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17.07.2020

Erhalten bis zu den Türknäufen

Sanierung Haus Pungs von Müller-Stüler und Höll


Die Architekturmoderne manifestiert sich neben Siedlungsprojekten, Verkehrs- und Industriebauten auch im privaten Wohnungsbau. Zu den bekanntesten zählen Villen wie etwa das Haus Müller von Adolf Loos in Prag oder die Villa Savoy von Le Corbusier in Poissy, die sich wohlhabende Bauherren von prominenten Architekten bauen ließen. Sie gehören gewissermassen zu den Popstars der Moderne.

Die übergroße Mehrheit der in den 1920er und -30er Jahren entstandenen Einfamilienhäuser präsentiert sich jedoch in einer gemäßigten, wenn nicht sogar konservativeren Ausführung, obwohl sie sich der Elemente der Moderne bedienen. Flachdach, Fensterbänder und Bullaugen fanden Verwendung in den Werken von Architekt*innen, die für teils über weniger Budget verfügende oder tradierteren Vorstellungen anhängende Bauherren planten. Auch die konservative Genehmigungspraxis vieler kommunaler Baubehörden spielte seit jeher eine Rolle in der Architekturproduktion.

Im Umland Berlins finden sich zahlreiche Beispiele dieser gemäßigten Moderne. In der heute 20.000 Einwohner zählenden Gemeinde Kleinmachnow sticht das bisher kaum gewürdigte Haus Pungs heraus, das 1932 nach Plänen des Berliner Architekten Paul Rudolf Henning für Elisabeth Pungs errichtet wurde. Es ist konsequent im Stil des Neuen Bauens gehalten und wurde 2018 unter Denkmalschutz gestellt. Die Bauherrin, eine Widerstandskämpferin zur Zeit des Nationalsozialismus, wohnte selbst nur wenige Jahre hier. Sie stellte ihr Haus für Gesprächskreise von Regimegegnern zur Verfügung, was sie ins Visier Nationalsozialisten rücken ließ. Bereits 1936 verkaufte sie das Haus aus unbekannten Gründen wieder. Seitdem wechselte es mehrfach den Besitzer und stand ab 2014 leer, sodass auch der Abriss des nur 102 Quadratmeter großen Gebäudes im Raum stand.

Im Herbst 2018 beauftragten dann die neuen Eigentümer*innen das Berliner Büro Müller-Stüler und Höll mit der Instandsetzung und Sanierung des stark verwohnten Gebäudes, das in seiner Grundstruktur aber weitgehend original erhalten war – bis hin zu den kugelrunden Griffen der Innentüren. Das nur 18 Zentimeter starke Mauerwerk aus Hochlochziegeln wies zahlreiche Setzungsrisse auf, was auf eine unzureichende Gründung zurückzuführen ist. Die Fassaden wurden von nicht tragfähigen Altputzen und den Überresten einer in den 1990er Jahren in Eigenleistung angebrachten Wärmedämmung aus Styrodur befreit, die Risse in den Wänden saniert, mit einer mineralischen Dämmung versehen und nach historischem Vorbild glatt verputzt. Das flache Walmdach wurde statisch ertüchtigt und wärmegedämmt, die Dachfläche aus Bitumen erneuert und mit fassadenbündig montierten Kastendachrinnen versehen.

Im Inneren blieben die originalen Grundrisse weitgehend erhalten – eine ursprünglich verbaute Schiebetür wurde bei der Sanierung jedoch weggelassen. Die Holzfußböden wurden aufgearbeitet, die Heizung sowie sämtliche Elektroinstallationen erneuert und mit Bakelitschaltern und Dosen nach historischem Vorbild ausgestattet, verlorengegangene Fenster- und Türbeschläge ergänzt. Von März 2019 bis Januar 2020 dauerten die Instandsetzungsarbeiten, im Zuge derer ein charmanter Vetreter des Neuen Bauens zum zeitgemäß nutzbaren Wohnhaus umgebaut wurde. (tl)



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Denkmalgerecht saniert: Haus Pungs in Kleinmachnow.

Denkmalgerecht saniert: Haus Pungs in Kleinmachnow.

Gebaute Moderne: Elisabeth Pungs ließ das Gebäude im Stil des Neuen Bauens errichten, wie dieses Bild von 1932 zeigt.

Gebaute Moderne: Elisabeth Pungs ließ das Gebäude im Stil des Neuen Bauens errichten, wie dieses Bild von 1932 zeigt.

Geschützt: 2018 wurde das Haus, hier die Gartenansicht aus dem Jahr, in die Denkmalliste aufgenommen.

Geschützt: 2018 wurde das Haus, hier die Gartenansicht aus dem Jahr, in die Denkmalliste aufgenommen.

Original: In seiner Grundstruktur ist das von Paul Rudolf Henning entworfene Haus weitgehend erhalten.

Original: In seiner Grundstruktur ist das von Paul Rudolf Henning entworfene Haus weitgehend erhalten.

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