Lernen lohnt sich
Schule in Heilbronn von Behnisch Architekten
In Heilbronn ist mit der Joseph-Schwarz-Schule kürzlich eine der größten privaten Bildungseinrichtungen Deutschlands entstanden. Nach Plänen von Behnisch Architekten (Boston/München/Stuttgart/Weimar) entstand ein Campus mit rund 55.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche, der von der Kindertagesstätte bis zur gymnasialen Oberstufe alle Phasen der Schullaufbahn abdeckt. Auftraggeber des Bauprojekts – die vom Bildungsträger phorms Education angemietet wird – sind das Schwarz Immobilienmanagement und die Dieter-Schwarz-Stiftung, die zur Schwarz Gruppe gehören. Letztere ist hierzulande vor allem als Betreiberin sämtlicher Kaufland- und Lidl-Filialen bekannt.
Die Schule entstand in unmittelbarer Nähe des Heilbronner Hauptbahnhofs, auf dem nördlich gelegenen Stadtquartier Neckarbogen. Seit der Bundesgartenschau 2019 forciert die Stadt hier diverse Bauprojekte, mit dem Ziel, das zentrale Gebiet zu einem gemischten Viertel umzunutzen. Ein direkt an den Gleisen liegendes Grundstück mit etwa 14.000 Quadratmetern Fläche verkaufte sie 2019 an die Schwarz Immobilienmanagement, die ihren Hauptsitz in Heilbronn hat. Diese lobte einen nicht-offenen Planungswettbewerb für den Schulbau aus, in dem sich Behnisch Architekten durchsetzen konnten.
Der Baukörper besetzt fast das gesamte Grundstück. Im Erdgeschoss befinden sich mit einer Mensa, der Aula, einer Sporthalle und dem sogenannten Haus der Familie all jene Nutzungen, die für die gesamte Schulgemeinschaft gedacht sind. Sämtliche Freiräume, Spiel- und Bewegungsflächen wurden hingegen auf den Dachterrassen oberhalb des Erdgeschosses angeordnet. Dieser Bereich bilde laut Behnisch Architekten „einen geschützten Raum für das Schulleben – offen und sicher zugleich.“
Strukturiert werden die Freiräume durch drei Bauteile, in denen Grundschule und Kita, Sekundarstufe I und Sekundarstufe II untergebracht sind. Die Innenräume funktionieren wiederum nach dem Clusterprinzip. Um die offen gestalteten, zentralen Aufenthaltsbereiche ordneten die Architekt*innen die Unterrichtsräume an und gaben ihnen je nach Altersklasse einen eigenen Namen. Für die Kleinsten wählte man den Begriff Lernhäuser. Die erste Sekundarstufe paukt in sogenannten Lernateliers, während die gymnasiale Oberstufe mit ihrem Kurssystem in Fachclustern zusammenkommt.
Räumlich lassen sich im stark horizontal gegliederten Holzhybridbau zumindest leichte Anlehnungen an frühere Schulbauten aus dem Hause Behnisch erkennen, wenn auch die starke Orthogonalität von einer gewissen Flächenoptimierung zeugt. Ausgedehnte Lufträume und Lobbys wie etwa in der Realschule in Neunburg gibt es kaum. Doch arbeiteten die Architekt*innen mit freundlichen Oberflächen wie Holz oder gefärbtem Kautschuk und bestückten die Gemeinschaftsräume mit Sitznischen und internen Fenstern mit Blick in die benachbarten Schulbereiche. (tg)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- Behnisch Architekten
- Partner Architektur:
- Stefan Rappold, Florian Waller
- Team Architektur:
- Asli Cinkara, Anna Lena Wörn, Tim Shapkin, Sergio Salas, Nadine Hoss, Matteo Cavalli, Abdu Alshorafa, Dirk Habermann, Leslie Iturra, Cigdem Gündogdu, Igor Nakonechnyi, Cornelia Wust, Alex Whitton, Fabian Riegraf, Diana Schaudt, Beatrice Pratobevera, Khouloud Lamouchi, Olena Shvab
- Tragwerksplanung:
- Schlaich, Bergermann & Partner
- Landschaftsarchitektur:
- Bietigheimer Gartengestaltung, Seidenspinner Garten- und Landschaftsbau
- Bauherrschaft:
- Schwarz Immobilienmanagement GmbH & Co KG
- Fläche:
- 54.825 m² Bruttogrundfläche




