Zwischen Schreibtisch und Stall
Schulzentrum in Weidenbach von Bär Stadelmann Stöcker Architekten
„Stellt im August sich Regen ein, so regnet’s Honig und guten Wein“ – Bauernregeln unterstützen vermutlich seit Jahrtausenden die sichere Ernte. Im fränkischen Weidenbach werden diese Regeln noch immer weitergetragen. Hier allerdings nicht nur als schmissige Redewendung, sondern unterfüttert mit ernsthafter Lehre. Der Ort beheimatet nämlich mehrere Bildungseinrichtungen mit Fokus auf Landwirtschaft und Agrarwesen. Kürzlich ergänzten Bär Stadelmann Stöcker Architekten und Stadtplaner den Campus um einen Neubau für das Staatliche Berufliche Schulzentrum Ansbach-Triesdorf.
Neben dem Berufsschulzentrum, dessen Vorgänger bereits 1848 als Königliche Kreisackerbauschule gegründet wurde, umfasst der Campus zwei weitere Institutionen: die Staatliche Fachakademie für Landwirtschaft sowie einen Standort der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, der bereits 2013 erweitert wurde. Da auch das Berufsschulzentrum andauernden Zuwachs an Schüler*innen verzeichnete, beauftragte das Landratsamt Ansbach das Büro Bär Stadelmann Stöcker in einem Verhandlungsverfahren mit einer Erweiterung.
Neue Klassenzimmer für Unterricht in Agrarwirtschaft, Verwaltungsräume und Labore für Mikrobiologie finden nun im Neubau Platz. Die Hingabe zum Agrarwesen lässt sich dabei nicht nur am Raum- und Lehrprogramm ablesen. Auch formal erinnert der Schulbau mit doppeltem Satteldach und verwitterter Holzverschalung an ein Stallgebäude, zumal direkt zwischen Feld und Scheunen gelegen. In Summe wurden hier rund 4.900 Quadratmeter Bruttogrundfläche errichtet.
Die Erschließung organisiert sich um zwei belichtete Kernzonen, einen Innenhof und ein glasgedecktes Atrium. In letzterem liegt die einläufige Treppe, auf die Schüler*innen durch den Haupteingang seitlich zusteuern. Begleitet wird sie durch mehrere in die Wand eingelassene Aquarien und Terrarien. Neben ihrer dekorativen Funktion sind sie laut Architekt*innen auch als Lehrmittel für angehende Tierpfleger*innen gedacht, die hier ebenfalls ausgebildet werden. Die Innenräume mit Böden, Türen und Handläufen aus Fichte werden ansonsten durch Sichtbeton dominiert.
Bau- und Planungszeit betrugen rund vier Jahre. Die Baukosten (KG 300/400) werden mit 9,1 Millionen Euro angegeben, die Gesamtkosten mit 12,7 Millionen Euro. Apropos Bauernweisheit: „Gibst du viel im Kleinen aus, kommst du bald um Hof und Haus“, dürfte sich wohl die Regierung Mittelfrankens gedacht haben und stellte großzügige Fördermittel in Höhe von knapp sechs Millionen Euro zur Verfügung. (tg)
Fotos: Oliver Heinl
Mehr Architektur im ländlichen Raum gibt es in unserem Themenpaket Bauten für die Dorfgemeinschaft.
kritischer betrachten könnte man die menge des verbauten betons - hier wurde offensichtlich nicht gespart. der grund dafür scheint weniger in einer statisch-konstruktiven notwendigkeit zu liegen, als vermutlich eher im wunsch der architekten.
interessieren würde mich persönlich aus bautechnischer sicht noch die dimensionierung der innenliegenden dachrinne, die möglichkeit ihrer wartung/reinigung und ihr verhalten bei starkregen in zusammenhang mit unzureichender wartung.
konzeptionell fände ich noch spannend zu erfahren, welchen nutzen die unterbringung tropischer "zierfische" in glasbecken an einer landwirtschafts- und tierpflegerschule in mitteleuropa haben.
und natürlich, ja! bitte unbedingt klassenraumfotos statt der völlig belanglosen handlaufablichtung aus bild 16!
Wer hat die Fotos ausgewählt? Viel Treppe, keine Menschen so wie so! Klassen Fehlanzeige!
Was treibt uns um als Architekten?
Hier allein sieht man, dass der Fassadenversprung absolut NULL Wirkung hat, außer bissl Schattenwurf und somit "Gliederung".
Zum Dachüberstand will ich nichts sagen, erklärt sich von selbst.
Wer hat den Altvorderen in diesen Regionen nur eingebläut, dass Häuser einen Dachüberstand "aus Gründen" haben.....tsssss......