Kommentar-Rekord
Schlossdebatte in Berlin geht weiter
Die Nutzer unserer Meldungen haben entschieden: Das Wettbewerbsergebnis zum Berliner „Humboldt-Forum“ (siehe BauNetz-Meldung vom 28. 11. 2008) war Ihnen die größte Zahl an Leserkommentaren wert, die es je bei uns gab: per heute Nachmittag knapp 90 Kommentare! Auch wenn wir stellenweise den Eindruck haben, dass hier auch solche Rekonstruktionsbefürworter posten, die sonst nicht regelmäßig bei uns mitlesen, bleibt die Bandbreite der Argumente und Positionen eindrucksvoll.
Inzwischen hat der Wettbewerbsgewinner Francesco (Franco) Stella aus Vicenza auch für das breitere deutsche Publikum ein Gesicht bekommen: Bei der Ausstellungseröffnung der Wettbewerbsarbeiten gestern Abend im Berliner Kronprinzenpalais war er anwesend und parlierte in fließendem Deutsch in die Fernsehkameras.
In der Fachdebatte wird das Wettbewerbsergebnis inzwischen vielfach so kommentiert, dass die Arbeit von Francesco Stella als kleinster gemeinsamer Nenner schließlich von der gesamten Jury getragen wurde, nachdem absehbar war, dass die Freunde einer weniger strengen Interpretation der Auslobung keine Mehrheit für den von ihnen favorisierten Entwurf von Kuehn Malvezzi bekommen würden. Daher erhielt diese Arbeit einen Sonderpreis, der sogar höher dotiert ist als die Preissummen für die dritten Preisträger. Damit soll die Wertschätzung der Jury für dieses „Phasenmodell“ ausgedrückt werden.
Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten vom 3. bis 21. Dezember täglich 12-20 Uhr Ort: Kronprinzenpalais, Unter den Linden 3, 10117 Berlin
Zu den Kommentaren der Meldung vom 28. November
Sonderpreisträger Kuehn Malvezzi in der BauNetz-Portrait-Reihe „Crystal Talk“
Ausführliche Informationen zum Wettbewerbsergebnis mit Abbildungen aller Preisträger auf der Website des Bundesbauministeriums
Peter Richter in der F.A.S. vom 30. 11. 2008: „Und hinter jedem Schloss ein Riegel“
diese beschwören bilder einer vergangen heilen welt herauf, die es so nie gab, anstatt sich einem gewissen pragmatismus zu unterziehen. und durch hesse-zitate wird das auch nicht besser.
danke an stadtbild-deutschland für die schöne link-sammlung, ist wirklich eine gute anti-werbung. kenne viele der dort versammelten leute persönlich, doch leider hat das und die sichtung der websites nur meine meinung verstärkt.
und jetzt schluss mit debattieren, das projekt wird eh nicht verwirklicht...
an anderer stelle auf dieser webseite behaupten sie ", dass es heute keine architekten, bzw. neubauten gibt die es mit schinkel aufnehmen können". hier nun fragen sie ob es ein neues bauwerk gibt, welches das format des berliner doms hat.
mit verlaub, aber diese fragen sind kompletter unsinn. (vor allem wenn sie nicht einmal ihre kriterien offenlegen, warum der dom für SIE format hat, oder was SIE an schinkel toll finden. die größe? geschichtliche oder kunsthistorische bedeutung? material? fassadengestaltung? oder was?).
ich laß jetzt mal schinkel weg, da er aus einem anderen thread stammt:
der berliner dom ist sicherlich ein bedeutendes bauwerk SEINER zeit. genauso wie le corbusiers notre dame in ronchamp und scharouns berliner philharmonie bedeutende bauwerke IHRER zeit sind. genauso wie das mercedes benz museum in stuttgart von ben van berkel ein bedeutendes bauwerk UNSERER zeit ist. nach welchen kriterien wollen sie diese gebäude miteinander vergleichen oder gegeneinander werten? nach der fassadengestaltung? nach funktionalen kriterien? nach räumlicher qualität? nach der nutzung? nach der relevanz in ihrer zeit? oder etwa nach ihren persönlichen geschmacksvorstellungen, also IHREM empfinden, ob etwas schön ist oder nicht (oh, ich hätte fast vergessen, daß das nicht ihre persönlichen geschmacksvorstellungen sind, sondern die des "normalen volkes" heutzutage)? das ist doch alles kompletter quatsch.
ich kann doch auch nicht ein pferdefuhrwerk mit einem ford model a und mit einem porsche vergleichen.
ich verlange ja auch von ihnen keinen vergleich des berliner doms mit einem wahren barockbau, wie vierzehnheiligen oder wirklicher renaissance architektur, wie der villa rotonda um daraus die forderung abzuleiten, daß er eigentlich abgerissen gehört, weil er meilenweit nicht an seine vorbilder herankommt und nur ein abklatsch der wahren architektur ist. das ist doch genau die ideologische und dogmatische verblendung, die sie den heutigen architekten unterstellen.
ihre persönlichen ästhetischen vorstellungen in allen ehren und ich höre mir ihre argumente auch gerne an, aber hören sie doch auf HIER HERUMZUSCHREIEN und allen, die hier ihre persönlichen ästhetischen vorstellungen nicht teilen, als geschmacks- und hirnlose "modernisten" zu diffamieren. und bitte bitte bitte hören sie auf irgendwelche behauptungen aufzustellen, die sie nicht belegen können. woher wissen sie denn, daß die akademie ihren bau am pariser platz abreissen will und daß die humboldt universität mit der dudler bibliothek zufrieden ist? (aber abgesehen davon und aus wirklichem interesse: ist die grimm bibliothek für sie ein beispiel guter zeitgenössischer architektur? (<- ohne ironie oder hintergedanken, ehrliche frage;)) und die meisten bauten aus vormoderner zeit sehen auch nur so gut aus, weil sie des öfteren generalüberholt wurden (und nicht nur in unserer zeit). ich glaube sogar, einer der kritikpunkte des klassizismus am barock war, daß mehr barocke gebäude durch bauliche mängel zusammenfallen würden, als durch feindlichen beschuß. soviel zu kurzzeitigen moden und abnutzungserscheinungen. aber das letzte zitat kann ich im moment auch nicht belegen, da mir komplett entfallen ist, wer es gesagt hat und wann.
Nur ein Beispiel bitte!!"
- das war meine Frage.
Das Kolumba ist ein gutes Gebäude, auch vom Material.
Aber "Format eines Doms oder ehem. Schloss"?
Wirklich nicht.
http://www.kolumba.de/?language=ger&cat_select=1&category=14&artikle=61&preview=
zum beispiel...
Aber es gibt heute keine Architektur mehr vom Format der Gotik, des Barock, etc etc etc etc
Heute entsteht nur kurzzeitige Mode mit Materialien die nach kurzer Zeit abgenutzt sind.
Wärem die Döme aus Palstik und Glas dann würde es sie auch nicht mehr geben.
IST DAS DENN SO SCHWER ZU VERSTEHEN!!
Sehen sie sich in Berlin mal die Grimm-Bibliothek von Dudler an, die steht auch noch in 50 Jahren. Sehen sie sich die Akademie am Pariser Platz an, die Akademie wäre froh sie könnte sie schon morgen verkaufen oder abreissen.
ES GEHT AUCH UM DIE MATERIALWAHL!!
Sagen sie mir doch ein neues Gebäude das das (nur annähernde) Format eines Doms oder ehem. Schlosses hat!
Nur ein Beispiel bitte!!