Ein Zuhause für Azubis
Temporäres Wohnen in Straubing von hirner & riehl architekten
Die niederbayerische Stadt Straubing mit rund 50.000 Einwohner*innen bietet ein breit gefächertes berufliches Bildungsangebot: Neben einer Fach- und einer Berufsoberschule gibt es dort drei Berufsschulen, fünf Berufsfachschulen, drei Fachschulen sowie eine Fachakademie. Da ein Teil der Auszubildenden nicht aus dem unmittelbaren Einzugsgebiet stammt, besteht Bedarf an temporären Wohnplätzen während der Blockunterrichtsphasen.
Vor diesem Hintergrund lobte der Berufsschulverband Straubing-Bogen ein öffentliches Vergabeverfahren für den Neubau eines Jugendwohnhauses aus, das einen in die Jahre gekommenen Bestandsbau im Süden der Stadt ersetzen sollte. Den Zuschlag erhielt das Münchner Büro hirner & riehl architekten.
Der neu errichtete Holzbau befindet sich auf einem trapezförmigen Grundstück zwischen Bahntrasse und Straße, etwa einen Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Auf dem durch Auto- und Bahnverkehr geprägten Grundstück platzierten die Architekt*innen einen kompakten, L-förmigen Baukörper, der zwei Flügel ausbildet und klar definierte Außenräume mit Begrünung und Sportflächen schafft.
Der Zugang erfolgt über den Parkplatz entlang des Ostflügels. Von dort gelangt aus man zur Rezeption und zum Empfangsbereich, zum Speisesaal sowie zu den gemeinschaftlich genutzten Aufenthaltsräumen, die durch großzügige Verglasungen einen Bezug zu den Außenanlagen herstellen. Ergänzend wurden im Erdgeschoss Sozialräume, eine Großküche, Werkstätten und weitere betriebliche Bereiche untergebracht. In den Obergeschossen befinden sich 92 Zimmer, darunter 30 Einzelzimmer – zwei davon barrierefrei – und 62 Doppelzimmer für insgesamt 154 Gäste. An den Schnittstellen der beiden Flügel sind auf jeder Ebene Gruppenräume mit Teeküchen angeordnet.
Konstruktiv handelt es sich um einen massiven Holzbau mit vorgefertigten Elementen auf einem Stahlbeton-Untergeschoss. Insgesamt wurden rund 1.600 Kubikmeter Holz verbaut. Die Außenwände aus Brettsperrholz sind werkseitig mit Fenstern, Sonnenschutz und Lüftungstechnik ausgestattet, während die Sanitärbereiche als komplett vorgefertigte Raummodule geliefert wurden. Das hinterlüftete Flachdach mit Einblasdämmung trägt eine Photovoltaikanlage zur Eigenstromerzeugung; zusätzlich ist das Gebäude an das bestehende Nahwärmenetz angeschlossen.
Die Fassadengestaltung differiert zwischen den Geschossen. Das Erdgeschoss ist mit karbonisierter Holzschalung verkleidet. In den Obergeschossen bestimmen helle Holzoberflächen das Erscheinungsbild, gegliedert durch Fassadenbänder mit von Holzlamellen überlagerten Fenstern. Die in wechselnden Abständen angeordneten Lamellen erzeugen dabei ein strukturiertes Muster. Ein auskragendes Blechdach bildet den oberen Fassadenabschluss und schützt das Holz.
Im Innenraum bleibt Holz als prägendes Material für Wände, Decken und teilweise Böden sichtbar. In den Erdgeschossbereichen, im Treppenhaus und vor den Aufzügen wurden Werksteinplatten verlegt. Die Sanitärräume sind gefliest, während in Gruppen-, Verwaltungs- und Individualräumen Industrie-Stäbchenparkett zum Einsatz kam. (iok)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur & Brandschutz:
- hirner & riehl architekten stadtplaner bda
- Team:
- Matthias Marschner, Giulia Buzzoni, Babora Dvorakova, Jakob Aumüller, Sabine Pfaller, Petra Neumann, Nico Lewin, Oliver Plamper
- Landschaftsarchitektur:
- mks Architekten-Ingenieure
- Technische Umsetzung:
- ISP Scholz - Beratende Ingenieure, SBI schicho ingeniere, Ingenieurbüro Seidel, Haydn Ingenieure
- Bauherrschaft:
- Berufsschulverband Straubing Bogen
- Fläche:
- 4.941 m² Bruttogrundfläche
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