Mehr Haus für vier
Umbau im Odenwald von ephem Architekten
Das Einfamilienhaus mit Garten gehört vielerorts noch immer zum Idealbild vom Wohnen auf dem Land. Nicht selten werden diese Häuser irgendwann nur noch von ein oder zwei Personen bewohnt. Wie sich solche Bestandsgebäude sinnvoll transformieren lassen, zeigt ein Projekt in Heiligkreuzsteinach im südlichen Odenwald. Dort hat das junge Berliner Büro ephem Architekten ein Einfamilienhaus aus den 1950er Jahren in ein Mehrparteienhaus umgebaut: Aus einer Wohneinheit wurden vier.
Heiligkreuzsteinach liegt rund 20 Kilometer nordöstlich von Heidelberg im Steinachtal. Die kleine Gemeinde mit rund 2.600 Einwohner*innen besteht aus sieben Ortsteilen und hat sich von einem ehemals landwirtschaftlich geprägten Dorf zu einer Wohngemeinde am Rand der Metropolregion Rhein-Neckar entwickelt. Das Haus von 1956 steht an der Ortseinfahrt auf einem relativ steil ansteigenden Grundstück. Mit seinem Satteldach, der weiß verputzten Fassade, vorgelagerten Balkonen und einer kleinen Gewerbeeinheit samt Garage im Sockelgeschoss zeigte sich der Bestandsbau als recht gewöhnlicher Vertreter seiner Bauzeit.
Die Vorher-Nachher-Fotos zeigen eindrücklich die Transformation vom 08/15-Haus zum charaktervollen Sonderling. Statt das Gebäude lediglich zu sanieren und im Inneren umzustrukturieren, verpassten ephem ihm eine völlig neue Hülle. Mit der Erweiterung des Dachgeschosses veränderte sich auch die Kubatur, sodass das Haus in der Seitenansicht kaum wiederzuerkennen ist. Aus dem ursprünglichen Satteldach wurde eine großzügige, einseitig stark geneigte Dachfläche, die sich an einen Kubus schmiegt und Platz für die Photovoltaikanlage bietet.
Eine vorgehängte, hinterlüftete Aluminiumfassade, die laut Architekt*innen vollständig rückbau- und recyclingfähig ist, fasst die alten und neuen Gebäudeteile nun zu einer Einheit zusammen. Im Sockelgeschoss wird sie durch eine türkisfarbene Keramikverkleidung ergänzt. Besonders an den Stirnseiten zeigt sich das Haus nun deutlich expressiver. Dazu tragen auch die beiden halbrunden, pavillonartigen Anbauten in Holzbauweise bei, die die Wohnräume im Erdgeschoss zum Garten hin erweitern. Rundfenster und kreisförmige Außenleuchten führen wiederum das Motiv der halbrunden Anbauten fort.
Im Inneren sorgt eine neue, mittig angeordnete Wandscheibe für die Aufteilung in vier eigenständige Wohnungen mit insgesamt 326 Quadratmetern Wohnfläche. Die ehemalige Gewerbeeinheit im Sockelgeschoss wurde zu zwei kleinen Einraumwohnungen umgebaut. Sie können bei Bedarf mit den jeweils darüberliegenden Wohnungen verbunden werden. Die zweigeschossigen Einheiten in Erd- und Obergeschoss erhielten je eine nach Westen ausgerichtete Loggia mit Blick auf die Talaue und den Ort.
Wie ephem schreiben, sei es der Bauherrschaft auch darum gegangen, neue Wohnformen auf dem Land zu ermöglichen, ohne den Flächenverbrauch weiter zu erhöhen. Die entstandenen Mietwohnungen sollen dabei eine attraktive Alternative zum Einfamilienhaus mit Garten bieten. Der weitgehende Erhalt der Bausubstanz sei dabei von Anfang an geplant gewesen. Während der Bauarbeiten hielt das Gebäude jedoch einige Überraschungen bereit: Asbest, ein stillgelegter Öltank und marode Außenwände im Dachgeschoss erforderten einige Anpassungen der Planung.
Wo möglich, wurden Materialien wiederverwendet, darunter Gehwegplatten für die Loggien und ein Großteil der vorhandenen Sanitärkeramik. Die energetische Sanierung mit mineralisch gedämmter Aluminiumfassade, neuen Holz-Aluminium-Fenstern, Wärmepumpe und Photovoltaikanlage bringt das Haus laut Architekt*innen nun auf den Effizienzhausstandard 70 EE. (dsm)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- ephem Architekten
- Team:
- Frederik Fuchs, Matthias Weis, Jaleesa Menschel
- Tragwerksplanung:
- Ingenieurbüro Mario Fantoli
- Bauherrschaft:
- Privat
- Fläche:
- 444 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 1.400.000 €




