Monochrom in Berlin-Mitte
Remisensanierung von J. Mayer H. und Partner
In unseren verdichteten Innenstädten kommt die zu Wohnraum umgebaute Remise dem Einfamilienhausfeeling wohl am nächsten: Keine Nachbarn darüber, die auf den Köpfen herumstapfen oder darunter, die sich über das eigene Trampeln beschweren. Und ein direkter Zugang über den Außenbereich, der sich oftmals als kleiner Garten mitnutzen lässt.
Eine fünfköpfige Familie konnte kürzlich ein solches Eigenheim beziehen, ohne auf die Urbanität von Berlin-Mitte verzichten zu müssen. Das ortsansässige Büro J. Mayer H. und Partner übernahm die Transformation ihres Hofhäuschens – insofern man bei diesem von dem Büro selbst als „Pinselsanierung“ bezeichneten Projekt von Transformation sprechen kann.
Der L-förmige Bestand ist wohl Marke Eigenbau: Ein rauh verputztes Bauwerk, das zwischen 1960 und 1990 anstelle eines im Krieg zerstörten Wirtschaftsgebäudes mit gefundenem Material errichtet wurde. Höhenversprünge, Splitlevel und seltsam geschnittene Räume zeugen von dieser schrittweisen und improvisierten Entstehungsgeschichte, die das Team, bestehend aus Jürgen Mayer H., Hans Schneider und Max Margorskyi bewahren und übersteigern wollte.
Fassade und Außenraum wurden behutsam und wenig augenscheinlich restauriert. Eine eigens angefertigte Plastik des Hyperrealisten Tony Matelli setzt im Garten den Ton des gesamten Projekts, bei dem nicht immer ganz klar ist, was Zufall und was beabsichtigt ist. Innen bilden monochrome, hochglänzende Räume den Hintergrund für Sammlerstücke der offensichtlich sehr kunstinteressierten Bewohnerschaft. Und unterstützen in Farbgebung und Flächigkeit durchaus die Wirkung der teilweise ebenfalls zum Grotesken tendierenden Designermöbel.
Treppengeländer, Türen, Fliesen und Lichtschalter aus allen Bauphasen blieben erhalten. Ob nun die übermalerten, teils abenteuerlich anmutenden Aufputzinstallationen vielleicht selbst bereits als Kunstwerk gelten, liegt wohl im Auge der Bauherrschaft. Auch, ob die Reflexionen der lackierten Decken für den im Blockinneren mangelnden Lichteinfall entschädigen, müssen die Nutzer*innen beurteilen. Vielleicht eröffnet die Remise mit ihrer inszenierten Ehrlichkeit ein neues Kapitel der auf schöne Oberflächen fokussierten DIY-Wohntrends auf Instagram. Und wie schon bei älteren Projekten von J. Mayer H. sollte auch dieses mit einer guten Portion Humor gelesen werden. (kms)
Fotos: Frank Sperling
Einblick in die Arbeit von Tony Matelli und Team gibt es hier.
Nachdem man letztes Jahr die gestalterische Armut des Assad-Bunkers gesehen hat, ist dies geradezu anzunehmen und als neues Geschäftsgebiet sicherlich sehr lukrativ. Das fröhliche, blaue Bad dient dazu, die Augen zu kalibrieren, damit man die Vergilbtheit des Rests weiterhin wahrnehmen kann?
Aesopfläschen, Botta-Lampe, Olafur-Spiegel und ErtlZüll-Bänkchen. Jeder Raum ein Statement dazuzugehören. Nicht durch die Architektur, nein nein, die Produkte schaffen das alleine. Wer die Semiotik versteht, klopft sich auf die Schulter. Ich gehöre dazu und daher gefällt es mir auch so gut. Auf jeden Fall das Maximum aus dem herrschenden Mitte Norm-Core rausgeholt. Das feine Gelb ist die Kirsche auf der Torte. Ein Fenster zur Welt wäre als Kontaktkanone mit der Nachbarschaft natürlich nicht falsch gewesen. Es wäre auch gut für den Marktwert gewesen - Man bedenke bei Designerprodukten bitte immer den "Resell". ;)
Wir seh´n hinein ins grelle Kunstlicht, schwer betroffen... denn es erhellt nicht(s). Alle Fragen offen. Ist das schon Lichtkunst oder kann das weg? Bin ich besoffen oder ist das nur der Schreck, wo der Blick schweifend sucht der schweren Torte Sahne??? Die Antwort soll wohl subtilst geben die Banane!?