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15.01.2013

Forum Neue Erde

Tagebau-Besucherzentrum bei Köln fertig


Der rheinische Braunkohletagebau sorgt sich um sein Image. Ein neues Informations- und Ausstellungszentrum über den Tagebau mit Bistro und Veranstaltungsgebäude für die umliegenden Gemeinden wurde jetzt am Tagebau Hambach, 40 Kilometer westlich von Köln, eröffnet. Bauherr ist die RWE Power AG, der Entwurf stammt von dem Kölner Büro Lüderwaldt Architekten, das in einem entsprechenden Wettbewerb den ersten Preis gewonnen hatte.

Der Tagebau Hambach ist mit 8.500 Hektar Größe und 299 Metern Tiefe der größte Braunkohletagebau Deutschlands. Das „forum :terra nova“ genannte Besucherzentrum ist direkt an der künftigen Abbaugrenze des Tagebaus errichtet worden.

Die Fassade des Forums besteht aus schichtweise eingefülltem, farbigem Beton, wodurch sie an den Schnitt durch unterschiedlich gefärbte Erdschichten und Kohleflöze erinnert, den man auch unweit des Forums erleben kann: Die einige hundert Meter tief aufgeschnittene Erdkruste des Tagebaus erlaubt den Blick bis hinab ins Erdzeitalter der Saurier. Inspiriert  vom Motiv der Flöze, versetzten die Architekten den für die Fassade verwendeten Betonkies vor seiner Verarbeitung mit wechselnden Farbpigmenten, wodurch sieben unterschiedliche Schichtfarben entstanden. Um den Eindruck eines rauen, ursprünglichen Felsblocks zu  verstärken, ließen sie die Fassade nach ihrer Fertigstellung fräsen.

Ganz anders das Innere: Im Gegensatz zu den rauen Außenflächen findet man hier exakt geschalte, glatte Sichtbetonoberflächen, ergänzt um Einbauten aus Holz, Leder und Glas. Eine kassettenförmige Tageslichtdecke belichtet das zentrale, zweigeschossige Atrium mit dem Bistro, den Hauptraum des Forums. Im Obergeschoss befinden sich beidseits des Atriums Ausstellungs- und Vortragsräume. Sie sind verbunden durch den mit fernrohrartigen, runden Fenstern perforierten „Fernsichtgang“, der fokussierte Ausblicke in die Tagebaulandschaft erlaubt.

Mit seinen asymmetrisch angeordneten Bullaugen in einer ansonsten geschlossenen, strengen Kubatur sucht das Gebäude die Balance zwischen Zurückhaltung und der einladenden Offenheit eines Informationszentrums.

Selbst an eventuelle Bergschäden hat man gedacht: Der oberirdische Teil des Gebäudes ist als in sich ausgesteifter Baukörper konstruiert, der frei auf 14 nachjustierbaren Einzelfundamenten steht. Falls es infolge der Tagebauaktivitäten zu Bodensetzungen kommt, lassen sich diese Fundamente hydraulisch nachjustieren.

Fotos: Anja Schlamann


Zum Thema:

Mehr zur Oberflächengestaltung von Beton im Baunetz Wissen.



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