Kein Denkmal der Vergangenheit
Obama Presidential Center in Chicago
Kein Denkmal der Vergangenheit
Obama Presidential Center in Chicago
Yes we can. Hope has a home. Die Slogans von Barack Obama sitzen und prägen auch das Obama Presidential Centre, das heute Abend in Chicago eröffnet. Mittendrin ein Turm von Tod Williams Billie Tsien Architects für Bücher, Geschichten und Menschen.
Kein anderes Land der Welt setzt die Nachlässe seiner Staatsoberhäupter derart opulent in Szene: Die Präsidentenbibliothek ist eine amerikanische Typologie. Seit der Amtszeit von Franklin D. Roosevelt ließen Präsidenten – nach ihrer Präsidentschaft – eine Mischung aus Archiv, Forschungsstelle und Gedenkstätte errichten. John F. Kennedy verewigte die Dokumente seiner Amtszeit in Boston in einem Bau von I. M. Pei, sein Nachfolger Lyndon Baines Johnson beauftragte Gordon Bunshaft von SOM, Bill Clinton beauftragte den New Yorker Architekten James S Polshek 2004 einen aufgeständerten Stahl-Glas-Riegel in Little Rock ans Ufer des Arkansas River zu stellen.
Mit dem Turm von Tod Williams Billie Tsien Architects (New York) ist im Jackson Park, einer von Frederick Law Olmsted entworfenen Grünanlage am Ufer des Michigansees in Chicago, nun erneut eine vergleichsweise ungefällige Präsidentenbibliothek entstanden. Wie ein ungeschliffener Meteroit wirkt der 69 Meter hohe, von vielen als Obamalisk bezeichnete Turm in dem vom Landschaftsarchitekturbüro Michael Van Valkenburgh Associates (Brooklyn) gestalteten Gelände. Rund 850 Millionen Dollar (circa 730 Millionen Euro) soll das Projekt gekostet haben, finanziert über Spenden unter anderem von Jeff Bezos sowie Bill und Melinda Gates.
Mit dem Turm von Tod Williams Billie Tsien Architects (New York) ist im Jackson Park, einer von Frederick Law Olmsted entworfenen Grünanlage am Ufer des Michigansees in Chicago, nun erneut eine vergleichsweise ungefällige Präsidentenbibliothek entstanden. Wie ein ungeschliffener Meteroit wirkt der 69 Meter hohe, von vielen als Obamalisk bezeichnete Turm in dem vom Landschaftsarchitekturbüro Michael Van Valkenburgh Associates (Brooklyn) gestalteten Gelände. Rund 850 Millionen Dollar (circa 730 Millionen Euro) soll das Projekt gekostet haben, finanziert über Spenden unter anderem von Jeff Bezos sowie Bill und Melinda Gates.
Den Auftrag für die Planung des Obama Presidential Center konnten sich Tod Williams Billie Tsien Architects über ein eingeladenes Auswahlverfahren sichern, den die Barack Obama Foundation 2015 ausschrieb. Zu den sieben teilnehmenden Büros zählten auch Snøhetta, Adjaye Associates, Diller Scofidio + Renfro, SHoP Architects, John Ronan Architects und Renzo Piano Building Workshop.
Typologie made in USA
Der Ort ist wohbedacht gewählt. Barack Obamas politische Karriere begann im Bundesstaat Illinois, er lehrte an der University of Chicago, Michelle Obama ging in Chicago zur Schule, ihre Töchter kamen dort zur Welt. Dennoch hatten Klagen und Proteste das Projekt mehrere Jahre blockiert. Gegen die städtische Parkbehörde lief ein langer Rechtsstreit, der kritisierte, dass die Obamas das Grundstück für 99 Jahre nahezu kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen hatten. Und obwohl die Obama Stiftung mit dem Center neue Jobs für die strukturschwache Gegend im Süden der 2,7-Millionen-Stadt in Aussicht stellte, sorgten sich Bürgerinitiativen um Gentrifizierung und forderten Programme für bezahlbaren Wohnraum in den angrenzenden Quartieren.
Typologie made in USA
Der Ort ist wohbedacht gewählt. Barack Obamas politische Karriere begann im Bundesstaat Illinois, er lehrte an der University of Chicago, Michelle Obama ging in Chicago zur Schule, ihre Töchter kamen dort zur Welt. Dennoch hatten Klagen und Proteste das Projekt mehrere Jahre blockiert. Gegen die städtische Parkbehörde lief ein langer Rechtsstreit, der kritisierte, dass die Obamas das Grundstück für 99 Jahre nahezu kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen hatten. Und obwohl die Obama Stiftung mit dem Center neue Jobs für die strukturschwache Gegend im Süden der 2,7-Millionen-Stadt in Aussicht stellte, sorgten sich Bürgerinitiativen um Gentrifizierung und forderten Programme für bezahlbaren Wohnraum in den angrenzenden Quartieren.
