Klinker als Vermittler
Stadthäuser von Tchoban Voss in Hamburg
Die Bezeichnung Uptown, als Gegensatz zur Downtown in Manhattan geprägt, wird häufig mit wohlhabenderen Stadtvierteln gleichgesetzt. Der Name leuchtet also ein, wenn man hochwertigen Wohnungsbau vermarkten möchte. Im Hamburger Stadtteil Finkenau wurden nun unter dem Namen Up-Townhouses vier Reihenhäuser von Tchoban Voss Architekten fertiggestellt. Sie sind Teil eines Ensembles aus 26 Stadthäusern, Bauherrin für das gesamte Vorhaben war die private Wohnbau und Projektentwicklungsgesellschaft Wph. Die Entwürfe der Gebäude stammen von insgesamt acht Architekturbüros, darunter auch die Hamburger Büros von Baumschlager Eberle oder Spengler Wiescholek.
Die Reihenwohnhäuser von Tchoban Voss mit bis zu drei Obergeschossen, die sich zumeist im obersten Geschoss zurückstaffeln, sind mit Loggien und Galerien in einem „lebhaften Formenmix und dezenten Oberflächenakzenten“ kombiniert, wie die Architekten es beschreiben. Die vier Häuser teilen sich in zwei Gebäudetypen á entweder 174 oder 179 Quadratmetern, die innerhalb der Straßenzeile einmal regulär und einmal gespiegelt angeordnet sind. Einer der beiden Haustypen ist in offene Raumabfolgen gegliedert, während der andere auf stärker abgetrennte Zimmer mit zusätzlichen Gästebereichen setzt. Ziel war es, mit unterschiedlich gestalteten Grundrissen möglichst verschiedene Nutzer anzusprechen, ob Singles, Paare oder Familien. Dachterrassen und Loggien bieten bei beiden Haustypen zusätzlich zu den Gärten Aufenthaltsräume im Freien.
Für alle Straßenfassaden wurde eine an die Hamburger Stadtarchitektur angelehnte Klinkerverkleidung gewählt, der Stein wirkt bei den Wohnhäusern der unterschiedlichen Architekturbüros als vermittelndes Element. Durch die unterschiedlichen Rot-Tönungen und Verbände bleibt der Wiedererkennungswert jedes einzelnen Gebäudes jedoch erhalten. Die Rückseiten, alle in Weiß gehalten, verbinden sich auf der den Gärten zugewandten Seite zu einem etwas ruhigeren Gesamtbild. Nur durch leichte Strukturierungen der Oberflächen – diese wurden teilweise geriffelt ausgeführt – und unterschiedliche Fensterformate sowie Geschosshöhen wird der einheitliche Eindruck etwas aufgelockert. (kh)
Fotos: Rolf Otzipka
Klar gäbe es auch was zu meckern, aber wo gibt es das nicht!? Architektur ist nicht erst dann gelungen, wenn sie fehlerlos oder unangreifbar ist - im Gegenteil, das will man dann oft erst recht nicht haben...
Also, Lob meinerseits für dieses schöne und weit überdurchschnittliche Ensemble. Das hätte ich auch gerne in meiner Stadt! Ich würde es jedem Besucher zeigen.
da sprechen planer die auch selber wohnbauen.
das geht aber leider immer mehr verloren.
auch hier geht eine schere auseinander.
aber auch, weil sich viele dafür zu schade sind.
Für mich ist es hier gut gelungen, die Uniformität zu brechen, die in 90% der Reihenhaussiedlungen zu sehen ist. Es gibt verschiedene Abstufungen von Privatheit und Rückzug, sowohl im Außen- als auch im Innenraum. Die Einzelhäuser sind ablesbar und lassen eine Identifikation mit dem eigenen Haus zu, etwas was im Wohnungsbau zu häufig fehlt.
Bemängeln könnte man aus stadtplanerischer Sicht das Fehlen von Gemeinschaftsflächen, die ein zufälliges Aufeinandertreffen und Kennenlernen der Bewohner und die Identifikation mit dem gesamten Quartier erlaubt. Aber das ist wohl eher ein gesamtdeutsches Problem des Wohnungsbaus im Moment. Insbesondere aufgrund der zunehmenen Nachverdichtung braucht es dringend nicht nur eine Kosten-, sondern auch eine Qualitätsdebatte!
Thema Dachrand: Wer schon für private Wohnungsbaugenossenschaften gearbeitet hat, kennt den Kostendruck und die "DIN-Gläubigkeit", die am Ende leider zwangsläufig zu Standarddetails führen. Natürlich geht das besser, aber die Qualität eines Projektes/ Quartiers/ Gebäudes entscheidet sich nicht an einzelnen Details.
Viele Grüße und eine gute Arbeitswoche wünscht
Anne
Der Mut des Bauherrn sollte hier auch mal hervorgehoben werden.
Das Projekt war bestimmt schwierig zu argumentieren und wahrscheinlich leider auch teuer.
Bei diesem Wirrwarr lohnt es sich gar nicht erst, (auf eigene Kosten womöglich) viel Zeit in den Entwurf zu stecken.
Die erprobten Ausführungsdetails stellen praktischerweise die Hersteller bereit.
Die Wohnungen sind bestimmt sehr heimelig. Leider wird das auf den Fotos (absichtlich?) nicht gezeigt.
Man kann auch mit dem Wagen ins Haus fahren. Muss die Garage aber wieder verlassen, um ins Haus zu gelangen (Metaphysik des Hausbetretens).
Diese funktionelle Kompaktheit (Raffinesse?) erinnert an die Ungereimtheiten von Puppen- oder Spielzeughäusern. Vermutlich der (konzeptionelle) Grund für die Aufgelöstheit der Baukörper.
Aber diese Gebäude sind auch nicht dafür gemacht, durch Architektur das Bewusstsein zu erweitern, sondern um darin das Leben zu spielen. Und dabei geht es nicht um Inhalte, sondern um das Abhaken von Konventionen und die Integration von Sitcom-Dialogen.