Holz statt Backstein
Umbau von Herzog & de Meuron am Amherst College
Das Amherst College gibt es schon seit 1821. Nach eigenen Angaben zeichnet es sich vor allem durch seine überschaubare Größe aus – rund 1.900 Studierende insgesamt, kaum ein Kurs mit mehr als 30 Teilnehmenden. Zugleich umfasst es ein breites und interdisziplinäres Studienangebot der Liberal Arts. Der Austausch zwischen den Fachbereichen liegt dem College also besonders am Herzen.
Umso misslicher war der Umstand, dass die Mensen auf mehrere Gebäude verteilt und trotzdem insgesamt zu klein waren. Daher schrieb man einen international besetzten Einladungswettbewerb aus, den Herzog & de Meuron (Basel) gewannen. Als Kontaktarchitekt*innen waren in der Konzeptphase Beyer Blinder Belle Architects (New York City) beteiligt, danach vor Ort Sasaki Associates (Massachusetts).
Ursprünglich sollte für den Neubau das bestehende Merrill Science Center von 1968 abgerissen werden. Der kantige Backsteinbau – ein Entwurf von Campbell, Aldrich & Nulty – blockierte an einem kleinen Hang einen zentralen Knotenpunkt auf dem Campus. Er befindet sich zwischen den historischen Altbauten aus dem 19. Jahrhundert oben auf dem Hügel und einer tiefer gelegenen Grünanlage namens „Greenway“, die das College als kürzlich neu gestalteter Boulevard verbindet.
Herzog & de Meuron schlugen jedoch vor, den Bestandsbau nicht wie geplant vollständig abzureißen, sondern dessen Fundamente und die Stahlbetonstruktur bis ins erste Obergeschoss für einen Umbau zu nutzen. Das habe insbesondere in der Hanglage einigen Aufwand gespart. Das Betongerüst war stark genug, um zwei Geschosse in Massivholzbauweise aufzusetzen. Die Schnittstelle zwischen Holz und Beton markieren nun kräftige Holzblöcke auf den Stützenköpfen, die wie Kapitelle wirken. Das verwendete Holz stammt von Schwarzfichten aus Kanada. Laut den Architekt*innen liegt die CO2-Bilanz des Projekts etwa 30 Prozent unter der eines vergleichbaren Neubaus aus Stahlbeton.
Vom zumindest hangaufwärts eher geschlossenen Bestandsbau ist auf den Fotos kaum etwas zu erkennen. Das umgebaute Haus soll der zentrale Treffpunkt auf dem Campus werden. Die Studierenden betreten es im Erdgeschoss direkt vom Greenway aus – oder im zweiten Obergeschoss, vom historischen Campus kommend. Eine große Treppe durchläuft die Innenräume und verbindet die beiden Ebenen miteinander. Die umlaufenden Terrassen und die weit vorspringenden Dächer verleihen dem Gebäude trotz seiner Größe etwas Pavillon- beinahe Pagodenhaftes. In jedem Fall öffnen sie das Haus großzügig nach außen.
Jede Ebene ist dabei anders. Im Erdgeschoss liegen der Alumni-Pub, der studentische Radiosender, Musikprobe- sowie Veranstaltungsräume. Im ersten Obergeschoss findet sich die neue Mensa mit weitläufigen Bereichen für bis zu 900 Studierende. Die für den Betrieb nötige Großküche wurde weitgehend in die rückwärtige, im Hang liegende Zone des Stockwerks geschoben, wo sie unter dem neuen Eingangsplatz unterkommt. Dazu gibt es entsprechende Sitzgelegenheiten und einen flexiblen Mehrzweckraum für größere Veranstaltungen.
In der Etage darüber befinden sich viele kleinere Nutzungen wie ein Café, ein Wintergarten, Besprechungs- und Arbeitsräume sowie die Büros der Mitarbeitenden. Im obersten Geschoss platzierten die Architekt*innen schließlich Räume für Kreativität, einen kleinen Theater- oder Kinosaal, Lounges, einen interreligiösen Andachts- und einen muslimischen Gebetsraum. Das Haus wurde „Ford Student Center“ getauft – nach einem der Hauptspender des Projekts, William Ford, Amherst-Alumnus aus dem 1983er-Jahrgang. Er spendete 50 Millionen US-Dollar. Die gesamten Baukosten wurden nicht veröffentlicht. (fh)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- Herzog & de Meuron
- Kontaktarchitekt:
- Sasaki Associates
- Kontaktarchitekt, Concept Phase:
- Beyer Blinder Belle Architects & Planners LLP
- Statik:
- TYLin
- Bauingenieur:
- Nitsch Engineering
- TGA:
- Buro Happold (Concept Phase), BR+A Consulting Engineers
- Landschaftsarchitektur:
- Stimson Studio
- Bauherrschaft:
- Amherst College
- Fläche:
- 13.398 m² Gross Floor Area