Kohärenz in Musberg
Sport- und Festhalle bei Stuttgart von wulf architekten
Musberg ist ein Stadtteil der Gemeinde Leinfelden-Echterdingen im grünen Süden von Stuttgart. Am Ortsrand liegt die Eichbergschule und davor die Sportplätze mit einer alten Gemeinde-Festhalle aus dem Jahr 1948, die 1974 um eine Doppelturnhalle mit Gaststätte und zwei Wohnungen erweitert wurde. Das kleine Ensemble sei im Laufe der Zeit „kontinuierlich verändert“ worden. So beschreiben es wulf architekten (Stuttgart), die 2016 den Wettbewerb mit anschließendem VOF-Verfahren für eine umfassende Sanierung und Erweiterung gewannen.
Der älteste Gebäudeteil im Westen war die Festhalle. Sie musste abgerissen und durch eine Mehrzweckhalle ersetzt werden, die flexibel für Sport- und Festveranstaltungen zu nutzen ist. Der östliche Gebäudeteil hingegen, in dem sich die beiden Turnhallen, ein Foyer, die Gaststätte und die zwei Wohnungen befinden, wurde lediglich brandschutztechnisch ertüchtigt. Zwischen diesen beiden Gebäudeteilen lag mittig der gemeinsame Eingangsbereich, der nun saniert und erweitert wurde.
Die „stilistischen Brüche und räumlichen Ungereimtheiten“ habe man mit dem Umbau „optimiert“, schreiben die Architekt*innen. „Ziel waren klare und nachhaltig nutzbare Räume und eine langlebige Materialität.“ Der Neubau versteht sich als Teil eines kontinuierlich veränderten Ensembles und übernimmt den Grundriss der alten Festhalle mit 43 auf 23 Metern. Dabei solle der Neubau eine Architektursprache sprechen, die frei ist von „kurzlebigen Gestaltungselementen“ und stattdessen „auf Kohärenz setzt“. So wurde vom Vorgänger zwar die Satteldachform übernommen, allerdings mit einer Haube aus gefaltetem Aluminium, die sich in Form und Farbe auf die Dächer in der näheren Umgebung bezieht.
Die neue Mehrzweckhalle verfügt über eine Bühne, Geräte-, Technik- und Umkleideräume. Die Dachkonstruktion aus Brettschichtholzbindern, die bis zu 17 Meter weit spannen, ist sichtbar und soll an den alten Saal erinnern. Eine große Fensterwand öffnet sich nach Süden zu den Sportplätzen. Der zentrale Eingangsbereich wurde um weitere Zugänge von Süden ergänzt, sodass er nun eine echte Verteilerfunktion übernimmt. Die Fassade besteht aus Sichtbeton. Die Wohnungen im Ostteil blieben erhalten und haben einen eigenen Zugang.
Durch den Geländeversprung öffnet sich das Untergeschoss als Vollgeschoss nach Süden. Wulf architekten nutzten dies für eine Terrasse, die vollständig vor dem Obergeschoss liegt und alle Gebäudeteile miteinander sowie mit dem Gelände verbindet. Vor dem Festsaal ist es eher ein breiter Balkon, der sich dann vor Eingangsbereich und Gaststätte zu einer Terrasse weitet, die einen guten Ausblick auf die Sportfelder bietet. Im Oktober 2025 konnte das Projekt fertiggestellt werden. (fh)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- wulf architekten
- Wettbewerbsteam:
- Michael Müller-Vogelsang
- Landschaftsplanung:
- Stefan Fromm Landschaftsarchitekten
- Planungsteam:
- Coskun Kocak (Projektleiter), Bryan Bonomo, Boris Peter, Michael Müller-Vogelsang
- Projektsteuerung:
- Drees & Sommer
- Bauleitung:
- 2plus Baumanagement
- Tragwerk:
- wh-p GmbH Beratende Ingenieure
- Bauphysik:
- EGS-plan
- Bauherrschaft:
- Stadt Leinfelden-Echterdingen, Amt für Hochbau
- Baukosten:
- 9.200.000 € Baukosten