Oberhausener Kinderriegel
Tagesstätte von Dratz Architektur & Städtebau
Im Ruhrgebiet und über seine Grenzen hinaus ist Oberhausen vor allem für eine riesige Shopping Mall bekannt. Wie gut, dass die Fassaden des neuen Jobcenters von Kühn Malvezzi, auf dessen Dach sich ein Gewächshaus erhebt, seit 2019 an eine Reihe herausragender modernistischer Ziegelbauten in der Stadt erinnern. Peter Behrens’ Verwaltungsgebäude der Gutehoffnungshütte gehört ebenso dazu wie das backsteinexpressionistische Rathaus nach Plänen des Baubeamten Ludwig Freitag und das in den 1950er Jahren unter Beteiligung von Oswald Mathias Ungers entstandene Niederrhein-Kolleg.
Mit der Erweiterung einer Oberhausener Kindertageseinrichtung schreibt das Büro Dratz Architektur & Städtebau (Oberhausen) diese Tradition fort. Schon seitdem in den 1970er Jahren neben der Grundschule im Stadtteil Styrum eine Kindertagesstätte errichtet worden war, gab es Pläne, zusätzliche Räumlichkeiten zur Kinderbetreuung zu schaffen. Fünf Dekaden später ist der Bildungscampus Rechenacker um einen eingeschossigen Riegel von 60 Metern Länge und 7,50 Metern Breite ergänzt worden.
Zwei Risalite auf der Südseite, die das Volumen gliedern, zeigen die Gemeinschaftsräume der beiden Kindergruppen an, die auf den 400 Quadratmetern Platz finden. Anders als die weitgehend geschlossene, zur Schule orientierte Nordfassade ist das Volumen auf der gegenüberliegenden Seite und zur bestehenden Kindertagesstätte hin großflächig geöffnet. Dabei tragen die breiten Durchbrüche auch den Anforderungen des Brandschutzes Rechnung.
Dass der in einen wilden Verband gekleidete Kalksandsteinbau äußerst schlicht anmutet, ohne jedoch banal zu erscheinen, verdankt sich der sorgfältigen Detaillierung. So ist das Mauerwerk im Eingangsbereich, der wie die Gruppenräume aus dem Riegel hervorstößt, trichterförmig zurückgestaffelt. Weiterhin tragen L-förmige Betonelemente zur Belebung des Baukörpers bei. Während sie auf der Südseite, über den Türen und bodentiefen Fenstern angebracht, dem Sonnenschutz dienen, finden sie sich an der Nordfassade, hier tiefer platziert, als Sitzgelegenheiten wieder. (ree)
Fotos: Thilo Rohländer
Wir planen recht viele Kitas, und aus meiner Erfahrung mit mehreren Trägern, Betreibern und Kommunen ist eine Mehrgeschossigkeit aus verschiedensten Gründen oft nicht gewünscht: - Barrierefreiheit > Aufzug erforderlich - Wirtschaftlichkeit > Kosten / Wartung & Unterhalt Aufzug, zusätzliche Erschließungsflächen - Fluchtwege > aussen liegende Treppe erforderlich - ... Eine Treppe / zweigeschossigkeit wäre sicher möglich gewesen, ob Sie aus Sicht der Nutzer sinnvoll wäre, wage ich zu bezweifeln.
