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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Ufergestaltung_von_Casanova_Hernandez_in_Albanien_7576287.html

31.03.2021

Stufen zum See

Ufergestaltung von Casanova + Hernandez in Albanien


Shiroka liegt weit weg von Ipanema, im Norden Albaniens, an der Grenze zu Montenegro. Und selbst wenn die Fotos der neuen Uferpromenade von Casanova + Hernandez (Rotterdam) eine gewisse Verheißung evozieren: Shiroka befindet sich noch nicht mal am Meer. Dafür gibt es aber immerhin einen großen See namens Shkodra, der dank eines bescheidenen Fischereiwesens den Bewohner*innen von Shiroka jahrhundertelang ein Auskommen sicherte.

Mit dem Ende des Kalten Krieges setzte in Shiroka ein Privatisierungsprozess ein, dem durch illegale Bauaktivitäten auch Teile des öffentlichen Raums zum Opfer fielen. Andere Bereiche entlang des Ufers wurden derweil vernachlässigt, schließlich hatten viele der Bewohner*innen ganz andere Sorgen. Casanova + Hernandez positionieren ihr Projekt in diesem Kontext und verstehen es als wichtigen Schritt zur Wiederaneignung. Die Ipanema-Assoziation ist auch beim Blick auf die Details nicht ganz falsch. Wie bei Burle Marx kommen hier schwarze und weiße Steine zum Einsatz, die zu ornamentalen Mustern verwoben sind. Statt mit sanft geschwungenen Linien arbeiten Casanova + Hernandez jedoch mit Kanten und Stufen.

Den zentralen Platz des Uferabschnitts planen sie als konzeptionellen Hybrid zwischen öffentlichem und privatem Raum. Mit Bänken geben sie „Zimmer“ vor, die – natürlich nur temporär – auch mal von einer einzigen Familie angeeignet werden können. Weitere Räume dienen als Spielplatz oder sind spezifischen Nutzungen vorbehalten. Eine terrassierte Treppenanlage führt schließlich an den Strand.

Das Vorhaben in Shiroka ist Teil eines größeren Entwicklungsprojekts entlang des Seeufers, das von der benachbarten Großstadt Shkodra und dem Albanian Development Fund finanziert wird. Insgesamt geht es um zahlreiche Interventionen – unter anderem ist auch ein Besucherzentrum im See geplant – auf einem Gebiet von 115 Hektar. Das Vorhaben ist für die aktuelle Runde des Mies van der Rohe Awards nominiert. (sb)

Fotos: Ergys Zhabjaku, Jesus Hernandez, Orestia Kapidani


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