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24.05.2017

Facelift einer Ikone

Trellick Tower in London wird saniert


Der Trellick Tower in London – fertiggestellt 1972 und entworfen von dem ungarischen Architekten Ernö Goldfinger – ist in vielerlei Hinsicht eine Ikone: Einst Symbol für den fehlgeleiteten kommunalen Wohnungsbau, berichteten die Medien viel über die schlimmen Zustände im „Tower of Terror“, ehe er ab etwa Mitte der Neunzigerjahre „cool“ wurde und seither von Sofakissen bis Porzellan allerlei hochwertige Alltagsgegenstände ziert.

Das seit 1998 in der hohen Kategorie II* denkmalgeschützte, knapp 100 Meter hohe Gebäude ist – anders als häufig kolportiert – nicht privatisiert, sondern gehört noch immer dem Londoner Bezirk Kensington und Chelsea. Dessen Wohnungsbaubestände werden von einer sogenannten Tenants Management Organisation (TMO) verwaltet, die zwar unabhängig agieren kann, aber in vieler Hinsicht doch von der öffentlichen Verwaltung abhängig ist – nicht zuletzt bei der Finanzierung von Baumaßnahmen und den bürokratisch nicht unproblematischen Vergaberichtlinien der öffentlichen Hand. So verwundert es auch nur auf den ersten Blick, dass von den ersten Planungen für eine umfassende Sanierung bis zur Auftragsvergabe, die dieser Tage stattgefunden hat, über 15 Jahre vergingen.

In der Pressemitteilung ist zu lesen, dass die Firma Wates, die schon in den Siebzigerjahren als Generalunternehmer ausgedehnte Siedlungen in Großtafelbauweise errichtet hat, eine Rahmenvereinbarung mit der TMO getroffen hat, auf deren Basis der Trellick Tower nun bis zum Sommer 2018 für 7,2 Millionen Pfund saniert werden soll. Dabei wird unter anderem der Beton saniert und auch die Fenster sollen ersetzt werden. Gerade Letzteres war für die Bewohner ein Grund, sich jahrelang gegen die Sanierung zur Wehr zu setzten, denn trotz des strengen Denkmalschutzes sollten keine Repliken mit denselben Proportionen wie die Originale eingebaut werden – angeblich sei das technisch nicht machbar –, sondern Fenster mit breiteren Rahmen, die weniger Licht in die Wohnungen lassen. Auch blieb die Frage, ob die gesamten, deckenhohen Fensterelemente wieder als Schiebetüren ausgebildet werden, lange unbeantwortet Die Möglichkeit, die Zimmer durch eine geöffnete Fassade nach außen zu erweitern, schätzen die Bewohner ganz besonders, wie auch andere Details, die durch die Renovierung in Frage gestellt werden, weil sie nicht den gängigen Industrielösungen entsprechen.

Ob die längst überfällige Sanierung also dazu beitragen wird, dass ein wichtiges Baudenkmal in seiner Integrität erhalten bleibt oder, ob angesichts des ambitionierten Zeitplans und der relativ niedrigen Kosten nicht eher eine Reihe von Verschlimmbesserungen und billiger Schnelllösungen zu erwarten ist, steht unter den gegebenen Voraussetzungen in den Sternen. Der Denkmalschutz scheint hier jedenfalls kein Garant dafür zu sein, dass wichtige Details der Planung erhalten bleiben. Im Alltag der Bewohner spielen diese ein deutlich größere Rolle als das ikonische Erscheinungsbild – und waren sicher einer der Gründe dafür, dass der Denkmalschutz von dieser Seite stets vehement unterstützt wurde.

von Maren Harnack


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