2,7 Millionen Wohnungen
Studie bestätigt Potenzial durch Aufstockung
Dass es in den Großstädten kaum noch Baugrundstücke gibt, ist eine der wesentlichen Ursachen für den Mangel an bezahlbaren Wohnungen. Doch welche Potenziale bieten die Kernlagen von Deutschlands Städten, Gemeinden und Kommunen für bezahlbaren Wohnraum? Bereits zum zweiten Mal nach 2016 haben sich die TU Darmstadt und das Pestel-Institut aus Hannover mit dem Thema befasst. Gestern wurde ihre „Deutschlandstudie 2019: Wohnraumpotentiale in urbanen Lagen, Aufstockung und Umnutzung von Nichtwohngebäuden“ in Berlin vorgestellt. Darin wird auf das immense Flächenpotential auf den Dächern von Bestandsbauten hingewiesen – 2,7 Millionen zusätzliche Wohneinheiten seien deutschlandweit möglich.
Während die Deutschlandstudie 2016 die Aufstockung von Wohngebäuden untersucht hatte, standen bei der nun vorgestellten Untersuchung die Aufstockung von Bürogebäuden, Supermärkten und Parkhäusern in Innenstädten im Fokus. Mit konservativen Annahmen von Mengen, Flächen und Verdichtungsschlüsseln zeigt die Studie deutschlandweit folgendes Potenzial:
- 1,1 Mio. bis 1,5 Mio. Wohneinheiten auf Wohngebäuden der 1950er-bis 1990er Jahre (aktualisierter Stand der Deutschlandstudie 2016)
- 20.000 Wohneinheiten oder soziale Infrastruktur auf Parkhäusern der Innenstädte
- 560.000 Wohneinheiten durch Aufstockung von Büro- und Verwaltungsgebäuden
- 350.000 Wohneinheiten durch Umnutzung des Überhangs (Leerstand) von Büro- und Verwaltungsgebäuden
- 400.000 Wohneinheiten auf den Flächen von eingeschossigem Einzelhandel, Discountern und Märkten, bei Erhalt der Verkaufsflächen
Die Studie war von 14 Organisationen und Verbänden der deutschen Planungs-, Bau- und Immobilienbranche in Auftrag gegeben worden, darunter auch die Bundesarchitektenkammer. Deren Präsidentin Barbara Ettinger-Brinckmann sagte in einer Presseerklärung: „Aufstockungen tragen dazu bei, die wachsende Versiegelung von Flächen zu vermeiden. Das Zusammenfügen von großen gewerblichen Einheiten und kleinteiligen Wohneinheiten ist allerdings eine anspruchsvolle Bauaufgabe, die sorgfältig konzipiert und von erfahrenen Planern übernommen werden muss.“ Zudem wies sie auf notwendige Anpassungen im Bauplanungs- und Bauordnungsrecht hin, um die Rahmenbedingungen für Aufstockung und Umnutzung zu verbessern. Es müssten finanzielle Anreize und passende Förderprogramme geschaffen werden. (fm)
Aufstockungen und Nachverdichtungen können sicher punktuell zu mehr Wohnraum führen, ob der allerdings immer günstiger und nachhaltiger ist als ein Neubau, wage ich zu bezweifeln. Eine tragwerkstechnische Ertüchtigung eines Bestandsgebäudes ist oftmals aufwendig, von den Kosten zusätzlich erforderlicher Aufzüge ganz zu schweigen. Ohnehin ist eine innerstädtische Nachverdichtung durchaus nicht so unproblematisch, wie in einer allgemein gehaltenen Studie dargestellt. Die vorhandene Infrastruktur (z.B. Kanalisation, Verkehrswege, Parkplätze, Fahrradstellplätze usw.) sind schon jetzt in den Innenstädten oftmals an den Grenzen der Belastbarkeit, jede weitere Verdichtung macht es nicht besser. Neubaugebiete im Speckgürtel und Verzicht (z.b.: kleinere Wohnung, geringere Ansprüche, Stichwort Suffizienz) sind zwar sicher auch nicht die alleinige Lösung, aber Nachverdichtung allein sicher auch nicht.