Signas Skyline am Ku’damm
Städtebauliches Konkurrenzverfahren in Berlin entschieden
Signa will bauen. Und zwar Hochhäuser am Ku’damm in Berlin. Wenn es nach dem österreichischen Immobilienriesen von René Benko geht, heißt die Marschroute: Je höher desto besser. Nach der Entscheidung im städtebaulichen Werkstattverfahren liegt die Marke jetzt bei 134 Metern. Also über den Nachbarn am nahen Breitscheidplatz.
Von Maximilian Hinz
Die Diskussionen und Verhandlungen zum Areal K231 um das Karstadt-Gebäude am Kurfürstendamm laufen schon seit Jahren. Nun wird es ernst. Im Juni fiel die Entscheidung eines städtebaulichen Werkstattverfahrens. Seit einigen Tagen liegt das Juryprotokoll vor. Als Sieger gingen Henning Larsen Architects (Kopenhagen) hervor.
Das Verfahren wurde als Mehrfachbeauftragung durch Signa in Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf durchgeführt. Eingeladen waren sieben namhafte Architekturbüros. Werkstatt hieß hier im Grunde, dass das Verfahren nicht anonym war und zwei Stufen beinhaltete. Am Tag der Juryentscheidung durften Interessierte ihre Meinung per Zettel auf die Entwürfe kleben. Als Fachpreisrichter*innen fungierten Carlo W. Becker, Ingo Kanehl, Ulrike Lauber, Julia Tophof, Ingemar Vollenweider (Vorsitz) und Gesine Weinmiller. Als Sachpreisrichter*innen saßen unter anderem Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt und Landeskonservator Christoph Rauhut in der Jury. Die Platzierungen im Überblick:
- 1. Preis: Henning Larsen Architects (Kopenhagen)
2. Preis: David Chipperfield Architects (Berlin/London) mit Wirtz International (Schoten)
3. Preis: Cobe A/S (Kopenhagen)
4. Preis: Mäckler Architekten (Berlin) mit Sowatorini Landschaft (Berlin)
BIG (Kopenhagen), Sergison Bates architects (Zürich/London) sowie Jo Coenen Architects & Urbanists (Amsterdam) gingen leer aus. Die Betreuung des Verfahrens lag bei C4C (Berlin). Alle Teams schlugen ziemlich hohe Hochhäuser vor. Denn das war die Zielsetzung, die man zuvor ausgehandelt hatte. Zwar lehnte das Berliner Baukollegium unter der damaligen Senatsbaudirektorin Regula Lüscher noch im Jahr 2018 Signas Pläne mit drei Türmen von bis zu 150 Metern Höhe ab.
Doch 2021 kam es zu einem Letter of Intent von Signa und der Senatsverwaltung. Infolge der Pandemie stand die Schließung etlicher Filialen der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof auf dem Spiel. Im Letter of Intent verständigte man sich über den Erhalt einiger Standorte und den damit verbundenen Arbeitsplätzen. Im Gegenzug sicherte der Senat Signa zu, die geplanten Bauvorhaben am Alexanderplatz, am Herrmannplatz und am Kurfürstendamm zu genehmigen. Für den Standort Kurfürstendamm verständigte man sich auf zwei statt ursprünglich drei Hochpunkte. Die letztliche Festlegung der Planungsziele erfolgte im September 2022 mit einer Kooperationsvereinbarung zwischen Senatsverwaltung, Bezirk und Signa.
Nutzungsmix laut Hochhausleitbild
Dass im K231 nicht nur Einzelhandel und Büros entstehen, sondern ein gewisser Nutzungsmix realisiert werden soll, ist auch Berlins Hochhausleitbild zu verdanken, das Lüscher in ihrer Amtszeit umsetzte. Wenngleich nicht bindend, wird darin ein 30-prozentiger Anteil an nicht-gewerblichen Nutzungen gefordert. Unterzubringen waren dementsprechend auch Wohnungen (davon 30 Prozent förderfähig), eine Kita und weitere gemeinwohlorientierte Nutzungen.
Selbstverständlich ist ein solches Vorhaben Gegenstand von Auseinandersetzungen. Immerhin geht es um ein Filetgrundstück in der City West, das von einem privaten Investor gestaltet wird – noch dazu mit Hochhäusern, deren Planung fast immer Diskussionen auslösen. So wurde beispielsweise im Mai bekannt, dass Jurymitglied Ansgar Schulz kurz vor der ersten Sitzung aus der Jury ausgeladen wurde (wie der Tagesspiegel berichtete). Er hatte bereits im Baukollegium die Meinung vertreten, dass die neuen Hochpunkte am Ku’damm die bestehenden Hochhäuser Upper West und Zoofenster deutlich unterschreiten sollten. In der Kooperationsvereinbarung von 2022 legte man jedoch fest, sich an deren Höhe von 120 Metern zu orientieren.
