem Vereinshaus für die Feierlichkeiten rund um das valencianische Frühlingsfest Fallas – wurden Fensteröffnungen verändert und Gitter sowie weitere dekorative Elemente entfernt. Lediglich der Giebel mit seinen floralen Motiven blieb erhalten.
Umso bemerkenswerter ist die Entscheidung, die fragmentierte Hülle aus massivem Ziegel und Kalkmörtel zu erhalten, zumal die Bauvorschriften einen Abriss und Neubau erlaubt hätten. Das habe Planung und Konstruktion zwar komplexer und langwieriger gemacht – Covid bremste das Projekt zusätzlich –, doch gerade aus dieser Ausgangslage habe sich der Entwurf entwickelt, so Itarare arquitectos.
Die Hülle ließen Itarare in ihren wesentlichen Zügen stehen, restaurierten sie und schlossen nachträglich veränderte Öffnungen mit Kalkmörtel. Darauf setzte das Büro ein weißes Volumen, das das Haus um ein Geschoss erweitert. Alt und Neu bleiben dabei klar ablesbar. Gerade die klare Linie zwischen historischem Giebel und neuer, weißer Haube trägt nun zum besonderen Charakter des Hauses bei.
Im Inneren organisierten die Architekt*innen das Haus völlig neu. Zentrales Element ist ein Hof, der rund ein Drittel des Grundstücks einnimmt. Ein fast sieben Meter hohes Fenster öffnet den Wohn- und Essbereich zu diesem Außenraum. Hinter der Küchenzeile liegen Schlaf- und Badezimmer. Ein Treppenkern aus Kalkstein, der ebenso wie Wände, Decken und Einbauten vollständig in Weiß gehalten ist, führt ins Obergeschoss. Die dortige Mezzanin dient als Wohn- und Arbeitszimmer. Ein Oberlicht bringt zusätzlich Tageslicht ins Innere. (dsm)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- Iterare arquitectos
- Bauherrschaft:
- privat
- Fläche:
- 110 m² (ohne Hof)
- Baukosten:
- 250.000 €