1. Man hätte sehr gut eine Treppe mittig verorten könnten, welche gleichzeitig ein schönes Atrium ergeben hätte. Ich glaube, einen zeichnerischen Beweis muss ich Ihnen nicht erbringen, werter Kollege. Und dass man sich so wertvolle Freiflächen geschaffen hätte, das brauche ich ebenfalls nicht zu erklären. 2. Es muss nicht gleich die Tate-Erweiterung von HdM sein. Ein Blick zu LRO oder ein wenig fortgeschrittener zum Brick Award von Wienerberg reicht, um hier die Potentiale zu sehen. Wenn man schon textlich ein solches Bauwerk hochstilisiert, dann sollte man auch mit der Kritik leben können. In diesem Sinne 😊
Diverse Punkte zu ihren "Diversen Punkten" 1. Wo die Mehrgeschosssigkeit bei diesem Baukörper, (der eine logische Reaktion auf das Grundstück ist) eine sinnvolle Organisation des Gebäudes ergeben sollte, bleiben Sie uns bei Ihren Vorwürfen schuldig. Wo ist das Problem an einem langen und bespielbaren Flur? (Wie schön sind doch die langen Wege zum Rennen, Fahren und Toben...) Die Eingeschossigkeit bleibt eine vernünftige Antwort auf die Zwischenräume zum Bestand, zumal die Variation der Attikahöhen die Erscheinung wesentlich bestimmt (einfacher und besser hätte man das nicht machen können). 2. Was gibt es beim Mauerwerk zu meckern? Ein genauer Blick inklusive volumetrischem Bezug lohnt sich. Ihren Ansatz, werter Kollege, würde ich hier auch hier näher ausgeführt wissen. Zumindest können Sie hier etwas über Baukultur und -kunst. lernen und sollten keine falsche Opulenz einfordern. Oft ist das Einfache das Bessere, besonders in diesem Fall und bewahrt vor Plumpheiten. 3. Die Freiflächen sind das heiße Thema in der Diskussion. Das Projekt ist offenbar nach Fertigstellung und im Herbst fotografiert (im Übrigen sind die Bilder von hervorragender Qualität). Im Zusammenhang zum tristen und ungeschönten, aber realen Kontext, nimmt die Diskussion über fehlendes Grün eine falsche Richtung ein und schiebt den Architekten eine Verantwortung in die Schuhe, die sie nicht tragen müssen. Und selbst wenn mehr Grün, dann sinnvoller Weise wo? In den Zufahrten links und rechts bestimmt nicht, und da wo es sinnvollerweise möglich ist, ist es vorhanden. Also auch hier langsamer durch die Bilder zappen und der Natur und den Kindern mal ein bisschen Zeit einräumen . Für die Bodenversiegelung des Bestandes und Zuwegung kann wohl nicht das Büro als Sündenbock herhalten, nur weil man sich hier einen Namen herausgreifen kann. Das Architekten abnehmend einen fachlichen Diskurs führen können und sich selber untergraben, mag sicher auch an Ihrer Argumentation liegen und für mich (und sicher viele andere Kollegen) kann ich diesen Ihren Umgang nicht tolerieren. Es darf sicher alles kritisiert und gesagt werden, aber dann bitte doch nicht nur in lapidaren Stichpunkten und "Ich stelle nur Fragen"-Rhetorik. Das mag sicher woanders funktionieren, hier zumindest wirkt es schwach. Vielleicht hilft hier ortsbezogener Realismus, anstatt dem Projekt einen generellen Rundumschlag zu verpassen.
Der Kontext hätte mehrere Stockwerke hergegeben, warum bleibt man 1-geschossig? Im Ziegelmauerwerk wäre viel mehr Spiel drin gewesen. Die Freiflächen sind komplett versiegelt, ohne jegliches Grün. Auch hier, man findet Potentiale, wenn man sie nur sucht. Mag sein, dass es gut detailliert ist, nur (zu) viele verschenkte Potentiale. Und die sollte man auch kritisieren, besonders wenn wir Architekten noch eine relevante Rolle in der Gesellschaft spielen wollen.
1. Leben kommt in die Kita noch mit den Kids. 2. Die Versiegelung war sicher schon vorher hoch im "Bildungscampus Rechenacker" in OB-Styrum. 3. Die Entsiegelung gerade von Schulhöfen ist ein bundesweites Thema innerhalb der (Um-) Bauwende, das keine 5 Dekaden Wartezeit braucht. 4. Lob an die Kollegen in OB. 5. Eins nach dem anderen, Kollegen. Dratz & Dratz sind sicher froh, das erst mal fertig gestellt zu haben.