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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Schule_von_Durisch_und_Nolli_in_Gordola_1537323.html

03.03.2011

Funkelnde Sägeblattzähne

Schule von Durisch und Nolli in Gordola


Schon das kunstvolle Modell aus Kupfer kann sich sehen lassen. Noch glänzender ist jedoch der silbern verzinkte Neubau geworden. Zwischen Ackerflächen und Betonhallen steht der aufgeständerte Baukörper des Centro di Formazione Professionale. Entworfen wurde das flache Schulgebäude von den Tessiner Architekten Durisch + Nolli. Der Neubau wirkt in dieser zersiedelten Landschaft unweit des Lago Maggiore völlig überraschend. Die Gegend ist geprägt von den Überschwemmungen, die die Stoppelfelder bei Hochwasser schon unzählige Male überrollt haben. Wie die Zähne eines Sägeblatts funkeln die aneinander gereihten Spitzen des Gebäuderiegels in der Sonne.

Der Neubau schwebt hinter den grünen, aus den sechziger Jahren stammenden Schulbauten auf einer langen Plattform – die verschatteten Stützen sind kaum zu erkennen. Mit dieser modernen Pfahlbaukunst reagieren die Architekten Pia Durisch und Aldo Nolli auf die Überschwemmungen, die die älteren Bauten des Ausbildungszentrums des Schweizerischen Baumeisterverbandes in den vergangenen Jahrzehnten mehrmals zu spüren bekamen. Laut den Architekten liegt die Schule „wie ein bearbeitetes Objekt auf einer Werkbank“ – diese misst 30 mal 150 Meter, ruht auf 68 Pfeilern und bildet das Dach für Parkplätze und Abstellflächen. Das Werkstattgeschoss befindet sich, wie 2004 im Wettbewerb gefordert, zwei Meter über dem Baugrund.

Der klare Baukörper beinhaltet drei große Werkstatträume und sechs Schulzimmer für angehende Haustechniker, Holz- und Metallbauer, die von hellem, aber diffusem Tageslicht durchflutet sein sollten. Drei Wege führen über Freitreppen und eine lange Rampe auf die erhöhte Plattform. Deren Auskragungen schaffen eine terrassenartige Außenfläche, auf der man zu den drei Eingängen gelangen, das Gebäude umschreiten und Ausblicke über die weite, von Dörfern, Weinbergen und Bergen gefasste Ebene genießen kann. Hinter jedem Eingang durchquert ein Flur den Baukörper bis zur rückseitigen Glastüre, welche die Landschaft ins Innere bringt. Auf halbem Weg weiten sich die Korridore zu kleinen Foyers. Jedes von ihnen gewährt Zugang zu einer der drei großen, Laborräumen, die – dem durchgehenden Modul von drei Metern folgend – 27 Meter breit und zwischen 27 und 33 Meter lang sind.

Die drei von stützenlosen Sheddächern geschlossenen, rund 800 Quadratmeter großen Säle werden durch Glaswände in drei oder vier dem Werkunterricht angepasste Einheiten unterteilt. Tageslicht erhalten sie durch die opak verglasten Sheds und durch bildartig aus den Längsfassaden gestanzte, quadratische Fenster. Die innen sichtbaren polierten Betonwände dieser erhöhten Bauteile dienen der Versteifung des sonst in stählerner Leichtbauweise gehaltenen Gebäudes. In seiner Leichtigkeit nimmt das Bauwerk den Dialog mit den Schuppen und Treibhäusern der Umgebung auf, ähnelt aber mehr noch einer Fabrik und spielt so diskret auf die handwerkliche Ausrichtung der Schule an. Die Fassade aus verchromten Trapezblechen veredelt den funktionalen Bau und lässt ihn in der Sonne glänzen.


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