Rosa auf Stelzen
Temporäres Quartierszentrum in München von Clemens Hoyer
An einer Kreuzung im Franzosenviertel des Münchner Stadtteils Haidhausen steht seit Kurzem ein temporärer Holzbau. Auf Stelzen oberhalb eines Fahrradständers realisiert, erweitert das rosa angestrichene Gebilde den Stadtraum und steht Interessierten nach Anmeldung zur individuellen Nutzung offen. Entstanden ist das Zuhaus als Prototyp im Rahmen der Promotion von Clemens Hoyer (München). Diese geht der Frage nach, inwiefern öffentliche Parkflächen in dichten Stadtquartieren als räumliche Ressource für Formen des Wohnens und urbanen Lebens genutzt werden können – und welches Potenzial zur Entlastung angespannter Wohnungsmärkte sie besitzen.
Ausgangspunkt der Überlegungen bildete das Prinzip der sogenannten Austragshäuser, wie sie vor allem im ländlichen Bayern und im alpenländischen Raum verbreitet waren: Nach der Übergabe des Hofes ermöglichten sie den älteren Generationen ein eigenständiges Wohnen im vertrauten Umfeld. Im jetzigen Prototypen wird überprüft, ob einzelne Funktionen des Wohnens – wie Lernen, Spielen oder Arbeiten – aus der Privatwohnung in gemeinschaftlich nutzbare Quartierräume ausgelagert werden können. Seine aufgeständerte Lage zwischen Erdgeschoss und Hochparterre signalisiert, dass er nicht an die Stelle bestehender Räume treten, sondern diese ergänzen und erweitern soll.
Form und Farbgebung suchen nicht den Anschluss an die Gründerzeitarchitektur der Umgebung. Allerdings reagiert das Projekt sehr wohl auf deren räumliche Bedingungen. Auf der schmalen Grundfläche inmitten der Blockrandstruktur entsteht durch die Erkerstruktur ein Gefüge aus Räumen mit unterschiedlichen Aufenthaltsqualitäten, Blickbeziehungen und Abstufungen von Privatheit.
Das Franzosenviertel zählt aufgrund seines Altbaubestands, der kurzen Wege und der guten Infrastruktur zu den beliebtesten Wohnquartieren Münchens. Circa 1,8 Hektar öffentliche Parkflächen ermittelte Hoyer im Quartier, gleichzeitig existierten dort mehr private Stellplätze als zugelassene Fahrzeuge. Noch bis Ende Juli steht das Zuhaus an der Ecke Metzstraße/Wörthstraße. Freie Termine werden täglich um 7 Uhr morgens freigegeben und können über die Projekthomepage gebucht werden. (kms)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- Clemens Hoyer
- Promotionsarbeit:
- TU Darmstadt