Schaumige Blasen für Shenzhen
Sanaa planen Maritimes Museum
Das Tokioter Büro Sanaa wird das neue Shenzhen Maritime Museum planen. Es ist als wolkenartiges Wahrzeichen mit Kuppelbauten visualisiert, die sich über die durchgehende Dachkonstruktion zu einem Konglomerat von Ausstellungsräumen und semi-offenen Bereichen verbinden. Baugrundstück ist ein Areal zwischen den Bergen der Dapeng-Halbinsel und dem Meer der Longqi-Bucht. Auf gut 58.000 Quadratmetern wird sich das Museum auf zwei überirdischen und einer unterirdischen Ebene erstrecken. Sie bilden eine zusammenhängende Museumslandschaft, die den Besucher*innen individuelle Routen anbietet. Die semitransparente Hülle will die umgebene Landschaft – mit der Meeresbucht, den angelegten Seen und dem Park – einbeziehen. Insofern kann der Entwurf als sanfte Hügellandschaft oder auch als schäumende Blasen auf der Meeresoberfläche interpretiert werden. Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa von Sanaa wollen ihn mit geradezu klassischer japanischer Haiku-Poesie als „Wolken, die aus dem Meer auftauchen“ verstanden wissen.
Vielleicht ließe sich das Projekt aber auch politisch deuten. Während der „renitente“, große Bruder Hongkong auf eine jahrhundertealte maritime Tradition zurückblicken kann, hat der vor 40 Jahren geplante Freihandelszonen-Doppelgänger Shenzhen in dieser Hinsicht recht wenig vorzuweisen. Ein Umstand, der sich für die vor Selbstbewusstsein strotzende Stadt mit einem spektakulären architektonischen Großprojekt offensichtlich gut kaschieren lässt.
Das Museum entsteht im Auftrag der Stadt. Es ist damit Teil einer Bauoffensive von kulturellen Institutionen, die in Shenzhen entstehen oder kürzlich fertig gestellt wurden. Darunter fallen das Wissenschafts- und Technologiemuseum von Zaha Hadid Architects mit angeschlossenem Masterplan, ein Natural History Museum des Planungskonsortiums 3XN, B+H und Zhubo Design oder das Museum of Contemporary Art & Planning Exhibition von Coop Himmelb(l)au als Teil des Cultural District im Bezirk Futian. (stu)
"Das Leben gibt dir die Schwingungen, baue dir die Architektur."
lieber Fabian, vielen Dank für Deine Reaktion, damit eine tolle Diskussion hier entstanden ist. In dem Fall, dass chinesische Regie die kulturelle Rolle von Hongkong ersetzen will, würde ich so ein Projekt nicht teilnehmen. Auch so eine Bibliothek alle Bücher, die nur von der Regie ausgewählt sind, auf Regal aufgestellt werden dürfen, möchte ich auch nie bauen. Tempelhofer Feld ist nicht wegen der Architektur toll geworden.
Wenn ich nicht daran glauben würde, dass Architektur Dinge verbessern kann würde ich sie nicht machen - das muss nicht gleich Regimechange sein, vor allem wenn der von der Bevölkerung nicht gewollt ist.
Ich sage nicht, dass das Mittel des Architekten nicht die Architektur ist und auch in fast jedem Fall wahrgenommen werden sollte. Aber auch dann kann die Wahl der Projekte mit genau dieser Einstellung zu tun haben. Nicht ohne Grund wurde deshalb zum Beispiel der Pritzker-Preis dieses Jahr genau an solch ein Büro vergeben. Das bedeutet nicht, wir Architekten sollten jetzt nurnoch gesellschaftlich relevante Themen behandeln, aber uns dieser eben bewusst sein. Und zum Zweiten: In gewissen Fällen, wenn man aus bekannten Gründen, die Motive und Absichten des Bauherren in Frage stellen kann, dann ist es eben doch ein probates Mittel eine Bauaufgabe abzulehnen. Wir sollten unsere Mittel nicht unterschätzen, aber auch nicht überschätzen. Glauben Sie wirklich ein Bibliotheksbau bestärkt einen politischen oder gesellschaftlichen Wandel? Diese Argumentation - die ja bekanntlich von einigen genutzt wurde - ist wohl leider durch die letzten 70 Jahre widerlegt.
Einfamilienhäuser sind ein problematisches Baufeld mit Blick auf Klimawandel und Flächenverbrauch. Die Bauvorhaben die nicht "von der Stange" sind, sind dann auch noch oftmals von den verschrieenen Millionären. Mehrfamilienhäuser sind in der Mehrheit Investor (Kapital)getrieben. Der Anteil genossenschaftlicher Wohnungen (was ich persönlich hervorragend fände und gefördert werden sollte wo möglich) ist gerademal 9,2% in Deutschland. Kulturbauten sind a) SEHR rar und b) dann auch noch oft von der Regierung - schließlich hat sich die Diskussion ja an einem Kulturbau entzündet. Gewerbebauten sind oft Ingenieurbauten und wenn es doch um "Vorzeigeprojekte" geht dann (fast) immer: Kapital. Meine Frage bleibt bestehen und ist nicht zynisch gemeint. Ich glaube nur wenn wir als Architekten die Welt verbessern wollen, können wir das am besten durch unsere Architektur, und nicht durch das verweigern unserer Architektur.