Blockrand und Binnenraum
Der erstplatzierte Entwurf von Henning Larsen Architects sieht zwei Türme mit Höhen von 134 und 79 Metern vor. Überzeugt war die Jury vor allem von der „konsequenten Bebauung der Blockränder“ und „dem großen Binnenraum mit anschließenden Kulturterrassen“. Mit diesem Vorschlag setzten sich Henning Larsen von den übrigen Teams ab, die allesamt reichlich Baumasse im Blockinneren platzierten. Tatsächlich gelingt es dem siegreichen Entwurf dadurch, dem sogenannten Ku’lturhof mehr Luftigkeit zu verschaffen. Wenngleich das ohne Frage ansprechende Bild der großzügigen Treppenanlage irritiert, denn sie ist im Grundriss nicht ausfindig zu machen.
Der zweitplatzierte Entwurf von David Chipperfield Architects scheint konzeptionell der präziseste zu sein. Allerdings gefielen der Jury die Qualitäten der im Vergleich kleineren Freiräume nicht. Noch enger wurde es bei Mäckler Architekten, die das Grundstück dicht überbauten und mehrere Höfe einschnitten. Dass diese zum Teil ausschließlich privat sein sollten, wurde kontrovers bewertet.
Flächendruck in der City West
Hochhäuser werden von vielen kritisch beäugt. Aus ökologischer Sicht zu Recht, denn sie sind nicht ressourceneffizient umzusetzen. Angesichts des Flächendrucks erscheint anderseits eine Entwicklung in der Höhe durchaus sinnvoll. Was die städtebauliche Figur angeht, ist ein gut proportioniertes Hochhausensemble sicher vorstellbar, immerhin gibt es bereits zwei Türme. Einige Kritiker*innen bemängeln allerdings, dass die neuen Hochhäuser die Wirkung der beiden bestehenden als Tor zur City West beeinträchtigen werden.
Insgesamt sollen hier 134.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche umgesetzt werden, inklusive des denkmalgeschützten Agrippina-Hauses von Paul Schwebes. 30.000 Quadratmeter sind für Handelsflächen vorgesehen, 15.000 Quadratmeter für Wohnungen. Der nächste Schritt wird die Übersetzung in einen Bebauungsplan sein. Etwa 2025 rechnet Signa mit Baurecht. Realität werden die Hochhäuser nicht vor 2029/30.
Wie Hochhäuser aus Investorenhand Stadtbilder prägen wollen, zeigt sich auch bei den Plänen rund um die Paketposthalle in München.
wir machen immer noch die gleichen fehler, die unsere welt an den abgrund bringen. es gäbe mehr wissen zu nachhaltigkeit, zu allgemeinwohl und zu stadtentwicklung, aber das geld kauft sich dann doch noch das recht darauf, alles wie gestern zu machen und ordentlich abzuschöpfen.
Zu den Hochhausdebatten in Berlin: Diese finde ich persönlich unglaublich provinziell und akadamisch. Keine Hochhäuser zu bauen hat weder zu günstigeren Mieten noch zu einem besseren Stadtbild, noch zu weniger Verwahrlosung und Obdachlosigkeit beigetragen, es gibt so viele hässliche 7 Gechosser in Berlin. Vielleicht einfach mal über den Tellerand und in andere europäische Metropolen schauen, zB. in Wien, Mailand, Amsterdam uva.. Da findet man sehr gute Ansätze wie man moderne Wolkenkratzer in gewachsene europäische Städte integriert. Und gerade in Berlin finde ich diese Debatte vollkommen deplaziert. Die Stadt ist architektonisch und stadtplanerisch noch immer größtenteils ein zusammengewürfelter Haufen, ein riesiges Flickwerk. Ein paar vernünftige, konsequente Hochhauscluster die Berlin ein Profil verleihen täten dieser Stadt gut.
Da gibt es dann immer einen öffentlichen Träger, der schon stolz ist, wenn er dem Investor nicht vollends in den Allerwertesten kriecht. Und das als große Leistung verkauft. Ach, und ob man über Hochhäuser streiten mag oder nicht. Sieht ja nett aus, aber ob das die Allgemeinheit wirklich gebraucht hat? Ob es besser wird, da die einen Hochhäuser den Blick auf die anderen verstellen? Klasse Idee, irgendwie. Das macht mich alles sehr traurig. Nach meiner Meinung am Bedarf, an der Zeit und an den Zielen vorbei. Ewig gestrig. Maximierung, Optimierung, und zu Gunsten von wem? Und erstmal ordentlich Müll produzieren und Ressourcen vergeuden. Das ist offenbar immer noch zu billig als dass es Investoren abschrecken könnte. Wird schon nicht so schlimm werden; auch das wird Berlin überstehen. Meistens werden die Gebäude in dieser Stadt eh nicht besonders alt...