Lernen im alten Spital
Umbau in Wien von Franz & Sue
Am Ende einer schmalen Straße in Wien-Gersthof steht ein imposanter historischer Bau mit rot gestrichenem Erdgeschoss. Die Architektur changiere zwischen „Spätsecession, Art Déco und Expressionismus“, schrieb der Architekt und Autor Friedrich Achleitner in einem Band seiner Publikation „Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert“. Zuletzt wurde die leicht erhöht stehende Anlage als orthopädisches Krankenhaus genutzt. Die medizinische Funktion ist jedoch seit 2019 Geschichte und zwischenzeitlich sah es so aus, als könnten Luxuswohnungen folgen. Stattdessen haben nun Franz&Sue (Wien) den Bestand im Auftrag der Bundesimmobiliengesellschaft in einen Schulcampus verwandelt.
Der denkmalgeschützte Krankenhausbau stammt von Alfred Mautner und Johann Rothmüller. Errichtet wurde er in den 1920er Jahren als Entbindungsanstalt. Heute dient er als Gymnasium, und zwar zunächst als Ausweichquartier für eine Schule, die derzeit modernisiert wird. Später folgt eine Verwendung als regulärer neuer Schulstandort. Platz ist für 23 Stammklassen, alle ergänzenden Fachräume und weitere Einrichtungen wie Speisesaal und Bibliothek. In räumlicher Hinsicht am einschneidendsten war dabei die Entscheidung der Architekt*innen, das Gelände zum Garten hin abzusenken. Dadurch ließ sich der ehemalige Keller in ein Gartengeschoss verwandeln. Mit diesem Konzept konnten sich Franz&Sue 2021 in einem offenen Verhandlungsverfahren durchsetzen. Die Außenraumgestaltung stammt von idealice Landschaftsarchitektur (Wien).
Vor dem Hintergrund heutiger pädagogische Konzepte erforderte die Grundrissorganisation ein gewisses Maß an Improvisation. Die vergleichsweise schmalen Trakte mit Mittelgangerschließung ließen beispielsweise nur langgezogene Klassenzimmer zu. Diese wurden zoniert, um Platz für individuelles Lernen, Gruppenarbeiten und eine Garderobe zu schaffen. Weitere Pausen- und Lernzonen entstanden in den Mittelgängen, die zusätzlich mit tiefen Sitzfenstern zu den Klassenzimmern geöffnet wurden. Insbesondere die Bodenflächen und alle repräsentativen öffentlichen Räume zeigen dabei immer noch die historischen Stein- und Keramikbeläge.
Jenseits des Hauptbaus erfolgten weitere Maßnahmen. So wurde die einstige Verwaltungsvilla zum naturwissenschaftlichen Department umfunktioniert und am Rand des Areals entstand ein größtenteils unterirdischer Sporthallenkomplex. Letzterer zeigt sich zunächst in Form zweier distinkter Volumen mit dunklen Holzfassaden. Erst im Schnitt lässt sich erkennen, dass beide Bauteile verbunden sind. Zwischen die teils 100 Jahre alten Rotbuchen fügen sie sich gut ein. (sb)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur des Bestands:
- Alfred Mautner und Johann Rothmüller
- Umbau und Umnutzung:
- Franz&Sue
- Landschaftsplanung:
- idealice Landschaftsarchitektur
- Weitere Planungsbeteiligte:
- Petz (Statik), Bauklimatik (Bauphysik), Bauklimatik (HKLS), Hross+Partner (EL), Hoyer Brandschutz (Brandschutzplanung), Schattovits (Kulturtechnik), Raumkunst (Turnhallenplanung)
- Bauherrschaft:
- BIG Bundesimmobiliengesellschaft
- Fläche:
- 9.295 m²




