Kita und Musik statt Konserven
Snøhetta planen in Leipzig
Die ehemalige Gurkenkonservenfabrik der Gebrüder Schumann im Leipziger Zentrum-Südost liegt seit Jahrzehnten brach. Die Fabrik wurde 1890 aufgrund der Nähe des Grundstücks zum Bayerischen Bahnhof errichtet. Der besteht heute allerdings nur noch als neu errichtete, unterirdische Haltestelle des City-Tunnels. Die historischen Gebäude des einst ältesten erhaltenen deutschen Kopfbahnhofs existieren hingegen nur noch in denkmalgeschützten Fragmenten wie dem einstigen Portikus. Kurz nach dem Mauerfall wurde schließlich auch die Produktion von Gurken- und Gemüsekonserven eingestellt. Seitdem ist auf dem rund 40 Hektar großen Areal nicht mehr viel passiert – selbst, wenn einzelne Gebäude noch in Nutzung sind.
Bereits 1998 hat das Büro Albert Speer und Partner ein städtebauliches Strukturkonzept für das gesamte Areal erarbeitet. 2010 lobten die Stadt Leipzig und die Deutsche Bahn einen städtebaulichen Wettbewerb aus, den das Berliner Studio Wessendorf zusammen mit Atelier Loidl für sich entscheiden konnten. Daraus folgte der Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplans und die Vorgabe, für einzelne Teilbereiche des Stadtraums weitere Lösungen zu erarbeiten.
Für eines dieser Teilgebiete – eben die alte Gurkenfabrik – liegt nun ein Entwurf vor. In Abstimmung mit der Stadt lobte die Eigentümerin des Areals, die Projektgesellschaft Rubin 70 als Tochter der Leipziger Stadtbau AG ein nicht-anonymes Werkstattverfahren aus. Fünf Büros haben sich mit Ideen für die Fläche zwischen Dösner Weg und dem zukünftigen zentralen Park beteiligt. Das Osloer Architekturbüro Snøhetta mit seiner Innsbrucker Niederlassung gewann das Verfahren, bei dem es um den Bau einer Kita und zweier weiterer Gebäude für eine Musikakademie ging. Am Verfahren beteiligt waren:
- Snøhetta, Oslo/Innsbruck
- Architektur von Domaros und Partner, Leipzig
- RKW Architektur +, Leipzig
- Behet Bondzio Lin Architekten, Leipzig
- Grunwald & Grunwald Architektur und Städtebau, Leipzig
Der Gewinnerentwurf von Snøhetta sieht für die Kita ein kompaktes Volumen vor. Die Akademie strebt wiederum pagodenhaft und luftig am Rande es künftigen Parks in die Höhe. Neben dem Lab ist auch ein Haus für internationale Studierende der Mendelssohn-Orchesterakademie angedacht. Ein Konzertsaal mit 200 Plätzen könnte sich zum Park öffnen lassen und wäre dann als Amphitheater nutzbar. Für die Realisierung der Akademie sucht das Gewandhaus derzeit Förderer.
Der Entwurf von Snøhetta überzeugte die Jury mit seiner modernen Formensprache, wobei insbesondere die klare Trennung der Nutzungen in autarken Gebäuden gelobt wurde. Auch die Planung der Freiflächen und ihre Bezüge zur Umgebung wurden sehr positiv gesehen. Ein Teil des Grundstücks der Gurkenfabrik wird schließlich dem großen Park zugeschlagen. Laut MDR hofft die Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau, dass das Vorhaben schon 2022 umgesetzt sein könnte. (mg)
Wenn nicht, trotzdem ein toller Kommentar.
gerne würde ich mir die zeit nehmen, etwas ausführlicher in ihren kommentar einzusteigen.
frage vorweg:
lesen sie hier häufiger mit?
zu nächst in kürze:
wie lernt mann, dass architektur eine territoriale disziplin ist? das ist doch wenn überhaupt eher eine haltungsfrage. wenn sich ihre büro-partner dazu ausgesprochen haben, von norwegen auszustreuen, dann ist dieses eine grundlegende entscheidung aber doch keine lernprozess, der unweigerlich einsetzt, weil er erforderlich ist...
was die markenbildung betrifft:
die entscheidung obliegt jedem büro selbst und ist auch keine neuerfindung.
lassen sie sich den vorwurf gefallen, dass ihre architektur mitunter den ort nicht erreicht hat?
das innsbruck nicht leipzig ist und das dieses häufig auch egal ist, würde dazu führen, dass es eben auch egal ist, dass sie darauf hinweisen wollen, näher an die orte des geschehens heranrücken zu wollen, weil dieses ihrer meinung nach gerechter wird.
ich für meinen teil habe dieses mehr verstanden als bspw präsens für akquisition und ähnliches - nicht aber, um besserer architekturen für die neuen claims zu erarbeiten - gutes marketing zahlt sich aus herr lüth - und gute architekturen können sie ja auch, das ist ja unbestritten...
ob diese dem ort angemessen erscheinen, entscheidet weder das feuilleton, sie, ich oder andere, sonderen eher die zeit in abhängigkeit von uns allen - in diesem fall vorrangig die leipziger, es gibt unaghängig der haltung und werte eben nur diesen einen versuch um dieses herauszufinden, viel erfolg wünsche ich ihnen und ihrem team hier hierbei!
Wenn Sie auf unsere (Snøhettas) Website schauen, werden Sie feststellen, dass wir bereits sieben Studios auf drei Kontinenten haben. Inzwischen sind mehr Snøhetta-Mitarbeiter ausserhalb von Oslo als dort tätig.
Wir haben nämlich gelernt, dass Architektur eine territoriale Disziplin ist und dass das Verständnis einer Region, einer Kultur viel besser in unsere Arbeit einfließen kann, wenn wir vor Ort sind.
Ob Ihnen der Entwurf nun gefällt oder nicht, das ist Ihre Sache. Aber eines ist klar: Snøhettas Projekte hatten noch nie eine klar erkennbare Handschrift, eine "Sprache". Sie sind immer aus dem Kontext entwickelt und dementsprechend unterschiedlich. Haltungen und Werte sind es, die wir versuchen in unseren Entwürfen umzusetzen, diese sind die Konstanten.
Freue ich mich über den Kommentar von latimer.