Ich wünscht ich wär ein Solitär
Umbau eines Einfamilienhauses in Belgien
Im belgischen Mechelen hat sich eine Familie einen Umbau ihres Einfamilien-Häuschens mit Satteldach gewünscht. Das Büro dmvA-architecten hat sich dieser Aufgabe angenommen und auf die unterschiedlichen Anforderungen des Reihenhauses so reagiert, als stünde es allein auf weiter Flur. Herausgekommen ist dabei ein Haus, das nicht nur eine eigene Sprache spricht, sondern gleich zwei.
Ziel scheint es gewesen zu sein, sich in jedweder Hinsicht vom Nachbarn zu unterscheiden: Schaut man sich die Gartenfront an, schiebt sich inmitten der Reihenhäuser mit Satteldach ein terrassierter streng geometrischer Baukörper, der aus drei übereinandergestapelten Kuben besteht.
Nicht nur in seiner Form setzt sich der neugebaute Teil diametral von der vorhandenen Bebauung ab, sondern auch in seiner Materialität: Große Glasfronten und strahlend weiß verputzte Wände heben sich von dem dunklen Mauerwerk der Nachbarn ab und bestimmen den transparenten und leichten Eindruck. Glasböden sorgen dafür, dass auch der Innenraum leicht und durchlässig wirkt und Tageslicht bis zum innersten Kern vordringt.
Zur Straßenseite hingegen zeigt sich ein völlig anderes Bild, das deswegen aber nicht näher an das Erscheinungsbild der Umgebung herantritt: Die Architekten wählten hier als Fassade einen dünnformatigen schwarzen Klinker, der sich von dem nun hell wirkenden Mauerwerk der Nachbarn abhebt und verschlossen wirkt wie ein Granitbrocken. Hinter den ebenfalls schwarzen Fensterläden, aus denen unterschiedlich große Löcher ausgestanzt wurden, scheint es allerdings regelrecht zu brodeln. Das Ganze wirkt zwar wie ein Bühnenbild, fügt sich aber städtebaulich fast so ein, als wolle man mit den Nachbarn korrespondieren.
Der Kontrast zum Bestand ist bestechend. Das Gesicht der Fassade schaut frech drein. Das Collageartige voreinander stapeln ergreift den Raum.
Die Kollegen habe ihre funktionale Fixierung überwunden und legen einen Neustart hin.
Glückwunsch aus Berlin
Will ich selbstbewußte Architektur? Ja!
Toleriere ich Ignoranz gegenüber dem Kontext: Nein!
Die Glasdecken allerdings find ich äußerst cool. Fragt sich nur, ob das bei einem EFH so reibungslos funktioniert ...
So kriegt man jede scheinbar langweilige Reihenhauszeile komplett kaputt...
Glückwunsch! Gern gesehen auch auf der letzten Seite der Bauwelt...
auf jeden fall kein haus ohne anspruch, aber irgendwie werde ich das gefühl nicht los, dass hier zuviel des guten umgesetzt wurde. der umbau wirkt trotz schöner details und materialität unangemessen und penetrant, angefangen beim baukörper, der den nachbarhäusern erstmal ordentlich sonne wegnimmt. als ginge es darum, den nachbarn mal richtig zu zeigen, was schicke architektur ist. die gartengestaltung setzt diese linie fort: mehr als demonstrative grafische strenge transportiert der gartenentwurf kaum.
nein, das ist nicht gut, das ist protzige, egoistische ellbogen-arroganz.