Satzung geöffnet
Semper-Preis geht auch an Louisa Hutton
Was Denise Scott-Brown und ihren Unterstützerinnen bislang nicht gelungen ist – den Pritzker-Preis an Robert Venturi nachträglich auch auf seine Partnerin auszuweiten –, das ist innerhalb weniger Tage für Louisa Hutton beim Gottfried Semper-Architekturpreis (wir berichteten am 3. September) geglückt: Die Sächsische Akademie der Künste teilte am Freitag mit, „dass vom Kuratorium des Gottfried Semper-Architekturpreises heute beschlossen wurde, den Gottfried Semper-Architekturpreis 2013 an Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton gemeinsam zu verleihen.“
Zur Begründung hieß es weiter: „Preisträger Matthias Sauerbruch hatte seine Freude über die Auszeichnung bekundet und zugleich auf den wesentlichen Anteil an seinem Werk durch seine Partnerin, der Architektin Louisa Hutton hingewiesen. Die Jury sah sich deshalb veranlasst, die Vergabe noch einmal zu überdenken. Auf Bitten der Jury einigte sich das Kuratorium darauf, die Satzung des Preises dahingehend zu öffnen, dass auch Architektengemeinschaften mit dem Gottfried Semper-Architekturpreis ausgezeichnet werden können.“
Die Preisverleihung an Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton findet am 28. Oktober auf Schloss Wackerbarth in Radebeul statt.
und auch an diejenigen in den gremien der sächsischen akademie, die erkannt haben, das eine änderung der satzung zeitgemäßer sein kann, als auf seiner meinung zu beharren. es ist allerhöchste zeit, mit der idee des alleinigen schöpfers und genies aufzuhören. und es gibt noch viel zu viele preise, die personengebunden sind. nicht nur den pritzker.
Muss man allen Ernstes erst darauf hingewiesen werden, dass das Oevre eines gemeinschaftlich geführten Büros die Schaffenskraft beider Inhaber repräsentiert? Dass es sich beim übergangenen Partner um eine Frau handelt, verleiht dem Ganzen nur zusätzliche Würze.
Weswegen die Vergabe nicht von vornherein auch an Hutton erfolgte, ist nicht mit einem lapidaren Verweis auf die Satzung zu erklären, allein die laute Debatte um den Pritzkerpreis für Venturi/Scott-Brown sollte die Akademie zumindest hellhörig gemacht haben.
Hier wurde schlicht gepennt, der nachträgliche Versuch der Wiedergutmachung zeigt dies nur zu offensichtlich.
Ich hatte mich schon gewundert wie es sein kann, dass im 21. Jahrhundert "die bessere Hälfte" in der Architektur immer noch nicht automatisch mitgedacht wird...