„Dies ist kein Denkmal für die Vergangenheit, sondern ein Ort für Menschen, die sich weigern, den Status quo hinzunehmen“, sagte Obama im Rahmen einer Planvorstellung. In diesem Sinne hat er keine klassische Präsidentenbibliothek, kein klassisches Archivgebäude beauftragt. Die Präsidentenakten Obamas werden von den National Archives verwaltet und digital zugänglich gemacht. Stattdessen entstand ein 7,8 Hektar umfassender Campus, der Menschen „inspirieren, stärken und verbinden“ soll und kostenlos zugänglich ist.
Entenrutsche und Matschküche
So spiegelt das Campusprogramm wie in einem Brennglas die menschenzugewandte Haltung der Obamas, erzählt von Respekt, Chancengleichheit und Zusammenhalt und wirkt als Anlaufstelle für bürgerschaftliches Engagement in Chicagos South Side. Im Museumsturm sind etwa Ausstellungen zur Historie der Obama-Präsidentschaft, den Biografien Barack und Michelle Obamas sowie sozialen und politischen Bewegungen untergebracht, zudem Beteiligungsformate und Bildungsangebote. Neben dieser baulich alles überragenden Baukörperskulptur gibt es ein Forum-Gebäude, eine Stadtteil-Bibliothek und einen von Moody Nolan (Chicago) entworfenen „Home Court“, wo Sport und Gesundheit, aber auch Lebens- und Führungskompetenzen gestärkt werden können. Ferner sind da noch der „Women’s Garden“ und der „Wetland Walk“, eine Picknickwiese, ein Gemüsegarten mit Lernküche und ein Spielplatz mit Entenrutsche und Matschküche.
Entenrutsche und Matschküche
So spiegelt das Campusprogramm wie in einem Brennglas die menschenzugewandte Haltung der Obamas, erzählt von Respekt, Chancengleichheit und Zusammenhalt und wirkt als Anlaufstelle für bürgerschaftliches Engagement in Chicagos South Side. Im Museumsturm sind etwa Ausstellungen zur Historie der Obama-Präsidentschaft, den Biografien Barack und Michelle Obamas sowie sozialen und politischen Bewegungen untergebracht, zudem Beteiligungsformate und Bildungsangebote. Neben dieser baulich alles überragenden Baukörperskulptur gibt es ein Forum-Gebäude, eine Stadtteil-Bibliothek und einen von Moody Nolan (Chicago) entworfenen „Home Court“, wo Sport und Gesundheit, aber auch Lebens- und Führungskompetenzen gestärkt werden können. Ferner sind da noch der „Women’s Garden“ und der „Wetland Walk“, eine Picknickwiese, ein Gemüsegarten mit Lernküche und ein Spielplatz mit Entenrutsche und Matschküche.
Die Künstlerin Julie Mehretu entwarf das große Gussglasfenster „Uprising of the Sun“. „Ich wollte Chicagos Geschichte und das Vermächtnis von Präsident Obama würdigen, indem ich eine Geschichte darüber erzähle, wie Wandel zustande kommt“, erklärte sie. Das markanteste Detail des Turms und vielleicht auch die wichtigste Botschaft des ganzen Projekts ist die Fassadenskulptur in der oberen Ecke, die Worte aus Obamas Rede 2015 über die Bürgerrechtsmärsche in Selma (Alabama) abbildet. „Amerika ist nicht das Projekt einer einzelnen Person. Das mächtigste Wort in unserer Demokratie ist das Wort ‚Wir‘. ‚We the People‘. ‚We Shall Overcome‘. ‚Yes We Can‘“, hatte er damals gesagt.
Bautafel
- Architektur:
- Todd Williams Billie Tsien Architects
- Landschaftsarchitektur:
- Michael Van Valkenburgh Associates
- Bauherrschaft:
- The Obama Foundation
- Baukosten:
- 730.000.000 €
Zum Thema
Livestream der Eröffnung heute ab 18 Uhr: www.obama.org/visit/grand-opening
Mehr zu farbigem Glas und Natursteinfassaden bei BauNetz Wissen
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